Jetzt oder nie: Eintracht-Rekordtransfer gerät unter Erfolgsdruck
VonChristopher Michel
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Eintracht Frankfurt spendierte im vergangenen Winter eine große Summe für Elye Wahi. Findet der Stürmer in der Vorbereitung seine Form?
Frankfurt – Am Mittwochvormittag um 11.30 Uhr war es nach fast zweimonatiger Sommerpause so weit: Eintracht Frankfurt hat seine Vorbereitung offiziell auf dem Trainingsplatz gestartet.
Eintracht hat 60 Millionen Euro in 18 Monaten für drei Stürmer bezahlt
Mit dabei unter den 18 Feldspielern und drei Torhüter waren die drei Angreifer, für die die Hessen in den vergangenen 18 Monaten über 60 Millionen Euro auf den Tisch gelegt haben: Jonathan „Jonny“ Burkardt, Hugo Ekitiké und Elye Wahi. Und vor allem die beiden erstgenannten Angreifer zeigten sofort ihre Klasse. Ekitiké entlockte mit einer prima Aktion seinem Gegenspieler Mo Dahoud ein lautes „so eine Sch*****“.
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Burkardt zeigte von der ersten Sekunde an, wofür er steht: Schnelligkeit, Geradlinigkeit, Torabschluss mit beiden Füßen. Seine ersten beiden Treffer als Eintracht-Stürmer markierte er um 12.49 Uhr. Zunächst ein gefühlvoller Heber, wenige Sekunden später ein Abstauber. Es gibt schlechtere Einstände beim neuen Klub, wenngleich die Gegenspieler noch nicht Robin Koch, Arthur Theate, Nnamdi Collins oder Rasmus Kristensen hießen (allesamt noch Sonderurlaub).
Und was machte der Dritte im Bunde? Der Franzose Wahi arbeitete teilweise schon verbessert gegen den Ball, einmal gab es Sonderlob. Allerdings gelang ihm in den Offensivaktionen erneut phasenweise sehr wenig.
Eintracht-Stürmer Burkardt und Ekitiké glänzen – und Wahi?
Der 22-Jährige kam in einer aussichtsreichen Situation im Eins-gegen-Eins nicht an Eigengewächs Noah Fenyö vorbei. Kurze Zeit später wollte er den Ball lässig per Lupfer weiterleiten, diese Aktion missriet jedoch völlig. Ansonsten lief der knackige Wettkampf fast vollständig an ihm vorbei.
Wahi steht unter Zugzwang und Erfolgsdruck – und das alles vom ersten Tag an. Sportvorstand Markus Krösche überwies weit über 20 Millionen Euro für den Angreifer an Olympique Marseille. Natürlich erhält jeder Neuzugang in der Mainmetropole etwas Zeit, um sich in den neuen Gegebenheiten zurechtzufinden. Bei Wahi ist inzwischen aber der Zeitpunkt gekommen, an dem er zwingend liefern muss. Die ersten rund 200 Minuten waren eher enttäuschend, es gab weder Treffer noch Assist.
Hat der Stürmer tatsächlich verstanden, was für ihn auf dem Spiel steht? Während Burkardt, Ekitiké und Michy Batshuayi gleich Akzente setzen konnte, tauchte Wahi ab. Natürlich war es nur der Aufgalopp, nicht jeder Profi ist sofort auf Betriebstemperatur. Es wäre unfair, zu viele Rückschlüsse aus den ersten 120 Minuten zu ziehen.
Eintracht-Rekordtransfer Wahi steht schon jetzt unter Zugzwang
Völlig unterschätzen ist jedoch ebenfalls kontraproduktiv. Denn die Konkurrenz ist auch nach dem Weggang von Igor Matanovic zum SC Freiburg (Ablöse und Boni bringen acht Millionen Euro ein, es gibt noch eine Weiterverkaufsbeteiligung) nicht kleiner geworden. Und vor allem schläft sie nicht. Statt sich in einer Einheit, in der noch viele Stars fehlen, Selbstvertrauen zu holen, ging Wahi auch diesmal nicht über die Grenzen.
In den kommenden Wochen wird er sich deutlich steigern müssen. Die Eintracht hilft ihm, wo sie kann. Pirmin Schwegler, Direktor Profifußball, sagte zuletzt: „Elye hat Geduld verdient. Neue Kultur, neue Sprache, neues Umfeld. Das preisen wir ein.“ Dennoch wird dem ehemaligen Profi, der stets professionell und motiviert auftrat, die Haltung Wahis nicht entgangen sein. Ob er ihn zur Seite nimmt und noch einmal auf ihn einwirkt?
Am Ende liegt es nämlich am Stürmer selbst, ob er Trainer Dino Toppmöller von sich überzeugen kann.