Die Eintracht ist bereit: Die Bayern können kommen
VonIngo Durstewitz
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Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt zeigt die erhoffte Reaktion in Kiel, liefert beim 4:2 eine erwachsene Vorstellung ab - und fühlt sich für die Knallerspiele gegen Besiktas und Bayern gewappnet.
Kiel – Ganz zum Schluss hat Ansgar Knauff das eigentlich längst entschiedene Spiel noch einmal scharf gemacht. Der kurz zuvor eingewechselte Profi von Eintracht Frankfurt, manchmal beim ersten Ballkontakt etwas hölzern, hatte den Kielern noch eine Ecke geschenkt bei seinem Abwehrversuch, die Kugel weit nach vorne zu schießen.
Es waren zwar nur noch wenige Minuten zu spielen gewesen, aber das waren sie am Donnerstag auch, beim ärgerlichen 3:3 in der Europa League gegen Viktoria Pilsen, auch da fühlten sich die Hessen bei einem komfortablen Zwei-Tore-Vorsprung bereits auf der sicheren Seite. Es kam bekanntlich anders. Dieses Mal verpuffte die Ecke wirkungslos, auch die weiteren eher halbherzigen Bemühungen des Aufsteigers von der Ostsee, noch einmal heranzukommen, waren nicht vom Erfolg gekrönt.
Und wie es der Zufall (respektive der Spielplangestalter) will: Am kommenden Sonntag müssen die Bajuwaren in den Stadtwald, um 17.30 Uhr kommt es erneut zu einem Duell Erster gegen Zweiten, so furchtbar gerne reisten die Münchner zuletzt nicht ins Hessische. Davor freilich geht es für die Eintracht am Donnerstag in der Europa League nach Istanbul, zum Spitzenklub Besiktas, auch das keine ganz einfach Sache.
Eintracht vor Spitzenspiel gegen Bayern
So genau wusste der Frankfurter Trainer Dino Toppmöller ja nicht, wie seine Truppe nach dem „kleinen mentalen Rückschlag“ vom Donnerstag reagieren würde, er kennt ja seine Pappenheimer, die zuweilen labil und wackelig daherkommen. Auch deswegen hatte er gleich fünf personelle Umstellungen vorgenommen, wobei das Fehlen von Hugo Ektiké wegen leichter Adduktoren und Fußproblemen nur theoretisch eine Schwächung war, immerhin konnte er sich auf die Torgefahr von Igor Matanovic (47., erstes Bundesligator) und Marmoush (25. und 65.) verlassen.
Freilich: Mit dem geschonten Ekitiké wären die Kieler sehr wahrscheinlich noch sehr viel früher bestraft worden. Was Toppmöller sehen wollte, war eine Reaktion, und die hat er bekommen, eine überzeugende: „Das hat mir gefallen.“ Diese Partie, so der Fußballlehrer, sei „der richtige Schritt“ nach Donnerstag gewesen.
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Zudem: „Die Jungs haben eine gute Widerstandsfähigkeit gezeigt“, darauf sei er „sehr stolz“. Er meinte damit: Eintracht Frankfurt kam immer wieder zurück, trotz teilweise ärgerlicher und überflüssiger Gegentore (zweimal von Shuto Machino, 30. und 50.). Und trotzdem hatten sich die Hessen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, selbst wenn, gerade nach dem 1:1-Ausgleich per Strafstoß - Robin Koch hatte Lewis Holtby allenfalls leicht berührt -, die Mannschaft vorübergehend den Faden verloren hatte. Und sie hatte Glück bei einem von Schiedsrichter Tobias Stieler nach riskantem Zuspiel von Torhüter Kaua Santos auf Tuta nicht gegebenen 2:1 für Kiel. Eine ebenso harte Entscheidung wie jene beim Elfmeter, im Grunde hat es „sich damit wieder ausgeglichen“, wie Toppmöller sagte.
Frankfurt gegen Kiel dominant
Die Eintracht war, trotz leichter Wackler, die deutlich bessere, die deutliche reifere Mannschaft. Über Strecke habe man „die Qualität der Eintracht nicht mehr stoppen“ können, analysierte Kiels Trainer Marcel Rapp zu Recht, „sie waren besser als wir“. Den Gästen kam entgegen, dass Holstein Kiel, wie erwartet, mitzuspielen versuchte, früh attackierte und den Hessen somit Räume anboten, die sie dank spielerischer Klasse und ihrem Tempo auch nutzten.
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Holstein agierte zwar mutig, aber doch naiv, die 17 Gegentore, die der Aufsteiger in den ersten fünf Spielen bereits kassiert hat, sprechen eine deutliche Sprache. Dazu kam, dass die Eintracht erneut erstaunliche Qualität von der Ersatzbank bringen konnte, mit den spielstarken Mo Dahoud, Mario Götze, Ansgar Knauff, Ellyes Skhiri und Can Uzun hielten das Frankfurter Level konstant hoch.
Eintracht mit starkem Saisonstart
Vor der Partie hatte sich Toppmöller eigens für „eine robustere Stabilität“ entschieden, auch dies eine erste Lehre aus dem Pilsen-Spiele. Er hatte eine gewisse Sorglosigkeit in der Hintermannschaft moniert und deswegen etwa Aurele Amenda, eine Kante von fast zwei Metern Größe, neben Koch in die Verteidigung postiert, Tuta, eigentlich Stopper, attackierte als Sechser im Mittelfeld und tat das eine Halbzeit auf beeindruckende Art. Dass er es war, der den Deckel drauf machte mit dem 4:2 (74.), passte zu seinem klugen Spiel, ein Spiel das die Eintracht sehr erwachsen, sehr „souverän“, wie Robin Koch betonte, über die Runden brachte. Toppmöller empfand sein Team als „sehr resistent“, selbst wenn sie in zwei Spielen fünf Gegentore hatte zulassen müssen, „zu viel“.
Auch Sportvorstand Markus Krösche hatte eher Lob als Tadel im Köcher, „im Großen und Ganzen haben wir es gut und seriös gemacht“. Gegen „eine fußballerisch gute Mannschaft“ habe man nicht allzu viel zugelassen“, der Sieg sei allemal verdient
Und sich allenfalls den kleinen Vorwurf gefallen lassen musste, nicht schon früher den Sack zugemacht zu haben. Aber das ist Kritteln auf hohem Niveau. Die Fakten sind eindeutig: Von sieben Pflichtspielen hat Eintracht Frankfurt nur ein einziges verloren, das in Dortmund, aber fünf gewonnen, zwölf Punkte, Tabellenplatz zwei. Es gab schon schlechtere Starts.