Von Sascha Mehr
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Der Tod der Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier erschüttert die Welt. Thomas Huber war einer der Ersten vor Ort und schildert die dramatischen Ereignisse.
Karakorum – Der tragische Tod der 31-jährigen Extremkletterin Laura Dahlmeier am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge hat die Welt erschüttert. Die zweifache Biathlon-Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin war beim Abseilen von einem Steinschlag getroffen worden und verstarb in 5700 Metern Höhe. Thomas Huber, einer der bekanntesten deutschen Bergsteiger, war einer der Ersten, die vor Ort waren, und erlebte die dramatischen Stunden nach dem Unfall.
Bergsteiger Thomas Huber äußert sich zum Unglück von Laura Dahlmeier.
© Imago/Star-media/Sven Simon
Huber, der selbst schon viele gefährliche Situationen überlebt hat, war zu dieser Zeit auf einer Expedition in Pakistan. Als er von dem Unglück hörte, zögerte er nicht lange und versuchte, den Leichnam von Dahlmeier zu bergen. „Nach weiteren Umrundungsflügen haben wir ziemlich schnell erkennen müssen, dass für Laura jede Hilfe zu spät kam“, berichtet Huber in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung .
Deutscher Bergsteiger Huber schildert Erlebnisse am Laila Peak Die Bedingungen am Berg waren extrem gefährlich, was auch dazu führte, dass der erste Bergungsversuch abgebrochen werden musste. Laura Dahlmeier hatte vor ihrem Tod verfügt, dass ihre Leiche nicht geborgen werden sollte, falls sich dabei Retter in Lebensgefahr begeben müssten. Huber respektierte diesen Wunsch, obwohl Dahlmeiers Eltern hofften, ihre Tochter nach Hause bringen zu können.
Auf deren Bitte hin unternahm Huber einen weiteren Bergungsversuch, jedoch ohne Erfolg. „Wir haben aber nichts mehr gefunden, und so wird Laura am Berg wohl für immer ihre letzte Ruhe finden“, so Huber. „Wir sind zurück in unser Basislager, von dort bin ich allein ins ABC-Lager aufgestiegen und habe mich auf einen Stein gesetzt. Dann konnte ich endlich weinen und mich von einem guten Freund, wie Laura einer war, verabschieden.“
Laura Dahlmeier ist tot – sie folgt langer trauriger Liste von Kletter-Kollegen Die frühere deutsche Biathletin Laura Dahlmeier ist bei einem Bergunfall im pakistanischen Karakorum-Gebirge ums Leben gekommen. Die 31-Jährige wurde von einem Steinschlag auf rund 5700 Meter Höhe getroffen und überlebte den Vorfall nicht. © IMAGO / TT Scott Fischer war der erste US-Amerikaner, der den 8516 Meter hohen Lhotse bestieg, den vierthöchsten Berg der Welt. Bei einer Expedition an der Südseite des Mount Everest im Jahr 1996 verunglückte Fischer, weil ihm aufgrund eines Schneesturms die Kräfte versagten. © IMAGO/Frank Bienewald Chloé Graftiaux war eine französisch-belgische Wettkampf- und Alpinkletterin. Im August 2010 wurde sie bei einem Felssturz am Mont‑Blanc-Massiv 600 Meter tief mitgerissen – sie war ungesichert unterwegs und kam sofort ums Leben. © ERIC LALMAND Chloé Graftiaux fing schon im Alter von acht Jahren zu klettern an. Ihre ältere Schwester nahm sie in die Kletterhalle mit, ihr Talent war schnell zu erkennen. © Imago / ERIC LALMAND Kurt Albert (56) ist nach seinem 18-Meter-Sturz gestorben. Kurt Albert war ein Pionier des Sportkletterns aus Deutschland. Er stürzte am 26. September 2010 in Frankenjura etwa 18 Meter ab und starb zwei Tage später an den Folgen. © dpa Dean Potter war ein Pionier im Extreme-Sport – bekannt für Free Solo und Speed-Soloing. Im Mai 2015 unternahm Potter einen Wingsuit-Flug im Yosemite-Nationalpark rund 2290 Meter über dem Valleyboden. Dabei prallte der 43-Jährige an eine Felswand und starb nach dem Aufprall. Dean Potter war ein Pionier im Extreme-Sport – bekannt für Free Solo und Speed-Soloing. Im Mai 2015 unternahm Potter einen Wingsuit-Flug im Yosemite-Nationalpark rund 2290 Meter über dem Valleyboden. Dabei prallte der 43-Jährige an eine Felswand und starb nach dem Aufprall. © Imago / Jimmy Chin Ueli Steck, auch als „Swiss Machine“ bekannt, war einer der bekanntesten Alpinisten. Er hielt unter anderem den Speed-Rekord in der Eiger-Nordwand. 