Eintracht

Mach’s noch mal, Omar Marmoush

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Soll im Eintracht-Trikot auflaufen: Omar Marmoush im Duell mit BVB-Profi Waldemar Anton.
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Topstürmer Marmoush spielt gegen Dortmund - Stand jetzt. Trainer Toppmöller fordert auch gegen angeschlagene Borussen volle Konzentration.

Ein bisschen Déjà-vu ist dabei, wenn am Freitagabend (20.30 Uhr/live Dazn) mal wieder ein angeschlagener Boxer in den eiskalten Frankfurter Stadtwald einläuft. Und was ist Borussia Dortmund aktuell anderes als ein angeschlagener Boxer? Vielleicht ein sehr angeschlagener Boxer, mit einem Trainer womöglich auf Abruf. Alles schon mal dagewesen, die Älteren werden sich erinnern, die Jüngeren auch, liegt ja alles nicht so lange zurück: Anfang Dezember, DFB-Pokal, auch da traf Eintracht Frankfurt auf eine sehr verunsicherte Mannschaft, die wochenlang nicht mehr gewonnen hatte und deren Anspruch ein völlig anderer war: RB Leipzig.

Kein gutes Omen also. denn Leipzig schaffte vor sechs Wochen den Befreiungsschlag und schaltete die Hessen mit einem 3:0-Sieg aus. Aktuell sind sie Frankfurts erster Verfolger in der Tabelle. Auch Borussia Dortmund ist aktuell gerade ziemlich durch den Wind, man segelt meilenweit an den eigenen Vorgaben vorbei, mit 25 Zählern taucht der stolze Klub auf Platz zehn nicht mal mehr im ersten Tabellentableau auf.

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Die Eintracht streckt die Brust raus – und rauscht durch die Liga

Es gibt mutmaßlich einfachere Konstellationen für Eintracht Frankfurt als dieser Gegner, der zuletzt im Stadion regelmäßig mindestens am Rande einer verdienten Niederlage wandelte, sie aber immer noch irgendwie abwenden konnte. Das alles weiß Trainer Dino Toppmöller natürlich: „Da wartet eine riesengroße Aufgabe auf uns.“

Und Sportvorstand Markus Krösche hob nach dem besten Hinrundenstart seit Einführung der Drei-Punkte-Regel bereits mahnend den Finger: „Der BVB wird eine große Aufgabe.“ Die Leistung des Freiburg-Spiels müsse wenigstens „bestätigt werden“ und „wir werden noch was draufpacken müssen“.

Immerhin ist der Frankfurter Wundermann Omar Marmoush – Stand Donnerstagnachmittag – weiter dabei. Er soll auch auf dem Rasen stehen und fleißig Tore schießen. „Im Normalfall“, sagt Toppmöller, „wird er spielen, ich plane mit ihm.“ Neue Wasserstandsmeldungen aus England gebe es keine. Andere Informationen habe er nicht, und das liegt nicht daran, dass der Coach sein Handy häufig auf lautlos zu stellen pflegt. Es wäre also keine faustdicke Überraschung, wenn Eintracht Frankfurt dieses „Highlightspiel“ (Toppmöller) in der gleichen Formation angehen würde wie die letzten beiden sehr erfolgreichen Spiele im neuen Jahr. Selbst wenn der Fußballlehrer noch ein wenig zwischen den Optionen schwankt, ob er den Flow beibehalten oder mehr Frische ins Spiel bringen soll. Dass genügend Zeit zur Erholung bis zur nächsten Aufgabe bleibt, dem Europa League-Spiel am kommenden Donnerstag gegen Ferencvaros Budapest, könnte ein Hinweis sein. Dieses vorletzte Vorrundenspiel wird Dino Toppmöller übrigens nicht wie gewohnt an der Trainerbank verfolgen, sondern auf der Haupttribüne. Wegen seiner Rote Karte, die er nach der Partie bei Olympique Lyon gesehen hatte, ist er zu einer Spielsperre verdonnert worden.

Eintracht-Spieler Marmoush: „Individuelle Qualität“

Natürlich liegt der Fokus zunächst auf der Borussia aus Dortmund, die der Coach selbstverständlich keinesfalls abgeschrieben hat. Sie hätten trotz der momentanen Schwächephase ein Team beieinander, das über „eine extreme individuelle Qualität“ verfüge, sie „können jedem Gegner wehtun“. Der BVB sei allen Unkenrufen zum Trotz „noch ein Stück über uns“. Doch Toppmöller wäre nicht Toppmöller, wenn er nicht selbstbewusst anfügen würde: „Aber wir fühlen uns so, dass wir gewinnen können.“ Warum auch nicht? Schon im Hinspiel waren die Hessen nah dran, und da waren die Vorzeichen ganz andere.

Grundsätzlich will Toppmöller das ganze schwarz-gelbe Krisengerede am liebsten ausblenden. „Es kommt doch weniger darauf an, was der BVB macht, sondern darauf, was wir auf den Platz bekommen.“ Eine „Top-Leistung“ vor einem „Top-Publikum“ werde allemal erforderlich sein, um auch diese 90 Minuten erfolgreich zu bestreiten.

Diese Partie ist natürlich auch für drei Spieler der Hessen immer noch nichts Alltägliches, auch wenn die Erinnerungen mehr und mehr verblassen: Mario Götze, Ansgar Knauff und ganz aktuell Nnamdi Collins haben (oder hatten) enge Verbindungen zum BVB. Aber das weiß das Trio längst professionell auszublenden. Collins etwa, der Senkrechtstarter, sagte am Dienstagabend nach dem 4:1--Sieg gegen den SC Freiburg und seinem ersten Bundesligator cool: „Mit Dortmund befasse ich mich gar nicht mehr“, schon seitdem er den Klub verlassen habe nicht mehr, im Sommer 2023 war das. Aber dass sie in Dortmund angesichts eigener eklatanter Abwehrschwächen dem Abwehrspieler und Jungprofi aus dem eigenen Stall ein paar Tränchen nachgeweint haben, hat er schon mitbekommen. Ihn freut das, zeigt es doch, dass er den richtigen Weg nach Frankfurt eingeschlagen hat.

Am Ende gibt es einen großen Unterschied zur Partie vor sechs Wochen gegen einen ähnlich verunsicherten Gegner: Damals musste die Eintracht in Leipzig antreten, dieses Mal kommt der angeschlagene Boxer in den Stadtwald. Dort hängen Trauben zuweilen hoch.

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