Michels Meinung

Luis Enrique wäre ein würdiger Guardiola-Erbe beim FC Bayern

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Luis Enrique beeindruckt mit Paris Saint-Germain und dem Champions-League-Triumph die Fußballwelt. Doch was folgt als Nächstes? Michels Meinung.

München – Gratulation an Paris Saint-Germain und Trainer Luis Enrique zum Sieg in der Champions League. Die Gründe für den Triumph wurden in der Fachpresse bereits besprochen. Im Kern sind zwei Merkmale hervorzuheben:

Die (Ex-)Weltstars von PSG wie Messi, Neymar und Kylian Mbappé sind weg. Dafür tritt PSG nun wie eine echte Mannschaft auf. Das Team ist zudem taktisch flexibel und wartet mit großen Überraschungen auf. Unter anderem läuft Ousmane Dembélé als Mittelstürmer auf.

Einblicke in den FC-Bayern-Mannschaftsbus: Hier kriegen die Stars ihren Kaffee – Spezielle Details an Sitzen

Diesen Anblick kennen Fans: Spieler, die aus dem Mannschaftsbus des FC Bayern steigen. Das ist auch oft am Rande von TV-Übertragungen zu sehen
Solche Anblicke kennen Fans: Spieler, die aus dem Mannschaftsbus des FC Bayern steigen. Das ist auch oft am Rande von TV-Übertragungen zu sehen. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Der Mannschaftsbus ist sehr wichtig, schließlich sind die Fußballer damit viel auf Reisen
Der Mannschaftsbus ist sehr wichtig, schließlich sind die Fußballer damit viel auf Reisen. © IMAGO/Ulrich Wagner
FC-Bayern-Mannschaftsbus
Man könnte ihn durchaus als zweites Wohnzimmer der Stars bezeichnen. © MAN
FC-Bayern-Mannschaftsbus
Aber wie sieht er eigentlich innen aus? Wir laden Sie ein zu einem kleinen Rundgang durch den FC-Bayern-Mannschaftsbus. © MAN
MAN
Sicherlich wichtig: die Steckdosen unter den Sitzen. Diesen Anblick gibt es ansonsten normalerweise nur für die Spieler und das engste Umfeld des FC Bayern. © MAN
FCB-Bus
Die Fans hingegen können höchstens mal einen Blick von außen auf den Bus erhaschen. © MAN
FCB-Bus
Für lange Reisen ist an komfortable Sitze gedacht. © MAN
FCB-Bus
Diese weisen ein spezielles Detail auf: „Mia san mia“ ist darauf zu lesen, das Selbstverständnis des FC Bayern. Es gibt übrigens noch etwas zu entdecken an den Sitzlehnen – mehr dazu später. © MAN
Mannschaftsbus
Bevor wir den Rundgang innen fortsetzen, noch ein Foto von außen – und mehrere Bilder, die Stars am Mannschaftsbus zeigen. © MAN
Hier steigt Jamal Musiala hochkonzentriert aus dem FC-Bayern-Bus
Hier steigt Jamal Musiala hochkonzentriert aus dem FC-Bayern-Bus. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Und hier Eric Dier
Und hier Eric Dier. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Sicher gesteuert: der FC-Bayern-Bus von vorn
Sicher gesteuert: der FC-Bayern-Bus von vorn. © IMAGO/Mladen Lackovic
Klar, das auch eine Menge Gepäck Platz haben muss im FC-Bayern-Bus
Klar, das auch eine Menge Gepäck Platz haben muss im FC-Bayern-Bus. © MAN
Wenn der FC-Bayern-Bus irgendwo zu sehen ist wie hier an der Allianz Arena, dann herrscht natürlich große Neugier
Wenn der FC-Bayern-Bus irgendwo zu sehen ist wie hier an der Allianz Arena, dann herrscht natürlich große Neugier. © IMAGO/Eibner-Pressefoto
Real-Madrid-Gefährt
Das haben aber Mannschaftsbusse so an sich: Das Foto zeigt Fans vorm Real-Madrid-Gefährt, als die Königlichen im April 2024 in der Allianz Arena gastierten. © IMAGO/Ulrich Wagner
Vincent Kompany
Jetzt aber zurück zum Münchner Bus: FC-Bayern-Trainer Vincent Kompany dürfte sich auch längst daran gewöhnt haben. © ActionPictures/IMAGO
Natürlich zählt auch eine Küche zur Ausstattung. Hier können mutmaßlich zum Beispiel Kaffee oder Snacks zubereitet werden
Zurück in den Innenraum: Natürlich zählt auch eine Küche zur Ausstattung. Hier können mutmaßlich zum Beispiel Kaffee oder Snacks zubereitet werden. © MAN
FC-Bayern-Mannschaftsbus
Was genau hier zubereitet wird, ist nicht überliefert. Und auch nicht, ob die Ausstattung inzwischen etwas anders aussieht. Die Fotos wurden uns von MAN übermittelt und sind wohl schon einige Monate alt. © MAN
FC-Bayern
Dieses Detail gibt‘s aber sicher noch. Und da lehnt man sich als FC-Bayern-Star doch gerne zurück. Nach einem Sieg umso mehr. © MAN
Da würde man als Fan nur zu gerne mal mitreisen
Man kann sich gut vorstellen, wie die Stars hier sich unterhalten, an ihren Handy tippen oder vielleicht auch ganz oldschool Karten spielen. © MAN
Da würde man als Fan nur zu gerne mal mitreisen
Da würde man als Fan nur zu gerne mal mitreisen. © ActionPictures/IMAGO
Ein Archivfoto von Leroy Sané am Bus
Ein Archivfoto von Leroy Sané am Bus. © IMAGO/Ulrich Wagner
Leon Goretzka
Abklatschen mit den Fans: Am Bus hat man manchmal die Chance, Stars wie Leon Goretzka ganz nah zu kommen. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Harry Kane
Oder auch Harry Kane. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Wiesnbesuch des FC Bayern München
Ein besonders schönes Foto: der Bus beim Wiesn-Besuch des FC Bayern 2023. © Wolfgang Maria Weber / IMAGO
FC Bayern ist bekanntlich mit MAN unterwegs
Der FC Bayern ist bekanntlich mit MAN unterwegs. Die Zusammenarbeit wurde bis 2027 ausgedeht. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Heike Feiner
Allzeit gute Reise
Allzeit gute Reise! © IMAGO/Ulrich Wagner

