„Skandalspiel“ in Leverkusen als gutes Omen für erfolgreiche Bayern-Saison?
VonPeter Grad
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Die Bayern-Spieler und -Verantwortlichen sind nach dem 1:1 bei Bayer Leverkusen wütend und stolz zugleich. Die Fans toben. So etwas gab es schon einmal – mit gutem Ausgang.
Das Bundesliga-Topspiel zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern wird als eines der denkwürdigen in die deutsche Fußballgeschichte eingehen. Zahlreiche spielentscheidende Situationen wurden von Schiedsrichter Christian Dingert und dem VAR gegen den deutschen Rekordmeister ausgelegt. Vor allem das nicht gegebene Tor von Harry Kane aufgrund eines angeblichen Handspiels und die angebliche Schwalbe von Luis Díaz, die zu einer Ampelkarte führte, standen nach der Partie in scharfer Kritik.
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Wie Vincent Kompany drückten aber auch zahlreiche Kommentare den Stolz auf die nie verzagenden Spieler aus, die das numerische Verhältnis „neun gegen zwölf“ mit einem Unentschieden beendeten. Nach dem Platzverweis von Nicolas Jackson (43.) und der Gelb-Roten von Díaz (84.) mussten die Bayern bis zum Schlusspfiff nach 100(!) Minuten zu Neunt für das Unentschieden kämpfen.
Solch eine Situation erlebten sie zum letzten Mal vor fast genau einem Vierteljahrhundert: Am 7. April 2001 kam es im Westfalenstadion zum Spitzenspiel Borussia Dortmund gegen den FC Bayern. Zusammen mit dem FC Schalke 04 diese beiden Erzrivalen um die Deutsche Meisterschaft. Die Partie artete damals in eine Schlacht aus, ein „Skandalspiel“, das „größte Karten-Festival der Liga“: Schiedsrichter Hartmut Strampe stellte dabei zwei Rekorde auf.
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Er zückte 14 Karten (für 13 Spieler), davon elf gegen eine Mannschaft – die Bayern. Bixente Lizarazu sah bereits in der ersten Halbzeit die Ampelkarte, wobei die erste Verwarnung höchst fragwürdig war. Stefan Effenberg musste zehn Minuten nach der Halbzeit mit glatt Rot vom Platz. In doppelter Unterzahl retten die Bayern dennoch – wie nun in Leverkusen – das 1:1 über die Zeit. Die Torschützen waren Roque Santa Cruz (6.) und Fredi Bobic (52.).
Kurz vor Spielende sah auch noch der Dortmunder Evanilson wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte. Vier Bayernspieler waren damals für das nächste Topspiel gegen Schalke gesperrt. Die Partie wurde im Olympiastadion mit 1:3 verloren – für die Gelsenkirchner endete die Saison dennoch als „Vier-Minuten-Meister“ in einem Tränenmeer.
Ottmar Hitzfelds Bayern feierten dagegen in einem denkwürdigen Saisonfinale die dritte Meisterschaft in Serie und vier Tage später nach 25 unendlich langen Jahren Wartezeit den vierten Königsklassen-Triumph der Vereinsgeschichte im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia. Beide Teams – die 2001er Bayern und die heutigen – waren / sind durchaus als „Mentalitätsmonster“ zu bezeichnen.
Im Gegensatz zu Effenberg, Jeremies & Co. besitzt die Truppe von Kompany aber zusätzlich noch wesentlich mehr Talent. Auf dem Weg zum Champions-League-Sieg wurde 2001 Real Madrid im Halbfinale eliminiert (1:0; 2:1). 2026 steht dieser „Klassiker“ wohl schon eine Runde früher an. Das alles könnte als gutes Omen für den weiteren FCB-Saisonverlauf betrachtet werden. Ach ja, SR Strampe pfiff übrigens nach dem „Skandalspiel“ in Dortmund nie wieder eine Partie des FC Bayern…