Doppel-Junioren-Weltmeisterin

Loipe statt Trachtenverein: Julia Kink ist Deutschlands neue Biathlon-Hoffnung

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Julia Kink ist der aufstrebende Stern am deutschen Biathlon-Himmel. Für den Traum vom Profi musste sich die Jugend-Weltmeisterin früh entscheiden.

Rosenheim – „Kurz vor dem Start war mir so schlecht“, musste Julia Kink am Samstag (9. März) dann doch lachend am ARD-Mikrofon gestehen. Kein Wunder, bei dem, was die erst 20-Jährige in den 24 Stunden zuvor alles erlebt hatte.

Kink sichert bei Weltcup-Debüt Silber für Damen-Staffel

Erst war da am Freitagabend das Biathlon-Weltcup-Debüt für Kink im Sprint, bei dem sich die Aschauerin als 42. für die Verfolgung qualifizierte. Und dann kam da noch diese Staffel, für die Kink eigentlich gar nicht vorgesehen war.

Die geplante Schlussläuferin Sophia Schneider klagte aber in den Morgenstunden über Halsschmerzen, sodass die hollywoodreife Vorstellung Gestalt annehmen konnte. Kink übernahm schlussendlich die vierte Position von Schneider, wurde von Vanessa Voigt mit der Gesamt-Weltcupführenden Ingrid Landmark Tandrevold auf die Strecke geschickt und sicherte mit nur einem Nachlader den zweiten Platz – das beste deutsche Frauen-Staffel-Ergebnis in dieser Saison.

Julia Kink feierte ein Traum-Debüt im Weltcup.

Dirndl oder Ski? Kink entscheidet sich für das Langlaufen

„Das war so krass“, musste Kink nach dem Rennen schließlich bilanzieren. Dabei ist die Biathletin sonst nicht so leicht aus der Fassung zu bringen. Dem Rosenheimer Heimatmagazin himmeblau.com erzählte sie einst, dass ihr Ruhepuls bei 36 liegt und sie die ein oder andere Arzthelferin damit schon ungläubig zurückließ.

Kink braucht das Adrenalin. „Zur Ruhe komme ich eigentlich nur richtig, wenn ich krank bin“, sagt sie. Im Alter von zehn Jahren stellte sie ihr Vater vor die Wahl: Trachtenverein oder Langlaufen? Die Aschauerin entscheidet sich gegen das Dirndl und für die Ski. Dem großen Traum vom Biathlon-Profi ordnet sie seitdem fast alles unter.

Geisenberger, Frenzel & Co.: Diese deutschen Wintersport-Stars haben 2023 ihre Karriere beendet

