Wende in Pakistan

Laura Dahlmeiers Leichnam soll wohl doch geborgen werden

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Ein Bergungstrupp ist offenbar auf dem Weg zum Laila Peak in Pakistan. Laura Dahlmeiers letzter Wille war eindeutig. Kommt es nun anders?

Islamabad – Eine überraschende Wendung im Fall der verunglückten Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier: Entgegen ihrem ausdrücklichen Wunsch soll ihr Leichnam nun offenbar doch aus dem pakistanischen Karakorum-Gebirge geborgen werden. Wie die Bild berichtet, ist nach Informationen des pakistanischen Bergführers Kaleem Shani, der für die Organisation „Shipton Tours“ arbeitet, mit der Dahlmeier unterwegs gewesen war, bereits ein Bergungstrupp unterwegs zum 6096 Meter hohen Laila Peak.

Laura Dahlmeiers Leichnam könnte wohl doch noch geborgen werden.

Die 31-jährige Ausnahmeathletin war am 28. Juli beim Abseilen von einem Steinschlag getroffen worden und verstorben. Ihre Kletterpartnerin Marina Krauss konnte nur noch hilflos zusehen, wie der Felsen Dahlmeier erfasste. „Ich sah einen riesigen Stein Laura treffen und dann wurde sie gegen die Wand geschleudert“, berichtete die Seilpartnerin, die noch über mehrere Stunden versuchte, Dahlmeier zu retten. Von diesem Moment an habe sich die Biathletin nicht mehr bewegt.

Wird Laura Dahlmeier in Pakistan geborgen? Ursprünglich sollte Leichnam am Berg bleiben

Zunächst hatten die Behörden und Angehörigen entschieden, Dahlmeiers sterbliche Überreste am Berg zu belassen. Ihr Management hatte unmissverständlich erklärt: „Es war Laura Dahlmeiers ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille, dass in einem Fall wie diesem niemand sein Leben riskieren darf, um sie zu bergen“. Auch der bayerische Extremkletterer Thomas Huber, der Teil des Rettungsteams war, bestätigte diese Entscheidung: „Als erfahrene Bergsteiger haben wir uns entschieden, sie soll bleiben. Weil es ihr Wunsch war“.

Die Bergung war ursprünglich als zu gefährlich eingestuft worden. Ständiger Steinschlag und plötzliche Wetterumschwünge am Laila Peak hätten die Retter in Lebensgefahr gebracht. Militärhubschrauber standen zwar bereit, konnten aber aufgrund der extremen Wetterbedingungen nicht eingesetzt werden. Die Unfallstelle liegt am Laila Peak in einer Höhe von etwa 5700 Metern, wo bereits kleinste Fehler tödlich enden können.

Familie, Freunde und die Biathlon-Welt: Die wichtigsten Menschen im Leben von Laura Dahlmeier