2017 stürzte Steck beim Akklimatisierungstraining am Nuptse (7.861 m) in Nepal tödlich ab. Ueli Steck, auch als „Swiss Machine“ bekannt, war einer der bekanntesten Alpinisten. Er hielt unter anderem den Speed-Rekord in der Eiger-Nordwand. 2017 stürzte Steck beim Akklimatisierungstraining am Nuptse (7.861 m) in Nepal tödlich ab. © imago sportfotodienst Ueli Stecks Leiche wurde schließlich vom italienischen Helikopterpiloten Maurizio Folini auf einer Höhe von rund 6600 Metern geborgen und ins Krankenhaus nach Katmandu überführt. Ueli Stecks Leiche wurde schließlich vom italienischen Helikopterpiloten Maurizio Folini auf einer Höhe von rund 6600 Metern geborgen und ins Krankenhaus nach Katmandu überführt. © Sunil Sharma Marc‑André Leclerc erreichte im März 2018 den Gipfel der Mendenhall Türme. Seine Rückkehr wurde für den 7. März erwartet, allerdings kam er nie im Tal an. Die Leiche wurde nie gefunden. Marc‑André Leclerc erreichte im März 2018 den Gipfel der Mendenhall Türme. Seine Rückkehr wurde für den 7. März erwartet, allerdings kam er nie im Tal an. Die Leiche wurde nie gefunden. © Screenshot Instagram Marc‑André Leclerc Marc André Leclerc war der erste Mensch, dem die Solo-Besteigung im Winter eines der schwierigsten Berge Patagoniens, dem Torre Egger, gelang. Über ihn wurde sogar ein Dokumentarfilm mit dem Titel „Marc-André Leclerc: vom Klettern und Sterben des kanadischen Bergsteigers“ gedreht. Marc André Leclerc war der erste Mensch, dem die Solo-Besteigung im Winter eines der schwierigsten Berge Patagoniens, dem Torre Egger, gelang. Über ihn wurde sogar ein Dokumentarfilm mit dem Titel „Marc-André Leclerc: vom Klettern und Sterben des kanadischen Bergsteigers“ gedreht. © Screenshot Instagram Marc-André Leclerc Brad Gobright war ein US-amerikanischer Free-Solo-Kletterer. Er verunglückte 2019 im Alter von 31 Jahren beim Abseilen der Route El Sendero Luminoso in Mexiko. Brad Gobright war ein US-amerikanischer Free-Solo-Kletterer. Er verunglückte 2019 im Alter von 31 Jahren beim Abseilen der Route El Sendero Luminoso in Mexiko. © Screenshot Instagram Brad Gobright Gobright war mit seinem Seilpartner Aidan Jacobson unterwegs, als das Unglück passierte. Während Jacobsons Sturz von einem Busch abgebremst wurde, hatte Gobright weit weniger Glück: Der 31-Jährige stürzte rund 300 Meter in die Tiefe. Gobright war mit seinem Seilpartner Aidan Jacobson unterwegs, als das Unglück passierte. Während Jacobsons Sturz von einem Busch abgebremst wurde, hatte Gobright weit weniger Glück: Der 31-Jährige stürzte rund 300 Meter in die Tiefe. © Screenshot Instagram Brad Gobright David Lama war sowohl im Vorstieg als auch im Bouldern Europameister und zählte zu den besten seines Fachs. Beim Abstieg von der Ostwand des Howse Peaks im April 2019 wurde Lama von einer Lawine erfasst und stürzte im Alter von 28 Jahren etwa 800 Meter in die Tiefe. David Lama war sowohl im Vorstieg als auch im Bouldern Europameister und zählte zu den besten seines Fachs. Beim Abstieg von der Ostwand des Howse Peaks im April 2019 wurde Lama von