Lienen-Attacke auf FC Bayern: Geheimnis um „Zettel-Ewald“ ist endlich gelüftet
VonDaniel Michel
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Ewald Lienen poltert gegen den FC Bayern. Ist seine Kritik jedoch fundiert oder hat „Zettel-Ewald“ die Tatsachen durcheinandergebracht? Michels Meinung.
München – Ewald Lienen hat zuletzt in seinem Podcast „Der Sechzehner“ richtig Dampf abgelassen. Der Kultcoach lederte gegen den FC Bayern: „Wenn hier in Deutschland irgendwo jemand auftaucht, der den Ball stoppen kann und der so überragend spielt wie Woltemade, dann den Arm zu heben und zu sagen: ‚Jetzt will ich ihn aber haben‘ – davor habe ich nicht nur keinen Respekt, das widert mich an.“
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Zudem sagte der 71-Jährige: „Bayern München hat über Jahrzehnte hinweg einen Scheiß für den deutschen Fußball gemacht, wenn es um die Ausbildung von Spielern ging.“ Die Münchner hätten stets nur darauf gewartet, dass andere Vereine Spieler ausbilden, um sie dann für viel Geld zu verpflichten.
Lienen war einst erfolgreich in Mönchengladbach
Wer noch kaum etwas von Ewald Lienen gehört hat, dem sei in aller Kürze gesagt: Ewald Lienen war als Spieler mit Borussia Mönchengladbach erfolgreich und als Trainer war er so ein bisschen ein „Fahrstuhltrainer“. Gut, aber sportlich nichts Besonderes.
Kult erlangte Lienen durch zwei Eigenschaften. Er positionierte sich politisch links – und er notierte sich als Spieler und Trainer oftmals auf einem Zettel Spielszenen oder wichtige Beobachtungen. Daher stammt sein Spitzname „Zettel-Ewald“.
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Doch erst jetzt mit seiner Kritik am FC Bayern wird wohl jedem bewusst, wie wichtig die Zettel für Ewald Lienen zum Überleben sind. Beim Podcasten hatte er offenbar keine dabei – und schon bringt der gebürtige Ostdeut..., pardon, Ostwestfale alles durcheinander.
Denn auf einem seiner Zettel hätte mindestens stehen müssen:
Spieler, die vom FC Bayern ausgebildet wurden und nun in der Bundesliga spielen:
Werder Bremen: Kapitän Marco Friedl und Führungsspieler Mitchell Weiser
Hinzu kommen noch einige Leihspieler der Münchner, die bei der Konkurrenz spielen. Darüber hinaus tummeln sich auch in der 2. Bundesliga viele Ex-Bayern-Jugendspieler.
Dass die Bayern also nichts machen in Sachen Jugendausbildung und nur gemütlich auf der Couch liegen, das ist purer Fußball-Populismus und Anti-Bayern-Fanatismus.
Noch ein zweiter Zettel für Lienen...
Wahrscheinlich, und hier wäre für Ewald Lienen noch ein zweiter Zettel beim Podcasten gut gewesen, meinte er ein anderes Problem: Die Münchner bilden gute Spieler aus, können sie aber nicht in die erste Mannschaft integrieren.
Auch das wäre aber nicht mehr ganz richtig: Nun kann man streiten, ob rund ein Jahr bei den Amateuren noch als Ausbildung zählt. Wenn zutreffend, dann haben die Münchner ihre Stars Jamal Musiala und Alphonso Davies mit ausgebildet.
Pavlovic und Stanisic sind beim FC Bayern etabliert
Definitiv länger in der Jugend des FC Bayern spielten Aleksandar Pavlovic und Josip Stanisic. Beide sind jeweils Nationalspieler (Deutschland / Kroatien) und etablierte Stammkräfte bei den Münchnern.
„Zettel-Ewald“ hätte dann sogar noch einen dritten Zettel gebraucht: Auf dem hätte dann stehen müssen, dass viele Traditionsklubs, die oben in der Tabelle stehen, keine Spieler selbst ausbilden und in der ersten Mannschaft etablieren. Dazu zählen unter anderem Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt.
Es gibt also das Phänomen in der Bundesliga, dass große Traditionsklubs ihre eigenen Jugendspieler nicht bis nach oben bringen. Aber die Bayern machen das derzeit immerhin einen Tick besser als die Dortmunder und Frankfurter.
Zumindest wissen nun alle Fußball-Fans, warum „Zettel-Ewald“ dringend wieder Zettel braucht. Er ist sonst nicht ein akribisch arbeitender Fußball-Experte, sondern ein Fußballpopulist, der Fans gegen etwas, in dem Fall den FC Bayern, aufhetzen will.
Um Michels Meinung in den Worten von Ewald Lienen auszudrücken: „Davor habe ich nicht nur keinen Respekt, das widert mich an.“