VonIngo Durstewitzschließen
Überwältigende Mehrheit: Unternehmer Mathias Beck beerbt den scheidenden Peter Fischer als Präsident von Eintracht Frankfurt, der wird nach allen regeln der Kunst abgefeiert.
Fast schien es, als habe sich der Papst höchstselbst die Ehre gegeben und sei mal eben rüber gekommen nach Frankfurt-Unterliederbach, Pfaffenwiese, Jahrhunderthalle. Doch nein, es war dann doch der Lange aus Lich, der Funkturm, 2,01 Meter, der große Blonde, Peter Fischer.
Als der ewige Präsi der Frankfurter Eintracht die Halle betrat pünktlich um 18 Uhr am Montagabend, um nach fast einem Vierteljahrhundert im Amt seine letzte Rede als Vereinsoberhaupt während der Mitgliederversammlung zu halten und sich zu verabschieden von der Eintracht-Gemeinde, die er nur „meine Familie“ nennt, da standen die Menschen Spalier für den 67-Jährigen und machten ihm die Aufwartung.
Die, die sich nicht in Reih und Glied aufgestellt hatten, erhoben sich der Einfachheit halber von den Plätze und klatschten so ausgiebig und laut es eben ging in die Hände. Es sollte nicht das einzige Mal sein, dass Peter Fischer, Mister Eintracht, mit Ovationen bedacht wurde. Minutenlang applaudierten die rund 2200 Anwesenden im Stehen, als der Präsident seine letzten Worte gesprochen hatte, die natürlich, wie sollte es anders sein, auch so ein ganz klein wenig pathetisch gewählt waren: „Ich liebe Euch!“
Den größten Beifall erntete der scheidende Präsident, als er die klare Haltung des Vereins erneut umriss. „Bei uns gibt es keinen Platz für Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung.“ Die Eintracht sei ein „bunter Klub“ mit 112 verschiedenen Nationalitäten, eine „internationale Familie“. Und wer diese Werte nicht lebe, „den schmeißen wir raus“. Ein typischer Peter Fischer. Der Jubel aus dem Saal war ihm sicher.
Genauso wie seinem Nachfolger Mathias Beck, der in einer halbstündigen emotionalen Rede für sich geworben hatte. Der 52-Jährige wurde schließlich mit überwältigender Mehrheit gewählt, von den 1867 Stimmberechtigten stimmten nur fünf gegen ihn, elf enthielten sich. „Das ist der größte Tag in meinem Leben“, sagte der überglückliche Funktionär. „Die Eintracht ist die größte Liebe meines Lebens. Die Liebe ist unzertrennlich. Ich bin unglaublich stolz.“
Eintracht: Zwölftgrößter Klub weltweit
Zuvor hatte Fischer den neuen Mann aus Götzenhain, einen erfolgreichen Unternehmer, mit salbungsvollen Worten eingeführt. „Er wird ein mindestens so guter Präsident sein wie ich. Er ist ein Eintrachtler durch und durch, sein Blut deckt alle Vereinsfarben ab“, betonte Fischer, der zum Ehrenpräsident gekürt wurde. „Er ist ein perfekter Nachfolger.“
Fischer führte aus, wie sehr ihm der Job dann doch zugesetzt habe zum Schluss in der langen Zeit, in der sich der Verein von einer Skandalnudel mit einem maroden Vereinsgelände zu einem hochangesehen Big Player im Business entwickelt hat. Ein Bundesliga-Großkaliber, das bis Ende der Saison, wie AG-Vorstandssprecher Axel Hellmann berichtete, 370 Millionen Euro umsetzen wird und schon jetzt auf 139 000 Mitglieder bauen kann. „Damit sind wir der weltweit zwölftgrößte Klub“, bemerkte Fischer. Und die anderen, die noch davor liegen, die sollten sich nur in Acht nehmen: „Die kriegen wir auch noch, die haben schon Angst.“
Für ihn persönlich sei aber nun die Zeit gekommen, den Staffelstab zu übergeben. „Ihr werdet immer meine Familie sein, daran wird sich nichts ändern – so lange, bis ihr mich ein Stück tiefer legt“, rief er. „Aber das Amt hat alle meine Energie gesaugt, sie geht langsam aus.“ Nun sei die Zeit gekommen, „bye bye, ade und tschüss“ zu sagen. Vorstandssprecher Hellmann rief seinem Freund, langjährigen Weggefährten und „Erfolgsgaranten“ zum Abschied aus zu: „Du hast einen Platz in der Geschichte dieses Vereins, wie ihn so schnell niemand mehr bekommen wird. Peter, gib auf dich Acht.“
Ganz zum Schluss des offiziellen Teils meldete sich schließlich sogar Omid Nouripour zu Wort, der, wie viele andere Redner auch, emotionale und berührende Worte an den polarisierenden Typ mit Ecken und Kanten richtete. Der Bundesparteivorsitzender der Grünen, ein glühender Eintracht-Fan, adelte Fischer als „größten Adler aller Zeiten“, er habe ein „großes Herz“, das, was er bei der Eintracht erreicht habe, könne niemand anders erreichen. „Vor diesem Mann und dieser Lebensleistung verneige ich mich aus tiefstem Herzen.“
Fischer übergibt einen gesunden und profitablen Verein, was Axel Hellmann aus Sicht der AG bestätigte: „Wir stehen wirtschaftlich so gut da wie nie.“

