VonThomas Kilchensteinschließen
Eintracht-Sportdirektor Timmo Hardung hat sich selbstkritisch hinterfragt und will eine erfolgsbasierte Feedbackkultur implementieren.
Die lange Sommerpause, das ist eingehend beschrieben worden, haben die sportlich Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt natürlich nicht allein dazu genutzt, in der Hängematte neue Energie zu tanken. Ganz bestimmt nicht. Statt dessen wurden Türen verschlossen und Tacheles geredet, die vergangene Saison hat, trotz eines insgesamt guten sechsten Platzes und des Erreichens eines europäischen Wettbewerbs, doch mehr Fragen als erwartet aufgeworfen.
Es galt Antworten zu finden, und ganz offensichtlich sind sie gefunden worden. Sagt Timmo Hardung, seit einem Jahr Sportdirektor beim hessischen Bundesligisten, in Louisville, wo sich die erste Mannschaft derzeit auf neue, anspruchsvolle Aufgaben vorbereitet.
Eintracht-Kader ist fast voll
Wie diese Antworten freilich en detail aussehen, wollte Hardung nicht verraten, da „bleiben die Türen zu“. Es war ja auch an seiner Arbeit intern ein wenig Kritik geübt worden, keinesfalls wolle er sich aus der Verantwortung stehlen, betonte er. Und auch deswegen habe er sich persönlich und in der Sache „kritisch und ehrlich“ hinterfragt mit dem Ergebnis: „Ich werde versuchen, künftig Dinge anders anzugehen.“ Was dies im einzelnen bedeutet, wollte er nicht verraten, nur so viel: Alles, was zum Ziel führe, erfolgreich zu arbeiten, wolle er und die komplette sportliche Führung in die Wege leiten und sei hochwillkommen.
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Dazu gehört für Hardung auch, im Klub „eine erfolgsbasierte Feedbackkultur“ zu implementieren. Heutzutage sei es von „essentieller“ Bedeutung, sich einer regelmäßigen Rückmeldung nicht zu verschließen, andernfalls „stagniert man und andere überholen einen“. Aus Fehlern müsse man lernen, deshalb sei verantwortungsvolles, sachliches Feedback unverzichtbar.
Deshalb würde er sich natürlich auch einer personellen Verstärkung in seinem Ressort nicht verschließen, die Namen der früheren Eintracht-Profis Pirmin Schwegler oder Gelson Fernandes sind ja schon auf dem Markt. Hardung sagt: „Das sind Themen, die analysiert werden müssen.“ Er wolle, und das genieße oberste Priorität, sportlich erfolgreich sein und dazu gehört ein „teambasiertes Arbeiten“ zwangsläufig dazu. Und doch will sich der 34-Jährige nicht verbiegen, Kritik nimmt er an, setzt sich mit ihr auseinander, selbst wenn er nicht der gleichen Meinung ist. Aber: „Ich will mir auch treu bleiben.“
Ansonsten, findet er, habe man in den zurückliegende Wochen gut gearbeitet, „wir waren fleißig“. Der Kader „ist zum sehr großen Teil zusammen“, selbst wenn man mit der Zusammenstellung „noch nicht fertig“ sei. Das Transferfenster ist ja noch eine lange Weile offen, und in der Vergangenheit hat sich, nicht nur bei Eintracht Frankfurt, stets zum Ende noch einiges getan.
Will Botafogo Tuta?
Aktuell etwa ist das Gerücht aufgekommen, der brasilianische Spitzenklub Botafogo aus Rio de Janeiro habe seine Angel nach Landsmann Tuta ausgeworfen. Das ist insofern von Belang, weil der 25-Jährige mit der Erfahrung von 143 Bundesligaspielen, bald fünf Jahre bei den Hessen, auch im defensiven Mittelfeld spielen kann, wo ihn Trainer Dino Toppmöller ebenfalls sieht. Da könnte Bedarf bestehen, weil sich die Verpflichtung eines „Sechsers“, etwa Pascal Groß, zerschlagen hat. Hardung wollte diese Meldungen, die er ohnehin nur aus den Sozialen Medien vernommen hat und nicht mittels offizielle Anfrage aus Brasilien, nicht bestätigen, mehr noch: „Ich dementiere sie sogar.“
Ansonsten, sagt Timmo Hardung, finde die Mannschaft in Kentucky „außergewöhnliche“ Bedingungen vor, „die Ihresgleichen suchen“. Sportplätze, Kraftraum, Hotel seien von beeindruckender Qualität, „die Arbeit kann beginnen“. Und bislang lasse sich alles bei zwei täglichen Übungseinheiten sehr gut an, überall sei „der Punch“ zu spüren, den alle suchen, ein „keyword“ inzwischen in der Fußballersprache,
Mexiko ist heiß
Und er findet auch nichts daran, dass die Temperaturen dieser Tage in Kentucky regelmäßig die 30 Grad-Marke streifen und in Mexiko, wo Eintracht Frankfurt ein Freundschaftsspiel gegen den FC Juarez bestreitet, sogar noch höher liegen. „Das ist besser als wenn es regnet.“ Auch die Reisestrapazen hält der Sportdirektor für ertragbar, drei Zeitzonen binnen drei Tagen, dazu zum Abschluss noch ein Trip nach New York gehöre halt zum „Fußballerleben dazu“, die Spieler müssten zuhause ja auch einen Donnerstag-Sonntag-Donnerstag-Rhythmus verkraften. „Der Körper muss sich daran gewöhnen.“ Schlaf, Ernährung, Prävention gewännen da an Bedeutung. Er lässt aber auch keinen Zweifel daran: Nordamerika „ist ein sehr wichtiger Markt für uns“.
