Nicht nur das Geld

Saudi-Arabien und die Transfer-Welle: Welche Rolle der Islam spielt

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Immer mehr Fußball-Stars entscheiden sich für einen Wechsel nach Saudi-Arabien. Das große Geld ist dabei oftmals nicht der einzige Grund.

Riad – Die Liste wird immer länger. Erst Cristiano Ronaldo, dann Karim Benzema, N‘Golo Kanté, Kalidou Koulibaly – jüngst auch noch Jordan Henderson, Fabinho, Riyad Mahrez. Und jetzt wahrscheinlich auch noch Sadio Mané. Selten wurde aus einem Fußball-Niemandsland so schnell eine erstaunlich prominent besetzte Liga wie es aktuell in Saudi-Arabien der Fall ist.

Saudi Professional League
Gründung:1975
Teams:16
Aktueller Meister:Ittihad FC

Saudi-Arabien verpflichtet Fußball-Stars aus Europa – große Gehälter locken

Beinahe täglich gibt es neue Meldungen, dass ein Star aus dem europäischen Spitzenfußball den Weg in die Wüste antritt. Natürlich ist ein großer Aspekt dabei das Geld. Die Spieler werden zwar auch in England, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland fürstlich entlohnt. In Saudi-Arabien können sie aber nochmal das Vielfache ihres bisherigen Salärs einstreichen. Steigerungen von 200, 300 oder 400 Prozent sind keine Seltenheit. Und nach oben gibt es keine Grenzen, wie der Fall Kylian Mbappé beweist.

Koulibaly hat bereits öffentlich zugegeben, dass das Geld eine Hauptrolle in seiner Wechsel-Entscheidung spielte. Der ehemalige Chelsea-Verteidiger, inzwischen für Al-Hilal aktiv, sagte: „Ich kann es nicht leugnen. Ich werde meiner ganzen Familie, von meinen Eltern bis zu meinen Cousins, zu einem guten Leben verhelfen und die Aktivitäten meines Vereins ‚Capitaine du Coeur‘ im Senegal unterstützen können. Wir haben mit dem Bau einer Klinik im Dorf meiner Eltern begonnen. Ich habe viele Projekte, um jungen Menschen zu helfen.“ Der Abwehrspieler soll bei seinem neuen Arbeitgeber ein Gehalt von rund 30 Millionen Euro kassieren.

Neymar, Mané, Kanté, Benzema: Diese Stars sind im Sommer nach Saudi-Arabien gewechselt