Katar-Besitzer von PSG stehen nicht mehr im Kreuzfeuer der Kritik

Selbst der Hauptkritikpunkt an PSG steht nicht mehr im Fokus, nämlich von Katar finanziert zu werden. Denn im Grunde erkennt jeder an, dass Geld allein PSG den Champions-League-Titel nicht erbracht hat. Sondern es war die außergewöhnliche Leistung von Coach Luis Enrique.

Innerhalb von zwei Jahren hat der Spanier PSG auf den Kopf gestellt – und Paris zur Nummer eins in Europa gemacht. Bis vor wenigen Tagen wurde Enrique dagegen immer noch nicht die Anerkennung zuteil, die ihm schon längst zusteht.

Enrique steht nun auf einer Stufe mit Ancelotti und Klopp

Wenn Guardiola, Klopp, Zidane, Ancelotti und mit Abstrichen Deschamps als die größten, besten und erfolgreichsten Trainer der vergangenen Jahre aufgelistet wurden, war über Enrique nichts zu finden.

Dabei hat der gute Mann zunächst mal als Spieler nahezu alle Titel, außer den Champions-League-Pokal, mit Real Madrid und dem FC Barcelona abgeräumt. Auch der spanischen Nationalmannschaft gehörte er über zehn Jahre an.

Kooperation beim FC Barcelona mit Pep Guardiola

Noch beeindruckender ist seine Trainerkarriere. Enrique übernahm 2008 die zweite Mannschaft des FC Barcelona von Pep Guardiola. Und während Pep sich mit den Barça-Profis zur fußballerischen Weltherrschaft aufmachte, lieferte Enrique seinem ehemaligen Teamkollegen weitere Jungstars aus La Masia nach.

Gleichzeitig führte er Barça II in die Zweite Liga in Spanien und formte es zu einem Spitzenteam. Es ist auch in Spanien noch gar nicht groß diskutiert worden, ob der damalige Erfolg von Guardiola und Messi auch mit der Arbeit von Enrique zu tun hatte.

Luis Enrique hat mit Paris Saint-Germain und dem FC Barcelona das Triple gewonnen.

Rückschlag bei AS Rom

Sportliche Rückschläge musste Enrique, ganz abgesehen von privaten Schicksalsschlägen, allerdings auch verkraften. Auf seiner ersten großen Cheftrainer-Station bei der AS Roma lag er kurz vor Saisonende auf Europacup-Kurs, sogar die Champions-League-Plätze wirkten in Reichweite. Dann konnte die Roma die letzten fünf Spiele nicht gewinnen und die Euroteilnahme wurde verfehlt. Enrique trat von seinem Amt zurück.

Enrique musste sich die Saison darauf, 2013/14, bei Celta Vigo berappeln. „Die Olivicos“ konnte er auf einen soliden neunten Platz in der Primera División führen.

2014/15 erhielt Enrique seinen Karriere-Boost und wechselte als Chefcoach zurück zum FC Barcelona. Gleich im ersten Jahr folgte der Triple-Gewinn mit Champions League, Meisterschaft und Pokal.

Die Saison darauf sprang immerhin das Double heraus, bevor in Jahr drei „nur“ der Pokalsieg übrigblieb.

