Exklusives Interview

VfB-Star Stiller verrät, wie ihm Atakan Karazor hilft

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Angelo Stiller ist fester Bestandteil der Erfolgself des VfB Stuttgart. Mit BW24 hat er über sein besonderes Verhältnis zu Hoeneß, die EM, schwäbisches Tiki-Taka und einen Oktoberfestbesuch gesprochen.

Angelo Stiller, im Sommer kamen Sie aus Hoffenheim zum VfB Stuttgart. Haben Sie sich inzwischen bei den Schwaben eingelebt? Ich erinnere mich, dass die Wohnungssuche nicht ganz so einfach war.

Ja, es war jetzt nicht die einfachste, aber mittlerweile habe ich eine Wohnung gefunden und alles eingerichtet. Ich lebe mitten in der Stadt, da fühle ich mich sehr wohl und kann alles gut erreichen.

Wie genießen Sie das Stadtleben? 

Mir war wichtig, dass ich alles zu Fuß erreichen kann, wenn ich irgendwo essen gehen oder einen Kaffee trinken möchte. Das ist ein sehr schönes Gefühl. 

NameAngelo Stiller
Geboren4. April 2001 in München
Größe1,83 Meter
Positiondefensives Mittelfeld
bisherige VereineTSV Milbertshofen, FC Bayern München, TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart

Angelo Stiller: „Hoeneß ist ein sehr klarer Mensch, der weiß, wie er die Mannschaft richtig anpackt“

Kommen wir zum Fußball. Einer Ihrer Hauptgründe für Ihren Wechsel zum VfB war Sebastian Hoeneß, den Sie bereits aus Jugendzeiten und aus Hoffenheim kennen. Wie würden Sie Ihr Verhältnis beschreiben?

Wir haben ein vertrauensvolles Verhältnis, sodass wir einfach wissen, wie wir Fußball spielen wollen. Ich weiß, wie er Fußball spielen lässt und er weiß, wie ich Fußball spielen möchte. Das harmoniert einfach gut. 

Als eine wichtige Zutat im Erfolgsrezept von Hoeneß gilt die Kommunikation mit seinen Spielern. Gab es für Sie einen Schlüsselmoment, wonach Sie gesagt haben: Okay, diesem Trainer vertraue ich zu hundert Prozent, für den gehe ich durchs Feuer?

Ich denke, so etwas entwickelt sich nach und nach. Solch ein Verhältnis oder Vertrauen kommt mit der Zeit. Einen speziellen Moment, wonach ich gesagt habe, ich gehe für ihn durchs Feuer, gab es nicht. Wenn ich weiß, was der Trainer möchte, stehe ich auch zu hundert Prozent dahinter und gebe jede Sekunde alles dafür, damit wir als Mannschaft Erfolg haben. 

Was macht ihn auf menschlicher Ebene aus? 

Er ist ein sehr klarer Mensch, der weiß, was er möchte und wie er die Mannschaft richtig anpackt.

Pflegen ein inniges Verhältnis: VfB-Trainer Sebastian Hoeneß (l.) und sein Schützling Angelo Stiller.

Atakan Karazor ist für Angelo Stiller einer der wichtigsten Mitspieler beim VfB Stuttgart

Hoeneß schätzt an Ihnen unter anderem, dass Sie auf dem Platz viel mit den Teamkollegen sprechen. Jetzt haben Sie aber einen neben sich, mit Atakan Karazor, der selbst glaubt, mit seiner Art und Weise der Kommunikation dem ein oder anderen Mitspieler auch mal auf die Nerven zu gehen. Wie ist es, neben „Radio Karazor“ auf dem Platz zu stehen?

Es macht sehr viel Spaß. Auf dieser Position ist es wichtig, viel zu kommunizieren und auch laut zu sein, da wir von dort das gesamte Spielgeschehen im Blick haben. Ihn neben mir zu haben, macht das Leben auf dem Feld einfacher. Es ist ein Geben und Nehmen. Er hilft mir, aber auch ich versuche, ihm Tipps zu geben. Für mich ist Ata einer der wichtigsten Mitspieler.

Wie hilft er Ihnen?

Wir sprechen sehr viel über einzelne Situationen, wie wir am besten laufen oder stehen, um es dem Gegner möglichst schwer zu machen. Und auch das Spiel mit Ball ist wichtig. Wenn du als Sechser den Ball nicht haben möchtest, spielst du auf der falschen Position. Und Ata versteckt sich nie, was uns allen hilft.

Auf den ersten Blick sind Sie und Karazor gar nicht so unterschiedlich vom Spielertyp her, warum ergänzen Sie sich trotzdem so gut? 

Weil wir einfach gleich ticken. Bei einer Doppelsechs wird oft gesagt, dass der eine nur offensiv denkt und der andere defensiv, oder der eine ist für Zweikämpfe da, der andere eher fürs Passspiel. Aber das ist bei uns gar nicht der Fall. Wir beide wollen den Ball haben und wir beide wollen Zweikämpfe gewinnen. Es hilft uns, dass wir das Spiel gleich sehen und auch gestalten wollen.

