VonChristopher Michelschließen
Kaua Santos hat Eintracht Frankfurt in der letzten Begegnung mit Bochum den Sieg gesichert. Trotzdem bleibt der Brasilianer zurückhaltend.
Frankfurt – Die Leistung von Kaua Santos beim Sieg in Bochum (3:1) hat die Euphorie im Fan-Umfeld von Eintracht Frankfurt wachsen lassen. Der 21-Jährige stand nach seiner Performance weltweit im Blickpunkt. Selbst Brasilien-Legende Claudio Taffarel hatte sich bei ihm gemeldet, die spanische AS bezeichnete ihn vor Monaten schon als „neuen Dida“. Ritterschläge noch und nöcher also für Santos.
Eintracht-Herausforderer Kaua Santos spricht über seine Zeit bei den Hessen
In Frankfurt gibt es daher bereits Debatten über die mögliche Wachablösung im Gehäuse. Santos wurde 2023 für rund 1,6 Millionen Euro als Schlussmann der Zukunft geholt. Nach einigen spektakulären Leistungen, die auch seine schweren Patzer überstrahlten, könnte aus dem „Keeper der Zukunft“ der „Torhüter der Gegenwart“ werden.
Kapitän Kevin Trapp fiel zuletzt wegen Schienbeinproblemen aus. Er wird nach Informationen von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports, auch diese Woche mit dem Mannschaftstraining aussetzen, wenngleich er im Fitnessraum des Profi-Campus Vollgas gibt. Ob er bis zum Duell gegen den VfB Stuttgart (Samstag/29. März, 18.30 Uhr) fit wird? Das wird sich zeigen.
Santos stellt nach neun Pflichtspielen für die Eintracht aber noch keine Forderungen. Er äußerte sich in seiner Heimat bei Globo.com und sprach von einem „gesunden Konkurrenzkampf“ mit Trapp. „Wir haben unterschiedliche Eigenschaften. Wir lernen täglich eine Menge voneinander“, sagte Santos, der sich noch ganz am Anfang seiner Karriere befindet.
Weiterentwicklung von Eintracht-Talent verläuft rasant
Der 1,96 Meter große Schlussmann profitierte dabei nicht nur von Trapp und dem ebenfalls sehr erfahrenen Jens Grahl, sondern auch von Torwarttrainer Jan Zimmermann. Santos braucht dessen enge und straffe Führung noch, sie hilft ihm. Dies wurde dem großen Talent nach der schlimmen Partie gegen den FSV Mainz 05 (1:3) endgültig klar. Möglicherweise war dieser Schock ein heilsamer für den weiteren Werdegang.
„Es war eine unglaubliche Zeit, seit ich hier angekommen bin. Ich habe das Gefühl, dass ich mich ständig weiterentwickle. Ich, mein Team und mein Trainer ziehen an einem Strang und arbeiten auf die Ziele hin, die wir uns gesetzt haben“, gab Santos Einblicke. Trapp und er befinden sich trotz Konkurrenzkampfes in einem guten Austausch. Sie können sich in portugiesischer Sprache unterhalten. Durch seine Verlobte, das Topmodel Izabel Goulart, ist Trapp die brasilianische Kultur bestens vertraut.
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Das alles kombiniert führt dazu, dass sich der junge Papa Santos in Verein und Stadt „sehr wohl“ fühlt: „Meine Familie und ich sind glücklich, wir sind sehr gut aufgenommen worden. Und das vom Verein vorgestellte Projekt war für mich sehr klar. Ich bin sehr glücklich und freue mich auf die Zukunft.“
Seine guten Leistungen wirken dabei wie ein Brandbeschleuniger. Im vergangenen Sommer hätte im Umfeld der Eintracht wohl kaum jemand erwartet, rund acht Monate später die Debatte darüber zu führen, ob Trapp nach seiner Rückkehr automatisch die Nummer eins bleibt.
Eintracht-Torhüter bleibt demütig und verspürt Dankbarkeit
Sein Herausforderer hebt allerdings nicht ab. Ihm ist der Stellenwert von Trapp bekannt! Er bleibt demütig und verspürt vor allem Dankbarkeit: „Ich hatte die Gelegenheit, mein Debüt als Profi zu geben und in entscheidenden Spielen sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League zu spielen. Gott sei Dank habe ich die Erwartungen erfüllt.“
Die Nachricht von Weltmeister Taffarel tat ihm besonders gut: „Das bestärkt mich in meinem Glauben, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“
Trainer Dino Toppmöller jedenfalls wird spätestens im Sommer eine Entscheidung treffen müssen. Eine weitere Saison als Bankdrücker? Das wird Santos nicht mitmachen. Jobsharing? Dieser Idee erteilte Trapp hingegen eine Absage. Ein sofortiger Wechsel und den Kapitän auf die Bank setzen? Schwierig!
Trapp muss erstmal fit werden
Es wird ein ganz feines Gespür und sehr gute Kommunikation benötigen, schließlich handelt es sich beim gebürtigen Saarländer um ein Gesicht des Klubs, der irgendwann durch das große Tor gehen soll.
Einen Schnellschuss, der die Ziele in der aktuell laufenden Saison gefährdet, darf es nicht geben. Zunächst aber gilt: Trapp muss für den Endspurt fit werden. Erst dann, wenn die Ärzte grünes Licht geben, darf er wieder zwischen die Pfosten zurückkehren. Santos hat dafür gesorgt, dass der Führungsspieler sich alle Zeit der Welt nehmen kann.
Rubriklistenbild: © Anke Waelischmiller/dpa

