Laura Dahlmeiers Leichnam soll wohl doch geborgen werden
VonChristoph Klaucke
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Ein Bergungstrupp ist offenbar auf dem Weg zum Laila Peak in Pakistan. Laura Dahlmeiers letzter Wille war eindeutig. Kommt es nun anders?
Islamabad – Eine überraschende Wendung im Fall der verunglückten Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier: Entgegen ihrem ausdrücklichen Wunsch soll ihr Leichnam nun offenbar doch aus dem pakistanischen Karakorum-Gebirge geborgen werden. Wie die Bild berichtet, ist nach Informationen des pakistanischen Bergführers Kaleem Shani, der für die Organisation „Shipton Tours“ arbeitet, mit der Dahlmeier unterwegs gewesen war, bereits ein Bergungstrupp unterwegs zum 6096 Meter hohen Laila Peak.
Die 31-jährige Ausnahmeathletin war am 28. Juli beim Abseilen von einem Steinschlag getroffen worden und verstorben. Ihre Kletterpartnerin Marina Krauss konnte nur noch hilflos zusehen, wie der Felsen Dahlmeier erfasste. „Ich sah einen riesigen Stein Laura treffen und dann wurde sie gegen die Wand geschleudert“, berichtete die Seilpartnerin, die noch über mehrere Stunden versuchte, Dahlmeier zu retten. Von diesem Moment an habe sich die Biathletin nicht mehr bewegt.
Wird Laura Dahlmeier in Pakistan geborgen? Ursprünglich sollte Leichnam am Berg bleiben
Zunächst hatten die Behörden und Angehörigen entschieden, Dahlmeiers sterbliche Überreste am Berg zu belassen. Ihr Management hatte unmissverständlich erklärt: „Es war Laura Dahlmeiers ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille, dass in einem Fall wie diesem niemand sein Leben riskieren darf, um sie zu bergen“. Auch der bayerische Extremkletterer Thomas Huber, der Teil des Rettungsteams war, bestätigte diese Entscheidung: „Als erfahrene Bergsteiger haben wir uns entschieden, sie soll bleiben. Weil es ihr Wunsch war“.
Dahlmeier galt als erfahrene und risikobewusste Bergsteigerin. Die staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin war seit Ende Juni in der Region unterwegs und hatte bereits den 6287 Meter hohen Great Trango Tower erfolgreich bestiegen. Der Laila Peak sollte der zweite Gipfel ihrer Pakistan-Tour werden. Die zweifache Olympiasiegerin von 2018 hatte ihre erfolgreiche Biathlon-Laufbahn bereits 2019 im Alter von nur 25 Jahren beendet, um sich ganz dem Bergsteigen zu widmen.
Warum nun doch eine Bergung versucht werden soll, bleibt unklar. Das Management von Laura Dahlmeier war auf Bild-Nachfrage zunächst nicht zu erreichen. Möglicherweise haben sich die Wetterbedingungen am Berg verbessert oder es wurden neue technische Möglichkeiten für eine sichere Bergung gefunden. Die Entscheidung, Dahlmeiers letzten Willen nicht zu folgen, dürfte kontrovers diskutiert werden. Die Biathlon-Legende hatte bewusst verfügt, dass niemand für ihre Bergung sein Leben riskieren solle.
Ob der aktuelle Bergungsversuch tatsächlich ohne Gefahr für die Helfer durchgeführt werden kann, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Die internationale Bergsteiger-Gemeinschaft verfolgt die Entwicklungen am Laila Peak mit großer Aufmerksamkeit. Die Sportwelt hatte mit großer Bestürzung auf Dahlmeiers Tod reagiert. Mit zwei Olympiasiegen und sieben Weltmeistertiteln zählte sie zu den erfolgreichsten deutschen Biathletinnen aller Zeiten. (ck)