2016 erzählen Susi (li.) und Andreas Dahlmeier im Gespräch mit Merkur.de stolz von der Karriere ihrer Tochter.
2016 erzählen Susi (li.) und Andreas Dahlmeier im Gespräch mit Merkur.de stolz von der Karriere ihrer Tochter. © Mayr
Auch Lauras Vater Andreas Dahlmeier (r.) ist passionierter Alpinist und Bergsteiger. Hier sind die beiden in einer ZDF-Doku aus dem Jahr 2024 zu sehen.
Auch Lauras Vater Andreas Dahlmeier (r.) ist passionierter Alpinist und Bergsteiger. Hier sind die beiden in einer ZDF-Doku aus dem Jahr 2024 zu sehen. © ZDF-Mediathek
Genau wie Dahlmeiers Mutter war auch ihre Tante Regina Stiefl (im Bild) eine Mountainbike-Sportlerin. Hier ist sie bei den Deutschen Meisterschaften 1995 zu sehen.
Genau wie Dahlmeiers Mutter war auch ihre Tante Regina Stiefl (im Bild) eine Mountainbike-Sportlerin. Hier ist sie bei den Deutschen Meisterschaften 1995 zu sehen. © Thomas Zimmermann/IMAGO
Ihr Bruder Pirmin (li.) begleitete Laura Dahlmeier gerne beim freizeitlichen Alpinsport.
Ihr Bruder Pirmin (li.) begleitete Laura Dahlmeier gerne beim freizeitlichen Alpinsport. © Instagram Laura Dahlmeier
Schon damals ein schwerer Schlag: Dahlmeiers Ex-Freund Robert Grasegger (r.) verunglückte 2022 beim Bergsteigen. Er starb im Alter von nur 29 Jahren.
Schon damals ein schwerer Schlag: Dahlmeiers Ex-Freund Robert Grasegger (r.) verunglückte 2022 beim Bergsteigen. Er starb im Alter von nur 29 Jahren. © Laura Dahlmeier Instagram
Eine von Dahlmeiers großen Vorbildern: Kati Wilhelm, wie Dahlmeier selbst Olympiasiegerin im Biathlon.
Ein großes Vorbild von Dahlmeier: Kati Wilhelm (r.), wie Dahlmeier selbst Olympiasiegerin im Biathlon. © Peter Hartenfelser/IMAGO
Wintersport-Legende Magdalena Neuner war ein weiteres großes Idol: Hier präsentieren im Jahr 2019 beide ihren Pegasos-Preis.
Wintersport-Legende Magdalena Neuner war ein weiteres großes Idol: Hier präsentieren im Jahr 2019 beide ihren Pegasos-Preis.  © Malte Ossowski/SVEN SIMON/IMAGO
Als Dahlmeier (li.) in Pakistan verunglückt, ist sie mit ihrer Seilpartnerin Marina Krauss (r.) gemeinsam unterwegs.
Als Dahlmeier (li.) in Pakistan verunglückt, ist sie mit ihrer Seilpartnerin Marina Krauss (r.) gemeinsam unterwegs.  © Instagram @ shiptontrekking
Eine von Dahlmeiers besten Freundinnen aus der Biathlon-Welt: Maren Hammerschmidt.
Eine von Dahlmeiers besten Freundinnen aus der Biathlon-Welt: Maren Hammerschmidt (r.). © Ernst Wukits/IMAGO
Gemeinsam besuchten die beiden die Allianz Arena des FC Bayern ...
Gemeinsam besuchten die beiden die Allianz Arena des FC Bayern ... © Instagram Laura Dahlmeier
... oder unternehmen Radtouren quer durch diverse Naturlandschaften.
... oder unternahmen Radtouren quer durch diverse Naturlandschaften. © Instagram Laura Dahlmeier
Viel Spaß im deutschen Biathlon-Team: Dahlmeier (li.) mit Hammerschmidt und Denise Herrmann (r.).
Viel Spaß im deutschen Biathlon-Team: Dahlmeier (li.) mit Hammerschmidt und Denise Herrmann (r.). © EIBNER/Marcel Engelbrecht
Ein alter Schnappschuss aus dem Jahr 2013: Teamkollegin Andrea Henkel und Trainer Gerald Hönig mit Laura Dahlmeier.
Ein alter Schnappschuss aus dem Jahr 2013: Teamkollegin Andrea Henkel und Trainer Gerald Hönig mit Laura Dahlmeier. © imago sportfotodienst
Zu vielen ihrer Teamkolleginen pflegt Dahlmeier ein gutes Verhältnis. Hier läuft sie gemeinsam mit Biathlon-Co-Star Franziska Preuß (li.).
Zu vielen ihrer Teamkolleginen pflegte Dahlmeier ein gutes Verhältnis. Hier läuft sie beim Weltcup in Ruhpolding 2019 gemeinsam mit Biathlon-Co-Star Franziska Preuß (li.). © Eberhard Thonfeld
Evi Sachenbacher-Stehle (li.) trat mit Dahlmeier in zahlreichen Staffel-Wettbewerben an - wie hier beim Weltcup in Ruhpolding 2014.
Evi Sachenbacher-Stehle (l.) trat mit Dahlmeier in zahlreichen Staffel-Wettbewerben an - wie hier beim Weltcup in Ruhpolding 2014. © imago sportfotodienst
Hier ist Dahlmeier 2015 beim Weltcup in Südtirol mit Luise Kummer (r.) zu sehen, die ihre Karriere inzwischen ebenfalls beendet hat.
Hier ist Dahlmeier 2015 beim Weltcup in Südtirol mit Luise Kummer (r.) zu sehen, die ihre Karriere inzwischen ebenfalls beendet hat. © imago sportfoto
Freunde und Teamkolleginnen: Karolin Horchler (v. l. n. r.), Laura Dahlmeier, Miriam Gössner und Maren Hammerschmidt.
Freunde und Teamkolleginnen beim Weltcup in Ruhpolding 2016: Karolin Horchler (v. l. n. r.), Laura Dahlmeier, Miriam Gössner und Maren Hammerschmidt. © IMAGO/Zoonar.com/Joachim Hahne
Die Siegerstaffel: Gemeinsam mit Vanessa Hinz (li.), Arnd Peiffer (2. v. r.) und Simon Schempp (r.) gewann Dahlmeier 2017 ihre einzige WM-Goldmedaille in der Mixed-Staffel.
Die Siegerstaffel: Gemeinsam mit Vanessa Hinz (li.), Arnd Peiffer (2. v. r.) und Simon Schempp (r.) gewann Dahlmeier 2017 ihre einzige WM-Goldmedaille in der Mixed-Staffel. © imago sportfotodienst
Gold beim Weltcup 2018 in Ruhpolding an der Seite von Franziska Hildebrand (m. l.), Denise Herrmann (m. r.) und Franziska Preuß (r.).
Gold beim Weltcup 2018 in Ruhpolding an der Seite von Franziska Hildebrand (m. l.), Denise Herrmann (m. r.) und Franziska Preuß (r.). © Eberhard Thonfeld/IMAGO
Laura Dahlmeiers „Entdecker“ und großer Förderer: DSV-Trainer Bernhard Kröll.
Laura Dahlmeiers „Entdecker“ und großer Förderer: DSV-Trainer Bernhard Kröll. © IMAGO
Gemeinsam mit Florian Graf gewann Dahlmeier 2013 die World Team Challenge.
Gemeinsam mit Florian Graf gewann Dahlmeier 2013 die World Team Challenge.  © imago sportfotodienst
Gemeinsam mit Experte und Ex-Biathlet Sven Fischer trat Dahlmeier im Fernsehen auf.
Gemeinsam mit Experte und Ex-Biathlet Sven Fischer trat Dahlmeier im Fernsehen auf. © Eberhard Thonfeld/IMAGO
Gemeinsam mit Langläufer Peter Schlickenrieder verwirklichte Dahlmeier zahlreiche Projekte in den Bergen.
Gemeinsam mit Langläufer Peter Schlickenrieder verwirklichte Dahlmeier zahlreiche Projekte in den Bergen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Privat ging es ständig hoch hinaus: Hier mit Bergsportlerin Tamara Lunger (li.).
Privat geht es ständig hoch hinaus: Hier mit Bergsportlerin Tamara Lunger (li.).  © Instagram Laura Dahlmeier
Anschluss an die nächste Generation: Dahlmeier beim Wandern mit Biathlon-Nachwuchsstar Julia Tannheimer (li.).
Anschluss an die nächste Generation: Dahlmeier beim Wandern mit Biathlon-Nachwuchsstar Julia Tannheimer (li.).  © Instagram Laura Dahlmeier

