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Eintracht Frankfurt: Einfach mal einfach halten

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In der aktuellen Verfassung eher keine Hilfe für die Eintracht: Donny van de Beek.
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Eintracht-Trainer Dino Toppmöller sollte vielleicht einen Schritt zurückgehen, um die Mannschaft nicht zu überladen. Die Spieler wirken überfordert

Der Wirkungstreffer in Köln, humorlos 0:2 beim Effzeh, hat in Frankfurt Spuren hinterlassen. Die Verstimmung ist groß, im Verein, aber auch um den Verein herum. Es ist mehr als ein Grummeln und Geraune, die Menschen, die es mit der Eintracht halten, sind verschnupft.

Nicht ob der Niederlage im Rheinland, kann mal passieren, gerade als Diva, aber aufgrund der generellen Entwicklung. Denn die geht in die falsche Richtung – Platz sechs hin oder her. In den Sozialen Medien wird Trainer Dino Toppmöller bereits angezählt. Darauf sollte man nichts geben, aber erstaunlich ist dennoch, wie wenig Kredit der 43-Jährige offenbar hat. Dabei brennt der Mann für die Eintracht.

Auch Markus Krösche, der Sportchef, ist angesäuert. Der aktuelle Trend gefällt dem ehrgeizigen Manager gar nicht, auch die Spielweise behagt ihm nicht. Dieses Ballgeschiebe ohne Stringenz, das er in Köln sehr treffend mit: „Bisschen Pass links, bisschen Pass rechts“ beschrieben hat.

Eintracht-Sportvorstand Krösche: Zurück zu „Basisthemen“

Der Sportvorstand fordert daher, zunächst zu den „Basisthemen“ zurückzukehren. Das hört sich immer erst einmal an nach: Einstellung, Bereitschaft, Einsatzwillen. Und ist sicher auch so gemeint, denn erst danach, sagt Markus Krösche, „kommt das Spielerische“.

Die Basisthemen beinhalten in diesem Fall aber zugleich einen klaren Auftrag an den Cheftrainer, denn viele im Umfeld des Klubs sind der Meinung, dass Dino Toppmöller auch mal wieder zum Ausgangspunkt zurückgehen müsste. Der Fußballlehrer, gut bekannt mit Julian Nagelsmann, dem Taktik-Mastermind, feilt gerne an den letzten Details, bereitet seine Mannschaft akribisch vor. Er weiß mehr, sieht mehr und kann mehr als viele andere. Und natürlich versucht er es so weit runterzubrechen, dass es seine Spieler verstehen und verinnerlichen. Trotzdem sieht zurzeit einiges nach Überforderung und Überfrachtung aus. Nach zu viel Input.

Die Akteure müssen jede Menge Informationen in aller Kürze verarbeiten oder eben abrufen, wie sie sich in welcher Situation zu verhalten haben. Das schafft der eine besser als der andere, und es ist auch eine Frage der Auffassungsgabe und der individuellen Klasse, ob die Fußballer die Anforderungen schultern können. Es gibt Unterschiede, ob man Bayern München oder Eintracht Frankfurt trainiert.

Eintracht-Spieler: es fehlt die Lockerheit

Momentan scheint es so, als sei die gestalterische Freiheit im Spiel nach vorne von den taktischen Fesseln gebremst, das Ensemble wirkt nicht frei, sondern träge und angestrengt, als hätten die Spieler zu viele Dinge im Kopf und würden nicht locker und intuitiv, sondern nach einem strengen Plan spielen. Das Offensivspiel ist daher schablonenhaft und nicht risikoreich genug. In zwei Statistiken liegen die Frankfurter sogar auf Platz 18. Die Eintracht gibt die wenigsten Torschüsse (210) aller Teams ab und spielt, wie der „Kicker“ errechnet hat, die wenigsten Pässe ins Angriffsdrittel (20,3 Prozent). Das ist das Gegenteil von Offensivwirbel und attraktivem Powerfußball.

Das ist natürlich nicht das Ziel des Trainers, aber zuweilen können zu viele Vorgaben kontraproduktiv sein. Vielleicht ist ein Schritt zurück hilfreich, also klare Abläufe, klares System und nicht ständig switchende Formationen und Anordnungen. Keep it simple, einfach mal einfach halten. Und: Erfolgreich war die Mannschaft, als sie aus einer klaren Ordnung heraus spielte und die Spieler auf ihren angestammten Positionen eingesetzt wurden.

Toppmöller freut sich über die größere Dichte im Kader, qualitativ ist das Aufgebot sicher besser geworden. Auf Strecke gesehen. Aber sofort? Die Veränderungen im Winter bringen Schwierigkeiten mit sich. Fares Chaibi und Ellyes Skhiri sind zwar früh ausgeschieden beim Afrika-Cup, aber trotzdem nicht in der Form wie zuvor. Omar Marmoush kränkelte nach dem Aus Ägyptens, wird aufgebaut werden müssen. Ob er schon eine Alternative ist fürs Heimspiel gegen Bochum?

Für die Eintracht wäre das von einiger Bedeutung, Marmoush bringt mit seinem Tempo und seiner Unbeschwertheit eine andere Note ins eintönige Spiel. Zudem ist er der beste Torschütze (zwölf Treffer insgesamt).

Erschwerend kommt hinzu, dass es seine Zeit braucht, bis die neuen Spieler integriert sind. Stürmer Sasa Kalajdzic und Mittelfeldspieler Donny van de Beek schienen zu Beginn sogar weiter zu sein als aktuell.

Tiefschlag für van de Beek

Kalajdzic enttäuschte in den letzten beiden Partien, ist nicht eingebunden ins Spiel, läuft zu wenig und trifft falsche Entscheidungen. Aufs Tor geschossen hat er weder gegen Mainz noch in Köln, die Boxpräsenz ist mau. Da bewirbt sich einer für die Bank.

Und Donny van de Beek ist im Ranking sehr schnell sehr weit zurückgefallen. In Köln saß er 90 Minuten auf der Bank, für die Conference League wurde er gar nicht nominiert – auch weil auf seiner Position genügend Alternativen zur Verfügung stehen. Ein herber Schlag für den Niederländer. In dieser Verfassung aber ist er keine Hilfe. Das alles war anders geplant.

Und so ruht die Hoffnung auf Hugo Ekitiké. Der PSG-Neuzugang deutete in seinem Kurzeinsatz in Köln sein Potenzial an und wird sicher schon gegen Bochum zur ersten Elf zählen. Kein ganz unwichtiges Spiel. Viele müde Auftritte wie zuletzt kann sich die Eintracht nicht mehr leisten.

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