VonMarius Eppschließen
Bei ihrem Aufstieg zur Weltklasse hatte Maria Höfl-Riesch mit schweren Rückschlägen zu kämpfen. Sie spricht über eine schwierige Periode.
München – WM, Olympia, Gesamtweltcup: Sie hat so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Doch nicht immer lief alles wie am Schnürchen. Schon in ganz jungen Jahren hatte Maria Höfl-Riesch Angst, ihre Karriere beenden zu müssen.
In den Jahren 2005, 2006 und 2007 wurde der Kampfgeist der Ski-Legende auf eine harte Probe gestellt. Sie war gerade mal 21 Jahre jung, als sie von schweren Verletzungen heimgesucht wurde. Im Podcast „Auf & Up“ spricht die heute 39-Jährige über die Rückschläge.
Maria Höfl-Riesch spricht über schwere Rückschläge als junge Fahrerin
Der erste kam in der Saison 2004/2005. Höfl-Rieschs Stern war längst aufgegangen, die mehrfache Juniorenweltmeisterin galt als Supertalent. Nun wollte sie die Weltspitze aufmischen – und es sah gut aus.
„Ich war super in Form. Dann kam der 12. Januar in Cortina. Eigentlich ein Ort, den ich mochte, an dem ich schon oft gut gefahren bin. Aber ich hatte keinen guten Tag. Ich habe einen kleinen Fehler gemacht und hab mir das Kreuzband gerissen – drei Wochen vor der Weltmeisterschaft in Bormio“, erzählt die Garmisch-Partenkirchenerin.
„Ich war am Boden zerstört“: Ski-Legende Höfl-Riesch schüttet ihr Herz aus
„Das war bitter, das hat mich runtergezogen. Ich war am Boden zerstört“, gibt Höfl-Riesch zu. Sie kämpfte sich zurück – nur, um ein Jahr später die nächste bittere Erfahrung zu machen. OP und Reha brachte sie gut hinter sich, doch dann: „Der 10. Dezember in Aspen, ziemlich genau elf Monate später, selbes auf der anderen Seite. Wieder Kreuzbandriss.“
Für die junge Athletin ein Schock. Dieses Mal heilte das Knie nicht so gut, die Reha lief schleppend. „Der ganze Sommer war ein einziger Kampf, ich bin nicht vorwärtsgekommen, hatte immer Schmerzen“, erinnert sich Höfl-Riesch, die zuletzt auch über ihr Ehe-Aus sprach.
Höfl-Riesch erinnert sich an „ausweglose Situation“
„Ich war schon ziemlich verzweifelt und habe mich gefragt, ob das überhaupt nochmal was werden kann. Zeitweise war es eine echt ausweglose Situation“, so die deutsche Ski-Ikone. Eine spezielle Behandlung ihres Arztes sorgte schließlich für Besserung. Höfl-Riesch konnte 2006 wieder Rennen fahren – doch für ganz vorne reichte es nicht.
„Es war hart für mich zu akzeptieren, dass ich so weit weg war.“ Gleich zwei Ängste trieben die damals 22-Jährige um: „Schaffe ich es nochmal da hin, wo ich schon einmal war? Was, wenn mir so etwas noch einmal passiert? Ich hatte kein Vertrauen mehr in meine Knie.“
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Unbekümmertheit reicht nicht: Ski-Ass Höfl-Riesch hat „gelernt, zu kämpfen“
Doch zum Glück blieb sie in der Folge vom Verletzungspech verschont. Rennen für Rennen kam das Vertrauen zurück, in der Saison 2007/2008 fand sie endgültig wieder zu alter Stärke, wurde in den folgenden Jahren Weltmeisterin, Olympiasiegerin und holte den Gesamtweltcup. Beim Oktoberfest wurde zuletzt über ein Detail ihres Dirndls gesprochen.
„Im Nachhinein gesehen war es eine gute, wenn auch harte Schule. In der Zeit habe ich gelernt, dranzubleiben, mich durchzubeißen und zu kämpfen. Bis dahin ging vieles wie von alleine. Ich war mit viel Talent gesegnet, hatte diese junge Unbekümmertheit. Aber in der Zeit habe ich gemerkt, das allein reicht nicht“, zieht Höfl-Riesch ein Fazit – und gibt damit allen anderen Kraft, Rückschläge zu überwinden. (epp)
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