Michels Meinung

Lienen-Attacke auf FC Bayern: Geheimnis um „Zettel-Ewald“ ist endlich gelüftet

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Ewald Lienen poltert gegen den FC Bayern. Ist seine Kritik jedoch fundiert oder hat „Zettel-Ewald“ die Tatsachen durcheinandergebracht? Michels Meinung.

München – Ewald Lienen hat zuletzt in seinem Podcast „Der Sechzehner“ richtig Dampf abgelassen. Der Kultcoach lederte gegen den FC Bayern: „Wenn hier in Deutschland irgendwo jemand auftaucht, der den Ball stoppen kann und der so überragend spielt wie Woltemade, dann den Arm zu heben und zu sagen: ‚Jetzt will ich ihn aber haben‘ – davor habe ich nicht nur keinen Respekt, das widert mich an.“

Lienen klagt FC Bayern an: „Schlag ins Gesicht für alle seriösen Vereine“

Lienen legte nach, Bayerns Vorgehen sei ein „Schlag ins Gesicht für alle seriösen Vereine“ und für diejenigen, „die sich den Arsch aufgerissen haben, um diese Leute auszubilden“.

Zudem sagte der 71-Jährige: „Bayern München hat über Jahrzehnte hinweg einen Scheiß für den deutschen Fußball gemacht, wenn es um die Ausbildung von Spielern ging.“ Die Münchner hätten stets nur darauf gewartet, dass andere Vereine Spieler ausbilden, um sie dann für viel Geld zu verpflichten.

Lienen war einst erfolgreich in Mönchengladbach

Wer noch kaum etwas von Ewald Lienen gehört hat, dem sei in aller Kürze gesagt: Ewald Lienen war als Spieler mit Borussia Mönchengladbach erfolgreich und als Trainer war er so ein bisschen ein „Fahrstuhltrainer“. Gut, aber sportlich nichts Besonderes.

Kult erlangte Lienen durch zwei Eigenschaften. Er positionierte sich politisch links – und er notierte sich als Spieler und Trainer oftmals auf einem Zettel Spielszenen oder wichtige Beobachtungen. Daher stammt sein Spitzname „Zettel-Ewald“.

