FR-Klassenbuch

Donny van de Beek: Eintrachts größte Enttäuschung

+
Mehr Flop geht kaum: Donny van de Beek. IMAGO / Kessler
  • schließen

Donny van de Beek, der prominente Leihspieler von Manchester United, bleibt meilenweit hinter den Erwartungen zurück.

Es muss noch einen anderen geben, einen zweiten Donny van de Beek. Vielleicht sein Zwillingsbruder. Oder Doppelgänger. Das ist die einzig halbwegs plausible Erklärung. Der Donny van de Beek, der seit Januar dieses Jahres bei Eintracht Frankfurt vergeblich versucht hat, Fuß zu fassen, kann nicht der Donny van de Beek gewesen sein, der vor wenigen Jahren noch bei Ajax Amsterdam aufgetrumpft hatte.

Ein Donny van de Beek, der in einem Team, angeleitet von Erik ten Hag, mit Stars wie Dolberg, de Jong, de Ligt, Tadic und Ziyech stand, und ein paar Sekunden vor dem Einzug ins Champions-League-Finale. 2019 war das, als die Holländer in der Nachspielzeit, van de Beek war in der 90. Minute ausgewechselt worden, gegen Tottenham Hotspur noch den 2:3-Tiefschlag erlitten.

FR-Klassenbuch

Eintracht Frankfurt läuft am Ende auf Rang sechs ein, kann aber die Menschen in der abgelaufenen Saison nicht begeistern. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 3- für den Bundesligisten.

Das große Klassenbuch gibt’s dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – vom Primus über den Musterschüler bis hin zu den Sitzenbleibern.

Heute im Check: Donny van de Beek.

Es war ein faszinierendes, aufregend fußballspielendes Ajax-Team, das seinerzeit mutig durch Europa tourte, die Fachwelt in Verzückung spielte, und Donny van de Beek war mittendrin. In 57 Pflichtspielen für Ajax hatte er 17 Tore erzielt und 13 Vorlagen geliefert. 55 Millionen Euro betrug damals sein Marktwert, ganz Europa riss sich um diese jungen Himmelsstürmer. Viele folgten den Verlockungen, van de Beek blieb noch ein Jahr, wechselte dann zu Manchester United für 39 Millionen Euro, wo später sein Förderer ten Hag trainierte. Das war also der eine Donny van de Beek.

Mehr zu Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt bekommt bei Werben um Pascal Groß Konkurrenz

Der andere kam in vier Monaten Frankfurt auf ganze acht Einsätze, kein einziger über 90 Minuten, er hinterließ keinerlei Fußabdrücke, erzielte null Tore, gab null Vorlagen, am Ende stand er gar nicht mehr im Kader. Man hatte eher den Eindruck, da sei ein Spieler gekommen, der vorher bei der SpVgg Greuther Fürth oder SC Paderborn gespielt hätte statt bei Manchester United. Saft- und kraftlos, ohne Bindung trabte der 27-Jährige über den Platz, im Training, so heißt es, habe er zuweilen seine Klasse angedeutet. Sein Marktwert war längst tief in den Keller gerutscht, auf fünf Millionen Euro. Was für ein Absturz!

Und wie konnte Sportvorstand Markus Krösche so daneben liegen? Dabei hatte er bei seiner Ausleihe (Gebühr: drei Millionen Euro) noch geschwärmt: „Donny van de Beek passt perfekt zu unserer Spielidee und ist für unsere Mannschaft ein wichtiges Puzzleteil“. Die prominente Neuverpflichtung bringe „reichlich internationale Erfahrung mit, von der unsere jungen Spieler profitieren werden. Donny strahlt Torgefahr aus“. So weit die Theorie.

Ein einziges Missverständnis

Der Karriereknick des Niederländers hat sich ja angedeutet: In dem halben Jahr vor seinem Wechsel hatte van de Beek in Manchester genau 21 Minuten gespielt, in der Saison davor kam er auf zehn Pflichtspiele, selbst eine Ausleihe zum Konkurrenten FC Everton blieb fruchtlos. Sicher: Er hatte mit Verletzungen zu kämpfen, eine Seitenbandzerrung im Knie hatte ihn die erste Hälfte in 2023 gekostet. Irgendwie ist der hochveranlagte Mittelfeldspieler, der hinter den Spitzen am wertvollsten sein soll, danach nicht mehr richtig auf die Beine gekommen.

Dass ein Profi aber, der niederländischer Nationalspieler ist, Erfahrungen in Champions League und Europa League hatte sammeln können, selbst bei einem Klub wie Eintracht Frankfurt, nicht gerade gesegnet mit kreativen Mittelfeldspielern, so gar nicht zündet, war dann doch überraschend. Der Familienvater wirkte häufig blockiert, spielte niemals frei auf, schien alles verlernt zu haben. Früh war klar: Eintracht Frankfurt würde die Kaufoption (etwa zehn Millionen Euro) nicht ziehen, vielmehr war sein Wechsel in den Stadtwald ein einziges Missverständnis - für beide Seiten. Denn auch der Niederländer war mit gänzlich anderen Erwartungen gekommen, er wollte seine schwer ins Stocken geratene Karriere neu anschieben. Das ist ihm nicht gelungen. Wie es weiter geht mit dem gefallenen Star? Schulterzucken. Bei ManU hat er noch einen Vertrag bis 2025.

Kommentare