VonKorbinian Kothnyschließen
Julian Nagelsmann gilt als Favorit auf die DFB-Nachfolge von Hansi Flick. Dafür müsste aber der FC Bayern mitspielen. Im Gespräch ist ein Gentlemen‘s Agreement.
Frankfurt – Helmut Schön, Franz Beckenbauer und Jürgen Klinsmann sind die bislang einzigen Bundestrainer, die Deutschland bei einem Fußball-Großereignis in der Bundesrepublik betreut haben. Eigentlich sollte sich Hansi Flick in diese elitäre Liste einreihen. Doch daraus wird nichts.
| Julian Nagelsmann | |
|---|---|
| Geboren: | 23. Juli 1987 (36 Jahre alt) in Landsberg am Lech |
| Größter Erfolg als Trainer: | Deutscher Meister 2022 |
| Beim FC Bayern unter Vertrag bis: | 30. Juni 2025 |
Nagelsmann als Favorit auf Flick-Nachfolge
Flick ist seit Sonntag-Nachmittag Geschichte und der DFB steht neun Monate vor Beginn der Heim-EM vor der Frage, wer Deutschland vor einem Debakel bewahren soll. Louis van Gaal, Felix Magath, Oliver Glasner, Matthias Sammer, … die Liste möglicher Nachfolger ist lang.
Ein Name kristallisierte sich dabei aber schon wenige Stunden nach der Flick-Entlassung heraus: Julian Nagelsmann. Der 36-Jährige ist seit seiner Entlassung beim FC Bayern im März ohne Job und wäre dadurch sofort verfügbar. Allerdings gibt es bei dieser Rechnung ein Problem.
FC Bayern verzichtete auch bei Flick auf Ablöseseumme
Nagelsmann steht trotz seiner Entlassung weiterhin beim FC Bayern unter Vertrag. Der DFB müsste daher erst mit dem deutschen Rekordmeister verhandeln. Denn die Münchener könnten theoretisch sogar eine Ablösesumme für ihren Ex-Trainer verlangen. Als der FCB Nagelsmann im Sommer 2021 von RB Leipzig loseiste, floss Medienberichten zufolge eine Summe von etwa 20 Millionen Euro aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Sachsen.
Es gilt als ausgeschlossen, dass der DFB eine ähnliche Summe aufbringen wird. Nach fr-Informationen könnte es aber zu einem Gentlemen‘s Agreement zwischen dem Verband und den Münchenern kommen. Demnach würde der FC Bayern auf eine Ablösesumme für Nagelsmann verzichten, gleichzeitig aber seinen Ex-Coach von der Payroll bekommen. Auch bei Flick hatten die Bayern auf eine Ablösesumme vom DFB verzichtet.
DFB müsste auf Wohlwollen von Nagelsmann und FC Bayern hoffen
Selbst bei einem Gentlemen‘s Agreement zwischen dem Verband und den Münchenern blieben aber viele weitere Fragen offen. Nagelsmann selbst müsste wohl auch zu einem Gehaltsverzicht bereit sein. Der 36-Jährige steht noch bis 2025 beim FC Bayern unter Vertrag und soll dem Vernehmen nach zwischen sieben und acht Millionen Euro Jahresgehalt beziehen.
Eine Summe, die ihm der DFB wohl nicht zahlen könnte. Der geschasste Flick soll nach fr-Informationen sechs Millionen Euro jährlich beim DFB verdient haben und steht auch nach seiner Entlassung weiterhin auf der Gehaltsliste. Unwahrscheinlich, dass der sowieso schon klamme Verband Nagelsmann mit einem ähnlich hoch dotierten Vertrag ausstatten würde.
Nagelsmann lehnt lukrative Angebote ab
Und selbst wenn alle finanziellen Details geklärt werden könnten, stellt sich immer noch die Frage, ob Nagelsmann auch wirklich Bundestrainer werden will. Der Ex-Bayern-Coach steht mit 36 Jahren immer noch am Anfang seiner Trainerkarriere und hatte in der Vergangenheit lukrative Angebote aus London, Paris oder Neapel abgelehnt.
Vielleicht überwiegt am Ende bei Nagelsmann aber auch der Reiz, in einer Reihe mit Schön, Beckenbauer und Klinsmann genannt zu werden. Alle drei hatte im Übrigen mindestens das Halbfinale erreicht. (kk)
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