Die erfolgreiche Doppelsechs des VfB Stuttgart: Atakan Karazor (2.v.l.) und Angelo Stiller (3.v.l.).

Stiller hatte noch keinen Kontakt mit DFB-Cheftrainer Nagelsmann

Durch die Wahnsinns-Hinrunde, die sie als Tabellendritter abgeschlossen haben, werden inzwischen mehrere VfB-Profis als Nationalspieler gehandelt. Auch Ihr Name ist bereits gefallen. Glauben Sie an eine EM-Teilnahme? 

Ich mache mir darüber keine Gedanken. Mein Ziel ist es, mit dem VfB eine gute Saison zu spielen und an die Hinrunde anzuknüpfen. Und wenn dann der Anruf kommt, würde ich mich natürlich freuen.

Aber es gab noch keinen Kontakt mit Bundestrainer Julian Nagelsmann?

Nein, den gab es noch nicht.

In der starken Hinrunde musste der VfB auch mit Rückschlägen umgehen. Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Wir müssen auf unsere Stärken vertrauen. In Leipzig war ich ja noch nicht dabei, weil ich erst nach dem Spiel zum VfB gewechselt war. Aber als ich damals hierherkam, habe ich keinen gesehen, der den Kopf hängen ließ. Im Gegenteil, wir wollten zeigen, dass wir es besser können.

Und genau das ist in solchen Situationen wichtig, nicht zu zweifeln, sondern einfach weiterzumachen, sich an die Dinge zu erinnern, die gut waren und auf Details einzugehen, die man besser machen kann. 

Allgöwer bis Sigurvinsson: 13 legendäre Spieler des VfB Stuttgart

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Die Meisterelf des VfB von 1952 mit dem Kapitän Robert Schlienz (hintere Reihe, fünfter von links). © Imago/Rudel
Karl Allgöwer im Spiel gegen FC Bayern und Klaus Augenthaler (im Hintergrund).
Karl Allgöwer ist mit 167 Pflichtspieltreffern der erfolgreichste Stürmer der VfB-Vereinsgeschichte. © Imago/Baumann
07.11.79 VfB Stuttgart - Dynamo Dresden Deutschland, Stuttgart, 07.11.1979, Fussball, UEFA Pokal, VfB Stuttgart - Dynamo
Hansi Müller (links) schnürte für den VfB zwischen 1975 und 1982 die Fußballschuhe. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Asgeir Sigurvinsson 1997 beim Spiel gegen Bayer Uerdingen. Vfb Stuttgart
Asgeir Sigurvinsson wurde mit dem VfB 1984 Deutscher Meister. © Imago/Baumann
Hermann Ohlicher und Andreas Brehme im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. VfB
Hermann Ohlicher stand beim VfB zwischen 1975 und 1982 als Kapitän auf dem Feld. © Imago/Kicker/Liedel
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Die Förster-Brüder im Dreikampf mit Bayerns Karl-Heinz Rummenige. Karlheinz Förster (M.) trug 267 Mal das VfB-Jersey.  © Imago/Sportfoto Rudel
Mit diesem Kopfball sicherte Guido Buchwald dem VfB Stuttgart die Meisterschaft 1992.
Mit diesem Kopfball sicherte Guido Buchwald dem VfB die Meisterschaft 1992. © Imago/Sven Simon
Jürgen Klinsmann im Trikot vom VFB Stuttgart Jürgen Klinsmann im Trikot vom VFB Stuttgart *** Jürg
Jürgen Klinsmann trug fünf Jahre lang das Trikot des VfB Stuttgart und schoss 94 Tore.  © HJS
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Das „Magische Dreieck“ um Giovane Élber, Krassimir Balakov und Fredi Bobic sorgte bei zauberhaftem Zusammenspiel für viele Tore. © Imago/Baumann
In 346 Spielen schoss Cacau 109 Tore für den VfB und feierte 2007 die Deutsche Meisterschaft.
In 346 Spielen schoss Cacau 109 Tore für den VfB und feierte 2007 die Deutsche Meisterschaft.  © Pressefoto Rudel/Robin Rudel via www.imago-images.de
Mario Gomez in der Meistersaison 2007. VfB
Mario Gomez traf im VfB-Dress 110 Mal ins gegnerische Netz.  © Imago/Baumann

„Stuttgart international“ taugt Angelo Stiller

Wie ich schon gehört habe, mögen Sie den Song „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ nicht so sehr, was aufgrund ihrer Münchner Herkunft verständlich ist. Haben Sie aber einen Stuttgarter Lieblingsfangesang?

Bei Siegen gibt es einen Gesang, der sehr oft von den Fans angestimmt wird, ich weiß aber nicht genau, wie das Lied heißt. 

Stuttgart international. 