Jamal Musialas Weg zur 10: Die entscheidenden Momente seiner Karriere

 Der entscheidende Transfer
Mit nur 16 Jahren wagte Musiala den mutigen Schritt von Chelsea zum FC Bayern München für 200.000 Euro Ablöse. Eine strategische Familienentscheidung, die den Grundstein für seinen kometenhaften Aufstieg legte. © imago images/Eibner
Profidebüt & erste Rekorde
Am 20. Juni 2020 wurde Musiala mit 17 Jahren und 115 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Bayern-Geschichte. Sein Debüt gegen Freiburg war der offizielle Eintritt in die Geschichtsbücher des Vereins. © imago images/kolbert-press
Das erste Tor, der erste Rekord
Beim 8:0-Kantersieg gegen Schalke erzielte Musiala sein erstes Bundesligator und pulverisierte mit 17 Jahren und 205 Tagen den 20 Jahre alten Rekord von Roque Santa Cruz. Der Beweis, dass aus dem Talent eine sofortige Bedrohung für jeden Gegner geworden war. © imago images/MIS
Der erste Start in der Champions League
Am 1. Dezember 2020 vertraute Hansi Flick dem 17-jährigen Musiala einen Startelfeinsatz gegen Atlético Madrid an. Ein gewaltiger Vertrauensbeweis in einem der schwierigsten Auswärtsspiele Europas. © imago images/Agencia EFE
Die Weggabelung einer Karriere
Am 24. Februar 2021 entschied sich Musiala nach intensivem Werben für die deutsche Nationalmannschaft statt England. Eine Bauchgefühl-Entscheidung, die sein internationales Vermächtnis definierte, bevor es richtig begonnen hatte. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie
Ein europäischer Meilenstein
Mit seinem Tor gegen Lazio Rom wurde Musiala mit 17 Jahren und 363 Tagen zum jüngsten Champions-League-Torschützen der Bayern-Geschichte. Seine Ankunft auf der Weltbühne vor globalem Publikum. © imago images/LaPresse
Debüt bei einem großen Turnier
Bei der EURO 2020 wurde Musiala mit 18 Jahren und 117 Tagen zum jüngsten deutschen Spieler bei einem großen Turnier. Sein entscheidendes Dribbling gegen Ungarn rettete Deutschland ins Achtelfinale. © imago images/Eibner
Das erste Länderspieltor
Am 11. Oktober 2021 erzielte Musiala sein erstes Tor für Deutschland gegen Nordmazedonien. Mit 18 Jahren und 227 Tagen wurde er zum zweitjüngsten Torschützen der DFB-Geschichte. © imago images/Matthias Koch
Das entscheidende Tor im Klassiker
Musialas Treffer zum 3:1 gegen Borussia Dortmund am 23. April 2022 war mehr als nur ein Tor - es war der Moment, der die historische zehnte Meisterschaft in Folge sicherte. In dem Spiel traf ausgerechnet das Gesicht der nächsten Generation. © IMAGO/RHR-Foto
Die Krönung zur 10. Meisterschaft
Nach dem entscheidenden Sieg gegen Dortmund feierte Musiala mit seinen Teamkollegen die historische zehnte deutsche Meisterschaft in Folge. Ein symbolischer Akt der Staffelübergabe, der zeigte, dass die Zukunft des Vereins in ebenso fähigen Händen lag. © IMAGO/Sven Simon
Eine herausragende WM-Leistung
Bei der WM 2022 in Katar war Musiala der überragende deutsche Akteur trotz des Gruppenphasen-Aus. Seine 12 erfolgreichen Dribblings gegen Costa Rica stellten einen Teenager-Rekord bei Weltmeisterschaften auf. © IMAGO/BSR Agency
Deutschlands Nationalspieler des Jahres 2022
2022 wurde Musiala erstmals zu Deutschlands Nationalspieler des Jahres gewählt. Eine frühe Anerkennung seines außergewöhnlichen Talents und seiner wachsenden Bedeutung für die Nationalmannschaft trotz seines jungen Alters. © IMAGO/ActionPictures
Das Meistertor von Köln
In der 89. Minute des letzten Spieltags der Saison 2022/2023 zirkelte Musiala den Ball gegen Köln ins lange Eck und entriss Dortmund die schon sicher geglaubte Meisterschaft. Sein „Aguero-Moment“ - ein Treffer, der in die Ewigkeit eingehen wird. © IMAGO/RHR-Foto
Die dramatischste Meisterfeier
Nach seinem Last-Minute-Siegtor brachen alle Dämme - Musiala feierte mit seinen Teamkollegen die wohl dramatischste Meisterschaft der Bayern-Geschichte. Ein Titel, der in der allerletzten Minute einer chaotischen Saison gerettet wurde und ihn bei den Fans unsterblich machte. © IMAGO/Eibner
Anerkennung unter Gleichaltrigen
2023 wurde Musiala sowohl bei der Kopa Trophy als auch beim Golden Boy Award Zweiter hinter Jude Bellingham. Die formelle Anerkennung als einer der beiden besten jungen Fußballer der Welt. © IMAGO/Xinhua
Der erste Hattrick bei den Profis
Beim 4:0-Pokalsieg gegen Mainz erzielte Musiala am 30. Oktober 2024 seinen ersten Profi-Hattrick. Der Beweis seiner Entwicklung zu einer rücksichtslosen und dominanten Tormaschine. © IMAGO/HJS
Der Star der EURO 2024 - Auf dem Platz
Bei der Heim-EM 2024 dominierte Musiala mit drei entscheidenden Toren gegen Schottland, Ungarn und Dänemark die deutsche Offensive. Er trug die Hoffnungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern und lieferte spektakulär ab. © IMAGO/Moritz Müller
Der Goldene Schuh - Die Krönung
Als einer der Torschützenkönige der EURO 2024 erhielt Musiala den Goldenen Schuh und wurde damit offiziell als bester Torjäger des Turniers ausgezeichnet. Die persönliche Wiedergutmachung nach der WM-Enttäuschung von 2022 war perfekt. © IMAGO/Sven Simon
Der Distanz-Donnerschlag
Im Spiel gegen St. Pauli 2024 offenbarte Musiala eine neue Waffe mit einem brutalen 25-Meter-Schuss an die Unterkante der Latte. Der greifbare Beweis seiner kontinuierlichen Entwicklung zu einem noch kompletteren Torjäger. © IMAGO/Lobeca
Deutschlands Nationalspieler des Jahres 2024
2024 erhielt Musiala erneut die Auszeichnung als Deutschlands Nationalspieler des Jahres nach seiner herausragenden EURO-Leistung im eigenen Land. Die Bestätigung seiner Rolle als unumstrittener Fahnenträger und bester deutscher Fußballer seiner Generation. © IMAGO/Laci Perenyi
Der neue Vertrag
Am 14. Februar 2025 unterschrieb Musiala einen Vertrag bis 2030 mit 25 Millionen Euro Jahresgehalt und 175 Millionen Euro Ausstiegsklausel. Die Krönung zum unantastbaren Eckpfeiler des FC Bayern für das nächste Jahrzehnt. © IMAGO/Sven Simon
Hattrick auf der Weltbühne
Bei der FIFA Klub-WM 2025 erzielte Musiala einen Hattrick gegen Auckland City und erreichte seine persönliche Bestmarke von 20 Saisontoren. Ein weiterer Baustein seiner internationalen Marke auf globaler FIFA-Bühne. © IMAGO/Agencia EFE
Triumph bei der Klub-WM
Nach dem dominanten 10:0-Sieg gegen Auckland City feierten Musiala und seine Bayern-Teamkollegen den perfekten Start in die neu formatierte FIFA Klub-Weltmeisterschaft. Ein Moment des kollektiven Triumphs auf der größten Klubbühne der Welt. © IMAGO/Beautiful Sports
Das Erbe einer Ikone
Im Juli 2025 übernahm Musiala die legendäre Rückennummer 10 beim FC Bayern München, die zuvor von Ikonen wie Arjen Robben und Lothar Matthäus getragen wurde. Die ultimative Bestätigung seines Status als kreativer Herzschlag und unumstrittener Talisman der Mannschaft - ein Mantel der Verantwortung, den nur die größten Bayern-Legenden trugen. © FC Bayern
Die Reifung zum Anführer
Um 2025 herum ist Musialas Transformation vom Wunderkind zum unumstrittenen Anführer abgeschlossen. Er spricht offen davon, „eine Ära beim FC Bayern prägen“ zu wollen - die Sprache eines wahren Führungsspielers. © IMAGO/Sven Simon

