Bayern-Trainer spricht nicht mit Lennart Karl über den „Real-Madrid-Lapsus“
VonPeter Grad
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Lennart Karl hat jüngst mit dem Statement, dass Real Madrid sein „Traumverein“ sei, sehr viel Wirbel erzeugt. Gefühlt die gesamte Fußball-Welt hat dies bereits kommentiert, der FCB-Coach hält sich dagegen zurück.
München – Der 17-Jährige Lennart Karl begeistert in dieser Saison die FCB-Fans und Medien auf eine Weise, wie selten ein Spieler in den letzten Jahren. Nun lernt er zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere auch die Kehrseite seiner Popularität kennen. Den Anlass dazu lieferte er selbst mit einer etwas naiven Aussage bei seinem Neujahrsbesuch beim FCB-Fanclub Burgsinn 1980 in seiner Heimat Unterfranken.
Dort wurde er begeistert empfangen, stolperte dann aber in seiner jugendlichen Unbekümmertheit über die Frage nach seinem „zweiten Traumverein“ neben dem Rekordmeister: „Der FC Bayern ist ein sehr großer Verein. Es ist ein Traum, dort zu spielen. Aber irgendwann will ich auf jeden Fall mal zu Real Madrid. Das ist mein Traumverein. Aber das bleibt unter uns.“
Vincent Kompany auf ganzer Linie beeindruckt vom seinem Youngster
Früher waren die Fanclub-Besuche des FC Bayern eher geschlossene Veranstaltungen, heute finden sie dagegen in den Medien, speziell auf Social Media, eine Beachtung wie eine Pressekonferenz vor einem wichtigen CL-Spiel. Bei vielen Anhängern des Rekordmeisters kam das Schwärmen des Youngsters für den ungeliebten internationalen Konkurrenten nicht gut an. Ein regelrechter Shitstorm prasselte auf Karl ein, der als Konsequenz die Kommentarfunktion auf seinen Social-Media-Accounts deaktivierte.
Schnell war ihm bewusst, dass seine Aussage „ein Fehler“ war, so entschuldigte er sich für den „Lapsus“ auch unmittelbar beim Sportvorstand Max Eberl und auch bei Sportdirektor Christoph Freund. Beide quittierten diesen Schritt mit Freude und zeigten sich nicht verärgert, sondern sehr verständnisvoll. Auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg wurde nun auch noch Karls Coach Vincent Kompany zu seiner Einschätzung der Situation gefragt. Dieser hat bislang ganz bewusst ein Gespräch mit dem U-21-Nationalspieler in dieser Angelegenheit vermieden.
Der rasante Aufstieg von Lennart Karl beim FC Bayern
Dennoch äußerte sich der Belgier ausführlich – wie immer, wenn es wichtig ist, auf Englisch zu der Sache: „Ich versuche es, ein bisschen aus der Distanz zu beobachten. Jeder muss mal durch einen Sturm gehen. Dann ist es wichtig, das Gesamtbild zu sehen. Lennart trainiert jeden Tag sehr hart. Er arbeitet für die Mannschaft, auch defensiv. Er liefert jeden Tag, auch in den Meetings. Dann hat er vielleicht einen kleinen kommunikativen Fehler gemacht. Aber er konzentriert sich auf die wichtigen Dinge, er hatte eine gute Trainingswoche. Er hat so viel gemacht, um sich die Minuten in den Spielen zu verdienen. Seine Qualität ist offensichtlich, er macht vieles richtig.“
Obwohl er auf eine Frage anlässlich eines „Fehlers“ des 17-Jährigen antwortete, geriet Kompany letztendlich fast ins Schwärmen über den Hochtalentierten: „Er hat mit Christoph und Max gesprochen und sich entschuldigt, auch das gefällt mir sehr gut.“ Für den 39-Jährigen insgesamt völlig ausreichend, deshalb: „Ich versuche der Einzige zu sein, der nicht mit ihm darüber spricht. Wenn er mal nicht 100 Prozent gibt, dann hat er ein Problem mit mir, aber er hat sehr gut trainiert und sehr gut gespielt“, schickt er am Ende noch eine kleine Warnung hinterher. Die allerdings gemäß seinen eigenen Aussagen gar nicht nötig wäre.