Ja, genau. Der momentane Tabellenstand ist natürlich schön, aber wir beschäftigen uns nicht damit, ob dieses Szenario Realität werden könnte. Wir schauen immer nur auf das nächste Spiel. „Stuttgart kommt“ mag ich übrigens auch gerne. Das ist immer etwas Besonderes, wenn wir vor dem Spiel in unser Stadion einlaufen, da saugen wir die Stimmung auf.

BW24-Reporter Niklas Noack (l.) im Interview mit VfB-Profi Angelo Stiller (r.)

Gehen wir mal von einem Szenario aus, dass es am Ende wirklich dafür reicht, dass der VfB in der kommenden Saison Champions League spielt, die Hymne durften Sie ja bereits mit Bayern München erleben. Haben Sie ein Stadion auf europäischer Ebene, wo Sie gerne mal spielen würden? 

Dazu habe ich mir wie gesagt noch gar keine Gedanken gemacht. Zweimal durfte ich schon in der Königsklasse spielen. Auswärts wurde ich gegen Atlético Madrid eingewechselt, das Stadion hatte schon etwas, allerdings war es während der Corona-Pandemie und deshalb ohne Fans. Vielleicht klappt es ja irgendwann einmal mit Zuschauern.

Haben Sie denn eine europäische Lieblingsmannschaft, vielleicht aus Jugendzeiten? 

Ganz früher war ich sehr großer Barcelona-Fan, einfach wegen des Tiki-Taka-Stils. 

Welcher Spieler hat Sie besonders begeistert? 

Eigentlich alle, die haben ja in dieser Zeit einen überragenden Fußball gespielt. Wenn man sich die Highlights anschaut, wie sie die Gegner dominiert und laufen lassen haben, da hatte kein Gegner Spaß am Fußball. Deswegen versuche ich auch immer, den Stil ein bisschen nachzuahmen.

Schwäbisches Tiki-Taka also.  

Ja, genau. (lacht)  

Stiller will unbedingt ein Tor schießen – am liebsten mit Karazor zusammen

Sie sind ein Münchner Junge, Ihr Heimatverein ist der TSV Milbertshofen, zehn Minuten Fußweg vom Olympiastadion entfernt. Pflegen Sie den Kontakt dorthin noch?

Ja, wenn es die Zeit zulässt. Mein Vater ist noch sehr oft da, schaut sich die Spiele an, mein Bruder hat da auch gespielt. In der Sommer- oder Winterpause bin ich dann, wenn ich in München bin, auch sehr gerne selbst vor Ort. Die Jugendleiter und Trainer sind immer noch die gleichen, es macht Spaß, sie zu treffen.

Apropos Heimat, Ihre Familie ist ja generell fußballverrückt, Ihren Bruder und Vater haben Sie ja bereits erwähnt. Und Ihr Onkel, Michael Stiller, spielt ja auch, der ist mit sage und schreibe 50 Jahren noch in der Kreisliga aktiv. 

Ja, er hält noch gut mit und spielt oft auch 90 Minuten durch. Es macht Spaß, ihm zuzusehen, vor ein paar Jahren war ich beim Aufstiegsspiel dabei, da war dann auch sehr viel los. Es ist schön, wenn man seine Leidenschaft so lange ausüben kann. Und fit hält er sich so auch.

Feiern Sie eigentlich gerne?

Inwiefern meinen Sie?

Ich habe gehört, dass Sie von einer VfB-Prämie Ihre Familie zum Oktoberfest eingeladen haben.  

Wer hat das denn erzählt? (lacht) Wir waren mit der Familie ein, zweimal auf dem Oktoberfest. Da haben wir natürlich ein „Hendl“ gegessen und haben die Stimmung genossen. 

Ganz oben auf meiner Liste steht, ein Tor zu schießen, das wäre ganz schön. Am besten einen Doppelpack mit Ata 

Angelo Stiller, Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart

Was gibt es denn am Ende der Saison mit dem VfB Stuttgart zu feiern?

Wir versuchen, am Wochenende zu gewinnen und an die Leistungen der Vorrunde anzuknüpfen. Aber es ist schwer, etwas vorauszusagen, weil es in der Bundesliga sehr eng zugeht, da darf man sich keine Fehler erlauben. 

Haben Sie persönlich irgendwelche Ziele dieses Jahr, wo Sie sich noch weiterentwickeln wollen auf dem Platz? 

Man kann sich in jedem Bereich verbessern. Egal, ob es um Zweikampfverhalten oder um andere Dinge geht. Es wäre falsch zu sagen, hier und da mache ich jetzt nichts mehr, weil da bin ich schon gut genug. Ganz oben auf meiner Liste steht aber, ein Tor zu schießen, das wäre ganz schön. Am besten einen Doppelpack mit Ata (Atakan Karazor, Anm. d. Red.) zusammen. 

Wir sind gespannt, ob’s klappt. Vielen Dank fürs Gespräch, Angelo Stiller.

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