VonThomas Kilchensteinschließen
Sommer-Neuzugang Robin Koch etabliert sich bei der Eintracht schnell als Führungskraft. Auch deshalb wird ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann wieder in den DFB-Kader berufen.
Neulich hat Robin Koch der Erich-Kästner-Schule in der Frankfurter Nordweststadt einen Besuch abgestattet und in seiner Funktion als Botschafter der Laureus-Stiftung ein bisschen gekickt mit den Kids in der Turnhalle. Hinterher haben große und kleine Fußballer im Kreis gesessen, und die kleinen Kicker wollten vom großen wissen, wie es denn so sei, gegen Lionel Messi gespielt zu haben. Leider musste Robin Koch passen, zwar hat er mit der deutschen Nationalmannschaft schon gegen Argentinien (2:2) gespielt, damals bei seinem Debüt 2019, leider, sagte der Eintracht-Verteidiger, habe Messi da verletzt gefehlt. „Aber gegen Ronaldo habe ich schon gespielt“, fügt der 27-Jährige dann an, die Hochachtung der Kids ist ein weiteres Stückchen gewachsen.
Mehr zur Eintacht
Robin Koch engagiert sich für soziale Zwecke schon seine ganze lange Fußballerkarriere hinweg, auf all seinen Stationen, ob in der Pfalz, in Freiburg, Leeds oder jetzt in Frankfurt hat er sich gekümmert um solche Projekte, er hat zugunsten der Flutopfer des Ahrtals ein Benefizspiel organisiert, bei dem eine Millionensumme zusammenkam. Solche Projekte sind ihm wichtig. Der Mann, geboren in Kaiserslautern und in Trier aufgewachsen, Sohn des früheren FCK-Profis Harry, hat nicht vergessen, wo er herkommt, nutzt seine Popularität, um ein bisschen was zurückzugeben von dem Glück, auf der Sonnenseite des Lebens aufgewachsen zu sein.
Und er könnte, was die Jungs und Mädchen von der Kästner-Schule sicherlich freuen würde, in absehbarer Zeit gegen Kylian Mbappé spielen. Dass Koch, aktuell einer der zweikampfstärksten Verteidiger der Bundesliga (Quote: 64 Prozent), am Donnerstag (14 Uhr) für die beiden Länderspiele gegen Frankreich in Lyon (23. März) und die Niederlande in Frankfurt (26. März) nominiert wird, steht außer Frage. Damit ist er auch seinem Ziel, zurück ins DFB-Team zu finden und auf den Zug zur EM im eigen Land aufzuspringen, ein gutes Stück näher gekommen.
Das war ja, unter anderem, ein Grund, weshalb die 1,91 Meter große Abwehrkante im Sommer zu Eintracht Frankfurt gewechselt ist, vom Premier League-Absteiger Leeds United, erst ausgeliehen, inzwischen bis 2027 fest verpflichtet. Es sei „eine Bauchentscheidung“ gewesen seinerzeit, aber auch eine der Vernunft, weil er, selbst auf der Insel, mitbekommen hatte, was in Frankfurt mit diesem Klub alles möglich sein könnte. Vieles von dem ist eingetreten, er fühle sich „brutal wohl hier“, wenngleich das zu frühe Aus in der Conference League weiterhin als Stachel im Fleisch schmerzt.
Robin Koch: In Frankfurt schnell eingelebt
Aber Robin Koch hat sich in Frankfurt sehr schnell eingelebt, im Grunde gab es keinerlei Anpassungsprobleme. Der Mann kam, sah und verteidigte, als habe er bei der Eintracht nie etwas anders getan. Er verteidigt das Allerheiligste auf eine sehr seriöse, zweckmäßige Art. Da ist selten eine spektakuläre Blutgrätsche dabei, lieber kocht Koch den Gegner ab, wie am Sonntag im Duell mit dem Hoffenheimer Kevin Akpoguma. Koch spielt ohne Schnörkel, klar, unprätentiös, fast unauffällig souverän, steht einfach richtig, laut Statistik hat er in dieser Runde 25 Bälle abgefangen, ein Spitzenwert. Dazu macht ihm im Kopfball kaum einer etwas vor; es sei denn, er wird leicht geschubst, so wie beim 0:1 ebenfalls am Sonntag, als John Anthony Brooks den kleinen Trick nutzte, vor Koch am Ball zu sein. Und der gepflegte Pass im Spielaufbau gelingt dem Pfälzer ohnehin besser als vielen anderen.
Er ist ja ursprünglich im zentralen Mittelfeld, auf der Sechs, fußballerisch groß geworden. Kompromissloses Verteidigen musste er erst lernen, deshalb spulte er, 2011 war das bei Eintracht Trier, oft in den Abendstunden Sondereinheiten ab, um defensiv besser zu werden. Eine Stunde mit dem Zug sei er unterwegs gewesen, um das nachzuholen, was die anderen morgens im Training absolviert hatten, erzählte er dem „Spiegel“. Ein Nachwuchsleistungszentrum hat Koch nie durchlaufen, aber ehrgeizig war er, der ausgebildete Industriekaufmann. Und er lernte schnell dazu.
Gerade die Zeit in Freiburg (2017 bis 2020) und später in Leeds (2020 bis 2023) hatten ihn geprägt. Inzwischen ist er ein gestandener Bundesligaprofi (104 Spiele), er machte 73 Partien in der Premier League, und natürlich war es kein Zufall, dass Sebastian Rode, befragt, wer ihn denn als Führungsspieler bei den Hessen ersetzen könne, sofort hinter Torwart Kevin Trapp den Namen Robin Koch nannte. Koch, dem Sportvorstand Markus Krösche eine höchst „professionelle Einstellung“ bescheinigte, kletterte schnell hoch in der Eintracht-Hierarchie, er ist einer, der vorangeht, mit Taten und Toren, etwa zum Auftakt in der Conference League mit seinem Tor gegen den FC Aberdeen oder dem Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen Borussia Mönchengladbach oder jetzt zum 1:1 gegen Hoffenheim.
Und da spielt es keine große Rolle, dass Koch noch kein Dreivierteljahr bei den Hessen unter Vertrag steht. Der Mann besitzt eine natürliche Autorität, auf ihn ist immer Verlass. „Wir haben ihn als unseren neuen Abwehrchef zu uns geholt“, sagte Trainer Dino Toppmöller im Sommer, Koch füllte diese Aufgabe wie selbstverständlich aus, an ihm richten sich seine Nebenleute auf. „Ich brauche ihn nicht in die Nationalelf zu singen“, sagte Toppmöller kürzlich. „Jeder sieht auch so, wie wertvoll er ist. Jeder sieht, was für einen tollen Charakter er hat.“
Eigentlich hätte ihn Julian Nagelsmann schon im Herbst ins Nationalteam zurückgeholt, doch da zog er sich eine Wadenblessur zu und musste absagen. Sein letztes Länderspiel bestritt er im Juni 2021 gegen Dänemark, die EM 2021 in England erlebte er von der Bank - nun kehrt er zurück, besser als zuvor.