Franck Kessie bei einem Spiel des FC Barcelona
Für rund zwölf Millionen Euro ging Mittelfeldspieler Franck Kessie vom FC Barcelona zu Al-Ahli. © IMAGO/Ken Asakura
Allan Saint-Maximin bei einem Spiel von Al-Ahli
Anstatt mit Newcastle United Champions League zu spielen, verabschiedete sich Allan Saint-Maximin (re.) in die Wüste zu Al-Ahli. Kostenpunkt: Rund 27 Millionen Euro. © IMAGO/Khalid Alhaj/MB Media
Roger Ibanez bei einem Spiel der AS Rom
Auch Roger Ibanez kickt künftig für Al-Ahli, der Innenverteidiger wurde für kolportierte 30 Millionen Euro von der AS Rom verpflichtet. © IMAGO
Fabinho nach einem Spiel von Al-Ittihad
Mittelfeldspieler Fabinho (li.) schnürt in Zukunft die Treter für Al-Ittihad. Für den Sechser sollen circa 47 Millionen Euro nach Liverpool gewandert sein. © IMAGO/Abdul Ghani Bashir Issa/MB Media
Sadio Mane nach einem Spiel von Al-Nassr
Beim FC Bayern wurde Sadio Mané nicht glücklich, nach nur einem Jahr zog es ihn in zu Al-Nassr. Kostenpunkt: Rund 30 Millionen Euro. © IMAGO / MB Media Solutions
Neymar bei seiner Vorstellung bei Al-Hilal
Der bislang dickste Transfer der Saudi Pro League in diesem Sommer trägt den Namen Neymar. Für angeblich rund 80 Millionen Euro plus 20 Millionen Euro an möglichen Boni ging der Brasilianer von PSG zu Al-Hilal. © IMAGO/Strigner
Bono bei einem Spiel des FC Sevilla
Auch beim FC Bayern soll Torhüter Bono ein Thema gewesen sein, den Zuschlag erhielt aber Al-Hilal, das wohl um die 21 Millionen Euro für den Ex-Sevilla-Keeper hinlegte. © IMAGO/Joaquin Corchero
Merih Demiral bei einem Spiel von Atalanta Bergamo
Der türkische Nationalspieler Merih Demiral, zuvor bei Atalanta Bergamo aktiv, schloss sich für circa 20 Millionen Euro Al-Ahli an. © IMAGO/Giuseppe Maffia
Aleksandar Mitrovic bei einem Spiel vom FC Fulham
Für den FC Fulham erzielte Aleksandar Mitrovic in 202 Pflichtspielen 111 Treffer, nun geht er für Al-Hilal auf Torejagd. Als Ablöse sollen rund 52 Millionen Euro nach London gewandert sein.  © IMAGO/Jed Leicester/Shutterstock
Matthias Jaissle im Trainingslager von Al-Ahli
Matthias Jaissle führte RB Salzburg 2021 erstmals in der Vereinshistorie in die Champions-League-Gruppenphase, verabschiedete sich unmittelbar vor dem Start der Saison 2023/24 aber zu Al-Ahli. © IMAGO/Daniel Scharinger
Mit Slaven Bilic sitzt einiges an Premier-League-Erfahrung auf der Bank von Al-Fateh SC.
Mit Slaven Bilic sitzt einiges an Premier-League-Erfahrung auf der Bank von Al-Fateh SC. © IMAGO / PA Images
Der Vertrag von Karim Benzema bei Real Madrid ist ausgelaufen und er schloss sich Al-Ittihad an.
Der Vertrag von Karim Benzema bei Real Madrid ist ausgelaufen und er schloss sich Al-Ittihad an. © IMAGO / ABACAPRESS
Al-Hilal zahlt 55 Millionen Euro für die Dienste von Ruben Neves an die Wolverhampton Wanderers.
Al-Hilal zahlt 55 Millionen Euro für die Dienste von Ruben Neves an die Wolverhampton Wanderers. © IMAGO / Sportsphoto
Kalidou Koulibay verlässt den FC Chelsea nach einem Jahr für 23 Millionen Euro zu Al-Hilal.
Kalidou Koulibay verlässt den FC Chelsea nach einem Jahr für 23 Millionen Euro zu Al-Hilal. © IMAGO / AFLOSPORT
Roberto Firmino wechselte ablösefrei vom FC Liverpool zu Al-Ahli.
Roberto Firmino wechselte ablösefrei vom FC Liverpool zu Al-Ahli. © IMAGO / PA Images
Nach seinem Vertragsende beim FC Chelsea schloss sich Ngolo Kante Al-Ittihad an.
Nach seinem Vertragsende beim FC Chelsea schloss sich Ngolo Kante Al-Ittihad an. © IMAGO / Pro Sports Images
Für 42 Millionen Euro sicherte sich Al-Hilal Sergej Milinkovic-Savic von Lazio Rom.
Für 42 Millionen Euro sicherte sich Al-Hilal Sergej Milinkovic-Savic von Lazio Rom. © IMAGO / Independent Photo Agency
Für Edouard Mendy zahlte Al-Ahli 18,5 Millionen Euro an den FC Chelsea.
Für Edouard Mendy zahlte Al-Ahli 18,5 Millionen Euro an den FC Chelsea. © IMAGO / PA Images
Marcelo Brozovic wechselte für 18 Millionen Euro von Inter Mailand zu Al-Nassr.
Marcelo Brozovic wechselte für 18 Millionen Euro von Inter Mailand zu Al-Nassr. © IMAGO / ZUMA Wire
Der Portugiese Jota brachte Celtic 29 Millionen Euro von Al-Ittihad ein.
Der Portugiese Jota brachte Celtic 29 Millionen Euro von Al-Ittihad ein. © IMAGO / Sportsphoto
Liverpool-Kapitän Jordan Henderson wechselte für 14 Millionen Euro zu Al-Ettifaq und spielt nun für seinen Vorgänger Steven Gerrard.
Liverpool-Kapitän Jordan Henderson wechselte für 14 Millionen Euro zu Al-Ettifaq und spielt nun für seinen Vorgänger Steven Gerrard. ©  IMAGO / PA Images
Champions-League-Sieger gab Flügelspieler Riyad Mahrez für 30 Millionen Euro an Al-Ahli ab.
Champions-League-Sieger Manchester City gab Flügelspieler Riyad Mahrez für 30 Millionen Euro an Al-Ahli ab. © IMAGO / Nicolo Campo
60 Millionen Euro ließ sich Al-Hilal die Dienste von Malcolm von Zenit St. Petersburg kosten.
60 Millionen Euro ließ sich Al-Hilal die Dienste von Malcolm von Zenit St. Petersburg kosten. ©  IMAGO / Russian Look
Ablösefrei kam Moussa Dembele von Olympique Lyon zu Al-Ettifaq.
Ablösefrei kam Moussa Dembele von Olympique Lyon zu Al-Ettifaq. © IMAGO / PanoramiC
Nachdem der Leihe zum FC Sevilla verkaufte Manchester United Alex Telles für 7,5 Millionen Euro an Al-Nassr.
Nach der Leihe zum FC Sevilla verkaufte Manchester United Alex Telles für 7,5 Millionen Euro an Al-Nassr. © IMAGO / Nicolo Campo
Steven Gerrard ist neuer Trainer bei Al-Ettifaq.
Steven Gerrard ist neuer Trainer bei Al-Ettifaq. © IMAGO / Pixsell
Vom französischen Vizemeister RC Lens wechselt Seko Fofana für 25 Millionen Euro zu CR7-Club Al-Nassr.
Vom französischen Vizemeister RC Lens wechselt Seko Fofana für 25 Millionen Euro zu CR7-Club Al-Nassr. © IMAGO / Sportpix
Jorge Jesus, neuer Trainer von Cristiano Ronald bei Al-Nassr, besitzt einiges an Champions-League-Erfahrung.
Jorge Jesus, neuer Trainer von Cristiano Ronaldo bei Al-Nassr, besitzt einiges an Champions-League-Erfahrung. © IMAGO / NurPhoto