Rennrodlerin Natalie Geisenberger hat ihre Laufbahn nach sechs Goldmedaillen bei Olympia, neun WM-Titeln und acht Gesamtweltcup-Siegen für beendet erklärt.
Rennrodlerin Natalie Geisenberger hat ihre Laufbahn nach sechs Goldmedaillen bei Olympia, neun WM-Titeln und acht Gesamtweltcup-Siegen für beendet erklärt.  © IMAGO/Andrew P. Scott
Biathletin Denise Herrmann-Wick jubelt vor dem Holmenkollen.
Es war der Paukenschlag in der Wintersport-Saison 2022/23: Ex-Langläuferin und Biathletin Denise Herrmann-Wick beendete als amtierende Olympiasiegerin ihre Karriere. © IMAGO/VEGARD GRØTT
Eric Frenzel wird von Sportler der Nordischen Kombination verabschiedet.
Ein ganz großer deutscher Sportler verlässt die Nordische Kombination: Eric Frenzel. 2014 und 2018 wurde er Olympiasieger. © IMAGO/GEPA pictures/ Patrick Steiner
Nico Ihle beim Eisschnelllauf.
Der Eisschnellläufer Nico Ihle beendete seine lange Karriere mit 37 Jahren. Sein größter Erfolg: Die WM-Silbermedaille 2017 in Gangneung. ©  via www.imago-images.de
Die deutsche Biathletin Luise Müller beim IBU Cup in Pokljuka.
Die deutsche Nachwuchs-Hoffnung im Biathlon, Luise Müller (22), verkündete völlig überraschend ihr Karriereende. © IMAGO/Harald Deubert
Der deutsche Skifahrer Julian Rauchfuss bei der Abfahrt.
Eine Silbermedaille nahm Technik-Spezialist Julian Rauchfuss bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking mit nach Hause. © IMAGO/GEPA pictures/ Mathias Mandl
Die Biathletin Vanessa Hinz am Schießstand bei ihrem letzten Rennen in Obertilliach
Von Verletzungen und Rückschlägen in der Saison 2022/23 verfolgt: Vanessa Hinz. Die 31-jährige Biathletin hörte 2023 nach ihrem letzten Rennen beim IBU Cup in Obertilliach auf. WM-Silber 2020 im Einzel ist einer ihrer größten Triumpfe. © Harald Deubert/imago
Der deutsche Sportler Jonas Dobler beim Skilanglauf.
Jonas Dobler (Skilanglauf) beendete nach zehn Jahren im Weltcup seine Karriere. © IMAGO/Eibner/Memmler
Nolan Seegert tanzt mit seiner Lauf-Partnerin Minerva Hase auf dem Eis.
Der 30-jährige Nolan Seegert beendete seine Karriere als Paarläufer aufgrund der Trennung von seiner Lauf-Partnerin Minerva Hase (l.). © IMAGO/Stephanie Gouiran
Skirennläuferin Marlene Schmotz umfährt Slalom-Stange beim Weltcup.
DSV-Slalom-Spezialistin Marlene Schmotz (29) verabschiedete sich nach zehn Jahren im Ski-Weltcup aus dem Alpinsport.  © Wolfgang Grebien/GEPA pictures/imago
Der 30-jährige Paul Fentz beim Eiskunstlauf.
Paul Fentz: Der Eiskunstläufer und viermaliger deutsche Meister zog einen Schlussstrich unter seiner Laufbahn auf dem Eis. © Laci Perenyi via www.imago-images.de
Der deutsche Skirennfahrer David Ketterer beendete den Weltcup in Chamonix auf dem 22. Platz.
Mit David Ketterer haben gleich drei deutsche DSV-Asse ihre Ski nach dieser Saison abgeschnallt. Der 29-jährige gebürtige Donaueschinger kämpfte in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen - 2022 wurde „Kette“ zudem Vater.  © Mario Buehner/GEPA pictures/imago

Kink besucht Sporthochschule in Norwegen

Mit 16 Jahren ging Kink für diesen Traum auch einen ungewöhnlichen Weg. Bis zum letzten Sommer besuchte die 20-Jährige im norwegischen Lillehammer die Sporthochschule NTG – als erste Nicht-Norwegerin überhaupt. 2023 kehrte sie mit dem Abitur und reichlich sportlicher Erfahrung zurück in die Heimat.

Die ersten Erfolge waren bereits im März des vergangenen Jahres zu sehen. Bei den Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften holte sie im Jugend-Einzel und der Jugend-Staffel Gold. In Verfolgung und Sprint sicherte sich Kink Silber, hinter Julia Tannheimer – einem anderen deutschen Biathlon-Juwel.

Kink krönt sich zur Doppel-Junioren-Weltmeisterin

Den Coup von 2023 wiederholte Kink ein Jahr später und kürte sich zur zweifachen Junioren-Weltmeisterin im Massenstart und Sprint – dieses Mal bei den älteren Junioren. Die Nominierung für den Weltcup in Soldier Hollow (USA) am vergangenen Wochenende war die Belohnung.

Allein die Teilnahme an sich wäre für Kink schon der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere gewesen. Zum ersten Mal reiste sie mit ihren Vorbildern, wie Tandrevold. „Es ist schon etwas Besonderes, mit ihnen zu essen oder im Flieger zu sitzen“, sagte die Nachwuchshoffnung noch vor dem Rennen.

Kink beeindruckt Tandrevold bei erstem Duell

Später waren Kink und die Norwegerin nicht nur zusammen im Flugzeug, sondern direkt hintereinander auf der Loipe. Und der Auftritt der Deutschen hat bei Tandrevold Eindruck hinterlassen: „Ich war sehr beeindruckt von der jungen deutschen Athletin. Es war sehr hart, sie in meinem Nacken zu haben. Sie war immer da“. Wenn alles nach Plan läuft, gilt das nicht nur für das Staffel-Rennen am Samstag, sondern für die nächsten Jahre… (kk)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Harald Deubert / Instagram @ julia__kink

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