einer Lawine erfasst und stürzte im Alter von 28 Jahren etwa 800 Meter in die Tiefe. © Imago / Capital Pictures Gemeinsam mit David Lama kam auch Hansjörg Auer bei dem Lawineneinsturz ums Leben. Der Pro-Alpinist war ursprünglich Mathematik- und Sportlehrer, bevor er 2008 komplett zum Profibergsteiger überging. Im Alter von 35 Jahren kostete ihn sein Job sein Leben. Gemeinsam mit David Lama kam auch Hansjörg Auer bei dem Lawineneinsturz ums Leben. Der Pro-Alpinist war ursprünglich Mathematik- und Sportlehrer, bevor er 2008 komplett zum Profibergsteiger überging. Im Alter von 35 Jahren kostete ihn sein Job sein Leben. © Screenshot Instagram Hansjörg Auer Der Dritte, der bei dem Unfall von David Lama und Hansjörg Auer in den Tod stürzte, war Jess Roskelley. Der US-Amerikaner war 2003 mit 20 Jahren der jüngste Bergsteiger, der den Mount Everest erklommen hat. Dies tat er gemeinsam mit seinem Vater. Der Dritte, der bei dem Unfall von David Lama und Hansjörg Auer in den Tod stürzte, war Jess Roskelley (l. auf dem Bild). Der US-Amerikaner war 2003 mit 20 Jahren der jüngste Bergsteiger, der den Mount Everest erklommen hat. Dies tat er gemeinsam mit seinem Vater. © Screenshot Instagram Jess Roskelley Das Bild zeigt Jess Roskelley (von l.), Hansjörg Auer und David Lama beim gemeinsamen Bergsteigen. Ihre Leichen wurden am 21. April 2019 von Parks Canada geborgen. Das Bild zeigt Jess Roskelley (von l.), Hansjörg Auer und David Lama beim gemeinsamen Bergsteigen. Ihre Leichen wurden am 21. April 2019 von Parks Canada geborgen. © Screenshot Instagram Jess Roskelley Luce Douady, Fünftplatzierte bei ihrem World-Cup-Debüt im Bouldern, stürzte im Juni 2020 bei einer Tour nahe Grenoble mit nur 16 Jahren aus 150 Metern in den Tod. Das Ausnahmetalent erlag noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. Luce Douady, Fünftplatzierte bei ihrem World-Cup-Debüt im Bouldern, stürzte bei einer Tour nahe Grenoble mit nur 16 Jahren aus 150 Metern in den Tod. Das Ausnahmetalent erlag noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. © Screenshot Instagram Luce Douady Luce Douady (Mitte) wurde Junioren-Weltmeisterin im Bouldern. Das Foto zeigt sie bei der Siegerehrung in Arco. Luce Douady (Mitte) wurde Junioren-Weltmeisterin im Bouldern. Das Foto zeigt sie bei der Siegerehrung in Arco. © Enrico Calderoni, via www.imago-images.de Carlalberto „Cala“ Cimenti ist im Alter von 45 Jahren in den italienischen Alpen ums Leben gekommen. Im Februar 2021 wurde der Skibergsteiger gemeinsam mit einem Freund von einer Lawine erfasst und konnte nur noch tot geborgen werden. Carlalberto „Cala“ Cimenti ist im Alter von 45 Jahren in den italienischen Alpen ums Leben gekommen. Im Februar 2021 wurde der Skibergsteiger gemeinsam mit einem Freund von einer Lawine erfasst und konnte nur noch tot geborgen werden. © Screenshot Instagram Cala Cimenti Cimenti hatte sich im Frühjahr 2020 mit dem Coronavirus infiziert, doch wollte seiner Leidenschaft in den Bergen nach einer kurzen Pause wieder nachgehen. Cimenti hatte sich im Frühjahr 2020 mit dem Coronavirus infiziert, doch wollte seiner Leidenschaft in den Bergen nach einer kurzen Pause wieder nachgehen. © Screenshot Instagram Cala Cimenti Kacper Tekieli kam im Mai 2023 bei einer Klettertour der Jungfrau im Berner Oberland ums Leben. Eine Lawine hatte den Bergsteiger erfasst, durch das schlechte Wetter war es den Rettungskräften unmöglich, ihm zur Hilfe zu eilen. Kacper Tekieli kam im Mai 2023 bei einer Klettertour an der Jungfrau im Berner Oberland ums Leben. Eine Lawine hatte den Bergsteiger erfasst, durch das schlechte Wetter