Enrique baute spanische Nationalmannschaft wieder auf

Für Enrique ging es weiter zur spanischen Nationalmannschaft. Auch hier wird kaum gewürdigt, dass Enrique den Grundstein für den amtierenden Europameister gelegt hat. Enrique baute ab 2019 ein neues, junges, spielstarkes Spanien auf, das bei der EM 2021 und der WM 2022 jeweils nur im Elfmeterschießen gestoppt werden konnte.

Und bei PSG wäre Enrique womöglich schon im vergangenen Jahr Champions-League-Sieger geworden, hätte sein Team nicht im Halbfinale gegen Borussia Dortmund fünfmal Pfosten oder Latte getroffen. Zumindest konnte er aber in seiner Premieren-Saison das nationale Double vorweisen.

Am Samstagabend legte Enrique in seiner zweiten PSG-Saison das Triple nach. Der 55-Jährige zählt spätestens seit diesem Triumph zu den größten Trainern der letzten Jahrzehnte. Und die Frage lautet: Was wird seine nächste Mission sein?

Stolz auf Klub und Fans: PSG-Trainer Luis Enrique.

Die Erwartungshaltung bei PSG bleibt hoch

Natürlich will Enrique mit PSG die Erfolge in der kommenden Saison wiederholen. Bekanntermaßen ist es aber nahezu unmöglich, auf das Triple das nächste Triple folgen zu lassen.

Die Erwartungshaltung in Paris wird groß bleiben und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis der Zeitpunkt kommt, an dem sich Enrique nach einer neuen Aufgabe sehnt.

Der Platz bei Real Madrid ist wohl mit Xabi Alonso nun eine Zeit lang belegt. In der Premiere League kann es auch Aufgaben für Enrique geben, aber der in Gijon geborene ehemalige Mittelfeldspieler liebt besonders familiäre Klubs.

FC Bayern als künftige Option für Enrique?

Hier kommt der FC Bayern ins Spiel. Die Münchner sind bekannt für ihre Herzlichkeit, haben es aber zuletzt fast nur mit auf Topniveau unerfahrenen Trainern probiert (Kovac, Nagelsmann, Kompany).

Dieser Fakt ist auch ein wesentlicher Grund, warum der FC Bayern in diesem Jahr im Viertelfinale der Champions League gegen Inter Mailand ausgeschieden ist.

Vincent Kompany beging ausgerechnet im Heimspiel gegen Inter (1:2) zu viele Fehler mit den Einwechselspielern Thomas Müller und Sacha Boey. Müller hätte von Beginn an spielen müssen, Boey hätte dagegen nicht mal eingewechselt werden dürfen.

Kompany, zuvor nur Coach in Anderlecht und bei Burnley, sitzt durch den Gewinn der deutschen Meisterschaft 2025 beim FC Bayern fest im Sattel. Aber der Belgier wird sich im zweiten Jahr steigern müssen.

Kompany muss sich beim FC Bayern steigern

Besonders bei der Talentförderung und in den Pokalwettbewerben ist von ihm ein höherer Output zu verlangen.

Auch die Verletztenliste in der Crunch-Time sollte nicht mehr so lang sein und Nebenkriegsschauplätze wie Vertragsverhandlungen der Stars dürfen sich nicht mehr über Monate hinziehen. Das Schauspiel kann auch ein Trainer mit einem Machtwort beenden.

Enrique ist so gesehen ein Gegenentwurf zu Kompany und all den anderen unerfahrenen Trainern, die sich in München ausprobieren durften. Enrique hat Erfahrung und Erfolge auf allen Ebenen gesammelt.

Glückliche Familie: Luis Enrique (rechts im Bild) feiert den CL-Sieg gegen Inter Mailand mit Ehefrau und Kindern.

In München schwärmt man von Pep Guardiola

Auch schwärmen in München noch viele von der Zeit mit Pep Guardiola zwischen 2013 und 2016. Damals war der FC Bayern ein Weltklub und in der Blüte seines Schaffens.

Luis Enrique, der einstige Mittelfeld-Kollege von Guardiola und spätere Pep-Flüsterer, bringt sogar ein noch größeres Skillset als Guardiola mit.

Michels Meinung: Luis Enrique, der nächste Trainer des FC Bayern

So lautet Michels Meinung: Wenn sich der FC Bayern nicht mehr nur über das Hier und Jetzt Gedanken macht und welcher Spieler schon wieder überbezahlt werden sollte, sondern auch mal wieder eine Vision für die Zukunft entwickelt, muss in der Planung ein Welttrainer inbegriffen sein. Luis Enrique, der nächste Trainer des FC Bayern, ist prädestiniert für diese Aufgabe.

Rubriklistenbild: © Imago / Pro Shots / Bild-Bearbeitung: Canva

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