Koulibaly und Benzema nennen auch die Religion als Grund für ihren Wechsel

Aber: Der Senegalese nannte noch einen weiteren Aspekt, der ihn an Saudi-Arabien reizte. Und dieser scheint bei europäischen Fans und Entscheidungsträgern immer wieder außen vor gelassen zu werden, wenn es um einen Wechsel in die Wüste geht: die Religion.

Koulibaly erklärte im Rahmen seines Transfers: „Ich bin Muslim, ich komme in ein ideales Land für mich und meine Familie.“ Benzema sieht es ähnlich: „Nun, ich bin ein Muslim und dies ist ein muslimisches Land. Ich wollte immer hier leben.“

Karim Benzema (M.) und Riyad Mahrez (r.) sind bereits nach Saudi-Arabien gewechselt. Folgt Sadio Mané (l.) in Kürze?

Saudi-Arabien und die Transfer-Welle: Ein entscheidender Wechsel-Grund wird immer wieder vergessen

In Saudi-Arabien leben über 35 Millionen Menschen, zirka 90 Prozent von ihnen sind Muslime. Bei den vielen Wechseln in diesem Sommer fällt auf: Ein Großteil der Spieler, die sich für die arabische Halbinsel entscheiden, gehören dem Islam an. Natürlich spielt das viele Geld, das sich in der Pro League verdienen lässt, eine gewaltige Rolle.

Die Religion ist aber für viele Stars ein weiterer Grund, den in Europa so unpopulären Schritt zu gehen. Eine Komponente, die in den Diskussionen immer wieder vergessen wird. Oftmals ist nur von einer gewissen Geld-Gier die Rede – die in manchen Fällen wohl auch durchaus ihre Berechtigung hat. Bei Benzema, Koulibaly und beispielsweise Edouard Mendy, N‘Golo Kante oder Riyad Mahrez spielt aber eben auch der Glaube eine bedeutsame Rolle.

Sadio Mané: Abschied vom FC Bayern München und Wechsel nach Saudi-Arabien?

Sadio Mané könnte in Kürze einen ähnlichen Weg einschlagen. Der Senegalese vom FC Bayern München ist gläubiger Muslim, unterstützt in seiner Heimat viele gemeinnützige Projekte. Gut möglich, dass er in Saudi-Arabien schon bald eine neue sportliche Heimat findet und dann wieder an sein Leistungsvermögen anknüpfen kann. An der Isar ist ihm das nie so wirklich gelungen. Aktuell befindet sich Mané in Verhandlungen mit Ronaldo-Klub Al-Nassr. (akl)

Rubriklistenbild: © Lackovic / ANP / ABACAPRESS / Imago

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