VonStefan Schmidschließen
Die Qualifikation für die Fußball-WM 2026 ist teilweise schon abgeschlossen. Ein Teilnehmer ist nun von Trumps Einreisepolitik betroffen und hofft auf die FIFA.
Washington/Teheran – Sportlich gibt es nichts zu rütteln an der Entscheidung. Mit 23 Punkten errang der Iran in der Gruppe 1 der WM-Qualifikation der asiatischen Länder den ersten Platz. Damit ist man genauso wieder der zweitplatzierte Usbekistan für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada qualifiziert. Doch schon vor der Auslosung gibt es Ärger, im Iran ist gar die Rede von einer „politischen Abrechnung“.
Die Verantwortlichen des iranischen Fußballverbands (FFI) erhielten keine Einreisegenehmigung in die USA zur WM-Auslosung am 5. Dezember in Washington D.C. Darunter befinden sich Nationaltrainer Amir Ghalenoei und Präsident Mehdi Taj. Neben dem Verband hat sich auch der Vorsitzende des Sportausschusses des iranischen Parlaments in die Angelegenheit eingeschaltet, die schon jetzt dunkle Schatten auf die anstehende WM wirft.
Iranischer Sport-Boss wettert gegen USA und FIFA
Während man sich beim iranischen Fußballverband in einem Bericht der Zeitung Shargh zuversichtlich zeigte, mithilfe der FIFA doch noch entsprechende Visa für die WM-Auslosung zu erhalten und eher einen ruhigeren Ton anschlug, ging man von politischer Seite bereits zum Angriff über. Mohammad Mehdi Farvardin, Vorsitzender des iranischen Sportausschusses, greift vor allem die USA harsch an und stellt deutliche Forderungen an die FIFA.
In einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur ISNA heißt es von Farvardins Seite, dass die USA „gegen die internationalen Sportgesetze und die Grundsätze der FIFA“ verstoßen und unterstellt eine „politische Abrechnung“. Deshalb müsse sich die FIFA „unverzüglich mit diesem Thema befassen, um die internationalen Grundsätze und die Fairness im Sport zu wahren“.
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Doch die Vorwürfe von Farvardin richten sich auch gegen FIFA-Boss Gianni Infantino. Die von ISNA zitierten Passagen legen nahe, dass Infantino in der Vergangenheit den iranischen Offiziellen bereits zugesagt hätte, dass diese in die USA einreisen könnten. Freilich, beweisen lassen sich diese Aussagen nicht. Nur: Eine Kritik in seine Richtung dürfte Infantinos Bereitwilligkeit zur Vermittlung nicht gerade steigern.
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Die Hoffnung auf iranischer Seite dürfte aber genau auf jenen Infantino liegen, der vom Vorsitzenden des Sportausschusses kritisiert wurde. Amir-Mehdi Alawi, Sprecher des Fußballverbandes, sagte laut Shargh, dass man mithilfe von Infantino die Entscheidung der Visa-Verweigerung rückgängig machen wolle. Immerhin haben Infantino und US-Präsident Donald Trump, zumindest nach Außen hin, ein gutes Verhältnis.
Politisch liegt der jetzigen Auseinandersetzung des von Trump beschlossene Einreiseverbot gegen 12 Länder zugrunde. Seit dem 9. Juni ist es Bürgern aus Afghanistan, Myanmar, Tschad, Republik Kongo, Äquatorialguinea, Eritrea, Haiti, Iran, Libyen, Somalia, Sudan und Jemen gänzlich verboten, in die USA einzureisen. Schon bei der Ankündigung der Verbote wurde auf mögliche Probleme im Rahmen der anstehenden WM und Olympischen Spiele 2028 hingewiesen.
Diese Einwände wurden damit entkräftet, dass in der Anordnung Raum für entsprechende Ausnahmen dieser Sport-Großveranstaltungen gelassen wurde. Somit steht, stand jetzt, einer Teilnahme der iranischen Mannschaft an der WM nichts im Wege. Ob die Verantwortlichen allerdings schon zur Auslosung einreisen dürfen, wird sich noch zeigen. (sch)
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