Doch erst jetzt mit seiner Kritik am FC Bayern wird wohl jedem bewusst, wie wichtig die Zettel für Ewald Lienen zum Überleben sind. Beim Podcasten hatte er offenbar keine dabei – und schon bringt der gebürtige Ostdeut..., pardon, Ostwestfale alles durcheinander.

Denn auf einem seiner Zettel hätte mindestens stehen müssen:

Spieler, die vom FC Bayern ausgebildet wurden und nun in der Bundesliga spielen:

Werder Bremen: Kapitän Marco Friedl und Führungsspieler Mitchell Weiser

VfB Stuttgart: Nationalspieler Angelo Stiller

Borussia Dortmund: Kapitän Emre Can und (mit Abstrichen) Karim Adeyemi

Union Berlin: Benedict Hollerbach und Woo-Yeong Jeong

1. FC Heidenheim: Niklas Dorsch

Ewald Lienen gerät immer wieder in Konflikte mit dem FC Bayern.

Hinzu kommen noch einige Leihspieler der Münchner, die bei der Konkurrenz spielen. Darüber hinaus tummeln sich auch in der 2. Bundesliga viele Ex-Bayern-Jugendspieler.

Dass die Bayern also nichts machen in Sachen Jugendausbildung und nur gemütlich auf der Couch liegen, das ist purer Fußball-Populismus und Anti-Bayern-Fanatismus.

Noch ein zweiter Zettel für Lienen...

Wahrscheinlich, und hier wäre für Ewald Lienen noch ein zweiter Zettel beim Podcasten gut gewesen, meinte er ein anderes Problem: Die Münchner bilden gute Spieler aus, können sie aber nicht in die erste Mannschaft integrieren.

Auch das wäre aber nicht mehr ganz richtig: Nun kann man streiten, ob rund ein Jahr bei den Amateuren noch als Ausbildung zählt. Wenn zutreffend, dann haben die Münchner ihre Stars Jamal Musiala und Alphonso Davies mit ausgebildet.

Pavlovic und Stanisic sind beim FC Bayern etabliert

Definitiv länger in der Jugend des FC Bayern spielten Aleksandar Pavlovic und Josip Stanisic. Beide sind jeweils Nationalspieler (Deutschland / Kroatien) und etablierte Stammkräfte bei den Münchnern.

„Zettel-Ewald“ hätte dann sogar noch einen dritten Zettel gebraucht: Auf dem hätte dann stehen müssen, dass viele Traditionsklubs, die oben in der Tabelle stehen, keine Spieler selbst ausbilden und in der ersten Mannschaft etablieren. Dazu zählen unter anderem Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt.

Es gibt also das Phänomen in der Bundesliga, dass große Traditionsklubs ihre eigenen Jugendspieler nicht bis nach oben bringen. Aber die Bayern machen das derzeit immerhin einen Tick besser als die Dortmunder und Frankfurter.

Zumindest wissen nun alle Fußball-Fans, warum „Zettel-Ewald“ dringend wieder Zettel braucht. Er ist sonst nicht ein akribisch arbeitender Fußball-Experte, sondern ein Fußballpopulist, der Fans gegen etwas, in dem Fall den FC Bayern, aufhetzen will.

Um Michels Meinung in den Worten von Ewald Lienen auszudrücken: „Davor habe ich nicht nur keinen Respekt, das widert mich an.“

Rubriklistenbild: © Imago / Team 2 / canva: Collage

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