Torjäger außer Form

Kane-Phänomen hält auch dieses Jahr an

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Der FC Bayern erleidet in Rotterdam eine Niederlage. Harry Kane bleibt erneut unauffällig. Die Ursachen für seine schwache Performance scheinen nicht neu zu sein.

Rotterdam/München – Welch ein gebrauchter Abend für den FC Bayern!

Als wäre das Wetter in Rotterdam mit Temperaturen knapp über Null und durchnässendem Regen nicht schon schlimm genug gewesen, setzte es für die Elf von Trainer Vincent Kompany bei Feyenoord eine bittere 0:3-Niederlage.

Der direkte Weg ins Achtelfinale der Champions League ist in schier unüberwindbare Ferne gerückt. Nun drohen in den Playoffs im Februar Hammer-Gegner wie Real Madrid, PSG oder Juventus.

FC Bayern geht in Rotterdam baden: Kane vergibt Mega-Chance

Dabei hätte doch alles anders laufen können, wenn die Bayern im „De Kuip“ einen Sieg eingefahren hätten. Doch selbst 30 Torschüsse reichten den Münchnern nicht, um auch nur einen Treffer zu erzielen. Dementsprechend bedient äußerte sich auch CEO Jan-Christian Dreesen beim nächsten Bankett: „Ich habe in der 70. Minute mal geguckt: Wir hatten 27:4 Torschüsse. Das Problem ist halt: Wenn du draufschießt und der Ball nicht drin ist, hilft es nix“.

Die Chancenverwertung bei der Kompany-Elf passt 2025 noch nicht. Sinnbildlich: Die Möglichkeit von Harry Kane in der 42. Minute, bei der der Engländer (tz-Note 5) am Fünfmeterraum mit seinem vierten (!) Ballkontakt nahezu unbedrängt zum Abschluss kam, aber lediglich Rotterdam-Keeper und Geburtstagskind Justin Bijlow quasi auf der Flucht erschoss.

Nun verbietet es sich eigentlich, einen Spieler zu kritisieren, der in 48 Bundesligaspielen 52 Treffer und in 50 Champions-League-Partien schon 34 Tore erzielte. Doch Fakt ist auch: Kanes letzter Treffer aus dem Spiel heraus resultiert vom 22. November. In der Königsklasse ist sein letzter Torerfolg noch vier Wochen länger her (23. Oktober). Kane in der Krise?

Offenbar kein Freund der Winterpause: Harry Kane vergab gegen Feyenoord Rotterdam beste Chancen.

Kane-Kuriosum setzt sich auch in diesem Jahr fort

Schaut man sich die Statistiken des Engländers an und hört sich ein wenig auf der Insel um, kommt man zu einer kuriosen Erkenntnis. Bereits nach seiner ersten Winterpause in der Saison 23/24 benötigte Kane einige Wochen, um wieder in Form zu kommen.

Allerdings hatte er die Leistungsdelle damals nicht exklusiv, sondern betraf die gesamte Mannschaft. In England hat er den Ruf weg, im August keine Tore zu erzielen. Rein statistisch gesehen stimmt das nicht ganz, doch eine gewisse Tendenz ist zu erkennen.

Offenbar kommt der Kapitän der Three Lions nach längeren Pausen erst schwer in Tritt. Wie eine Dampflok, die sich erst langsam, dafür dann aber unaufhaltsam ihren Weg bahnt. Eine Erklärung, warum der 31-Jährige in fast jedem Spiel über 90 Minuten auf dem Platz steht. Kane braucht einfach seinen Rhythmus!