Dahlmeier galt als erfahrene und risikobewusste Bergsteigerin. Die staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin war seit Ende Juni in der Region unterwegs und hatte bereits den 6287 Meter hohen Great Trango Tower erfolgreich bestiegen. Der Laila Peak sollte der zweite Gipfel ihrer Pakistan-Tour werden. Die zweifache Olympiasiegerin von 2018 hatte ihre erfolgreiche Biathlon-Laufbahn bereits 2019 im Alter von nur 25 Jahren beendet, um sich ganz dem Bergsteigen zu widmen.

Warum nun doch eine Bergung versucht werden soll, bleibt unklar. Das Management von Laura Dahlmeier war auf Bild-Nachfrage zunächst nicht zu erreichen. Möglicherweise haben sich die Wetterbedingungen am Berg verbessert oder es wurden neue technische Möglichkeiten für eine sichere Bergung gefunden. Die Entscheidung, Dahlmeiers letzten Willen nicht zu folgen, dürfte kontrovers diskutiert werden. Die Biathlon-Legende hatte bewusst verfügt, dass niemand für ihre Bergung sein Leben riskieren solle.

Ob der aktuelle Bergungsversuch tatsächlich ohne Gefahr für die Helfer durchgeführt werden kann, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Die internationale Bergsteiger-Gemeinschaft verfolgt die Entwicklungen am Laila Peak mit großer Aufmerksamkeit. Die Sportwelt hatte mit großer Bestürzung auf Dahlmeiers Tod reagiert. Mit zwei Olympiasiegen und sieben Weltmeistertiteln zählte sie zu den erfolgreichsten deutschen Biathletinnen aller Zeiten. (ck)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago

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