war es den Rettungskräften unmöglich, ihm zur Hilfe zu eilen. © Screenshot Instagram Kacper Tekieli Kacper Tekieli war bis zu seinem Tod mit der einstigen Weltklasse-Langläuferin Justyna Kowalczyk verheiratet. „Er war mein Ein und Alles“, schrieb Kowalczyk nach dem Unglück um ihren Ehemann auf Instagram. Kacper Tekieli war bis zu seinem Tod mit der einstigen Weltklasse-Langläuferin Justyna Kowalczyk verheiratet. „Er war mein Ein und Alles“, schrieb Kowalczyk nach dem Unglück um ihren Ehemann auf Instagram. © Adam Starszynski via www.imago-images.de Im Mai 2024 verunglückte Martin Feistl beim Free Solo in der Spitzenstätter Route an der Südwand der Scharnitzspitze. Der deutsche Alpinist prallte aus 40 Metern auf ein Felsband und wurde auf ein Schneefeld geschleudert. Trotz sofortiger Hilfe verstarb Freistl noch an der Unfallstelle. Im Mai 2024 verunglückte Martin Feistl beim Free Solo in der Spitzenstätter Route an der Südwand der Scharnitzspitze. Der deutsche Alpinist prallte aus 40 Metern auf ein Felsband und wurde auf ein Schneefeld geschleudert. Trotz sofortiger Hilfe verstarb Freistl noch an der Unfallstelle. © Instagram Martin Freistl Schon Feistls Eltern waren begeisterter Kletterer, weshalb er schon früh zu klettern begann. Bereits im Alter von zehn Jahren bestieg Feistl den 5642 Meter hohen Elbrus und nur vier Jahre später einen 6000 Meter hohen Berg in Ladakh. Schon Feistls Eltern waren begeisterter Kletterer, weshalb er schon früh zu klettern begann. Bereits im Alter von zehn Jahren bestieg Feistl den 5642 Meter hohen Elbrus und nur vier Jahre später einen 6000 Meter hohen Berg in Ladakh. © Screenshot Instagram Martin Feistl Cristian Brenna, einer der herausragendsten Kletterer Italiens, starb im Juni 2025 im Alter von 54 Jahren beim Abstieg von der Monte Biaina (ca. 1.350 m) oberhalb des Gardasees. Zunächst rutschte er mehrere Meter in einem bewaldeten Hang, bevor er rund 100 bis 150 Meter tief auf Felsen abstürzte. Christian Brenna, einer der herausragendsten Kletterer Italiens, starb im Juni 2025 im Alter von 54 Jahren beim Abstieg von der Monte Biaina (ca. 1.350 m) oberhalb des Gardasees. Zunächst rutschte er mehrere Meter in einen bewaldeten Hang, bevor er rund 100 bis 150 Meter tief auf Felsen abstürzte. © Screenshot Instagram Cristian Brenna Brenna hinterlässt eine fast 40 Jahre andauernde Kletter-Karriere. Er wurde dreifacher italienischer Lead-Champion, stand mehrfach bei Weltcups auf dem Podium und gehörte zu den Ikonen des Sportkletterns der 90er-Jahre. Brenna hinterlässt eine fast 40 Jahre andauernde Kletter-Karriere. Er wurde dreifacher italienischer Lead-Champion, stand mehrfach bei Weltcups auf dem Podium und gehörte zu den Ikonen des Sportkletterns der 90er-Jahre. © Screenshot Instagram Cristian Brenna Der Verlust von Dahlmeier, mit der er selbst mehrmals in den Bergen unterwegs war, traf ihn tief. „Wenn man jemanden sieht, aus dem das Leben gewichen ist, dann baut dieser Schockmoment eine Mauer auf, und man ist sich der gesamten Tragweite zunächst nicht bewusst.“ Der Tod von Laura Dahlmeier hat eine erneute Debatte über die Gefahren des Bergsteigens entfacht.
Für Thomas Huber bleibt dieser Extremsport jedoch lebensbejahend. „Für mich ist es lebensbejahend. Weil es die ehrlichste Welt ist, die ich kenne“, erklärt er. Trotz der Risiken und Verluste, die er erlebt hat, denkt er nicht daran, mit dem Bergsteigen aufzuhören. Der Tod sei eben „ein launischer Geselle“. Für ihn stehe außer Frage, dass er weitermacht – auch den verstorbenen Freunden zuliebe. (smr )
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