Harry Kanes Vorgänger: Legendäre Neuner des FC Bayern München

Gerd Müller jubelt über einen Treffer für den FC Bayern
Die erste große Nummer 9 des FC Bayern trug den Namen Gerd Müller. Über ein Jahrzehnt lief der mittlerweile verstorbene „Bomber der Nation“ mit dieser Zahl auf, insgesamt schoss er in 611 Pflichtspielen 568 Tore für die Münchner. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Dieter Hoeneß bei einem Spiel des FC Bayern
Auch Dieter Hoeneß, jüngerer Bruder von FCB-Patron Uli, trug in den 80er Jahren das Jersey mit der 9. Der Mittelstürmer erzielte in seiner Zeit an der Isar 145 Tore und bereitete 14 weitere vor. © imago sportfotodienst
Roland Wohlfarth bei einem Spiel des FC Bayern
Roland Wohlfarth wechselte mehrfach seine Rückennummer, am häufigsten lief er aber mit der 9 auf. Bis zu seinem Abgang zum französischen Klub AS Saint-Etienne netzte der gebürtige Bocholter in 332 FCB-Spielen 156 Mal. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Michael Rummenigge bei einem Spiel des FC Bayern
Lediglich in der Saison 1983/84 zierte die 9 das Trikot von Michael Rummenigge, in der Spielzeit schoss der offensive Mittelfeldspieler in 44 Pflichtspielen 18 Buden. Am häufigsten spielte er übrigens mit der 10, sowohl beim FC Bayern als auch bei Borussia Dortmund. © imago sportfotodienst
Bruno Labbadia bei einem Spiel des FC Bayern
Vor seiner Zeit als Bundesliga-Trainer war Bruno Labbadia in der höchsten deutschen Spielklasse als Stürmer unterwegs. Seine Zeit beim FCB fand mit der deutschen Meisterschaft 1993/94 ein erfolgreiches Ende. Auf dem Rücken: die Nummer 9. © Imago Images / Sven Simon
Alexander Zickler bei einem Spiel des FC Bayern
Mittlerweile als Co-Trainer bei RB Leipzig unter Marco Rose tätig, trieb Alexander Zickler in den 90er und 2000er Jahren in gegnerischen Strafräumen sein Unwesen. In der Spielzeit 94/95 auch zeitweise mit der legendären Nummer auf dem Rücken. Zehn Tore erzielte er in dieser Saison, insgesamt traf er für den FCB 70 Mal. © Imago Images / Sven Simon
Jürgen Klinsmann bei einem Spiel des FC Bayern
Als Trainer der DFB-Elf war Jürgen Klinsmann hauptverantwortlich für das Sommermärchen 2006, zuvor machte er sich als brandgefährlicher Mittelstürmer einen Namen. Schon beim VfB Stuttgart und bei Inter Mailand trug er die 9 auf dem Rücken, die Tradition setzte sich 95/96 auch in München fort. © imago sportfotodienst
Giovane Elber jubelt über einen Treffer für den FC Bayern
Der Brasilianer mit dem verschmitzten Grinsen kickte sechs Jahre für den deutschen Rekordmeister und durfte 131 Bundesliga-Treffer bejubeln. Bis heute Platz drei unter ausländischen Torschützen im deutschen Oberhaus. Egal ob mit links, rechts oder dem Kopf – bei allen hatte er die 9 auf dem Trikot.  © imago sportfotodienst
Luca Toni jubelt einen Treffer für den FC Bayern
Apropos Jubel: Wenn nach einem Tor mal wieder am Ohr geschraubt wurde, war Luca Toni für den FC Bayern zur Stelle. Von 2007 bis 2010 kickte der großgewachsene Italiener in München, gewann zwei Meistertitel und ein Mal den DFB-Pokal – natürlich trug er dabei die 9. © imago sportfotodienst
Mario Mandzukic jubelt über einen Treffer für den FC Bayern
Nachdem er beim VfL Wolfsburg gemeinsam mit Zvjezdan Misimovic und Grafite die Liga verzauberte, ging Mario Mandzukic für rund 13 Millionen Euro nach München. Mit dem kroatischen Angreifer gewann der FCB die Champions League, Mandzukic steuerte auf dem Weg zum Titel drei Treffer bei. Auch im legendären Finale gegen den BVB netzte er zum 1:0. © imago sportfotodienst via www.imago-images.de
Robert Lewandowski bejubelt einen Treffer für den FC Bayern
Der jüngste Vorgänger von Harry Kane – und auch einer der erfolgreichsten. Kaum ein Angreifer prägte die Bundesliga und den FC Bayern über so eine lange Zeit wie Robert Lewandowski. 2022 ging er nach acht Saisons, 375 Pflichtspielen und 344 Toren ablösefrei zum FC Barcelona. Dort sicherte er sich, wie zuvor schon in München, das Oberteil mit der Rückennummer 9. © Imago / Action Pictures
Harry Kane bei einem Spiel des FC Bayern
Nun also Harry Kane. Für kolportierte 100 Millionen Euro plus möglichen Boni kam der Engländer Mitte August von Tottenham an die Isar und soll die Münchner bestenfalls zu einigen Titeln schießen. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Harry Kane bekommt sofort die Chance zur Wiedergutmachung

Insofern kann sich der FC Bayern glücklich schätzen, dass es nach dem Fiasko von Rotterdam bereits am Samstag beim SC Freiburg und am kommenden Mittwoch zu Hause in der Allianz Arena gegen Slovan Bratislava wieder weitergeht. Nicht mit dabei sein wird Alphonso Davies, der in Rotterdam verletzt rausmusste.

Und vielleicht lässt sich so auch den wahrscheinlichen CL-Playoffs im Februar etwas Positives abgewinnen. Zumindest aus Sicht von Harry Kane. (smk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Marcel van Dorst/DeFodi Images

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