VonAndreas Apetzschließen
Der letzte Titelgewinn der marokkanischen Nationalmannschaft liegt lange zurück. Alles, was Sie zur Mannschaft aus Marokko wissen müssen.
Rabat – Marokko gehört schon lange nicht mehr zu der Speerspitze des afrikanischen Fußballs. Dennoch werden die „Atlaslöwen“ aus Nordafrika mit ihrer WM-Teilnahme von 1986 auf ewig in den Geschichtsbüchern des Fußballs stehen. Damals überstand die marokkanische Nationalmannschaft als erstes afrikanisches Team die Gruppenphase einer WM und zog ins Achtelfinale ein.
Nach langer Pause gibt es wieder Aufschwung: Das Team qualifizierte sich zum zweiten Mal in Folge für eine Endrunde der Fußballweltmeisterschaft. Bei der WM 2022 in Katar lieferte das Team ab und überzeugte mit seinem Kampfgeist. Am Ende sprang ein historischer vierter Platz heraus.
Marokkanische Nationalmannschaft: Gründung und Anfänge
Die marokkanische Nationalmannschaft wurde 1928 gegründet und bestritt ihr erstes Spiel am 22. Dezember desselben Jahres gegen die B-Mannschaft Frankreichs. Als französischer Kolonialstaat erhielt Marokko zunächst keine Spielberechtigung für große Wettbewerbe wie die Fußballweltmeisterschaft. Erst mit dem Festlegen der marokkanischen Unabhängigkeit durfte der Staat einen eigenen Fußballverband sowie eine eigene Nationalmannschaft gründen.
| Verband | Royal Moroccan Football Federation |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1960 |
| Erstes Länderspiel | 19. Oktober 1957 gegen Irak (3:3) |
| Größte Erfolge | WM-Viertplatzierter (2022), WM-Achtelfinale (1986), Afrika-Cup-Sieger (1976) |
| Rekordnationalspieler | Abdelmajid Dolmy (140Einsätze) |
| Rekordtorschütze | Ahmed Faras (36 Tore) |
| Stand: 22. Dezember 2022 |
Am 19. Oktober 1957 gab Marokko bei der zweiten Auflage der Panarabischen Spiele im Libanon sein Debüt als unabhängiges Land und spielte im Camille Chamoun Sports City Stadium gegen den Irak 3:3 unentschieden. 1959 nahm die Mannschaft zum ersten Mal an einem internationalen Wettbewerb teil, der Qualifikationsrunde für die Olympischen Spiele 1960 in Rom. Seither nimmt das Team an den Qualifikationsrunden aller großen Turniere teil und gelangt regelmäßig in die Endrunden des Afrika-Cups, der Afrika-Nationenmeisterschaft und der Weltmeisterschaft.
Nationalmannschaft aus Marokko: Titelgewinn bei der Afrikameisterschaft
Bei ihrer zweiten Teilnahme am Afrika-Cup 1976 gewann die marokkanische Nationalmannschaft das Turnier und somit den Titel der besten Mannschaft Afrikas. In sechs Spielen erzielten die „Atlaslöwen“ elf Treffer, verloren kein einziges Spiel und standen am Ende völlig zurecht auf dem ersten Platz. Auf den Titelgewinn folgte eine lange, erfolglose Periode. Die Meisterschaft von 1976 ist bis heute der einzige gewonnene Titel der marokkanischen Nationalmannschaft.
Doch seit den letzten Jahren zeigt die Leistungskurve der Marokkaner wieder nach oben. Besonders bei der 2007 eingeführten afrikanischen Nationenmeisterschaft konnte die Nationalmannschaft aus Marokko brillieren. Mit zwei Titelgewinnen in Folge geht Marokko 2023 als Titelverteidiger in das Turnier.
Marokkanische Nationalmannschaft: Denkwürdige WM-Teilnahme 1986
Im Jahr 1970 qualifizierte sich Marokko erstmals für die WM in Mexiko. In der Gruppenphase traf das Team zunächst auf die Mannschaft aus Deutschland. Nachdem Marokko überraschend 1:0 in Führung ging, setzte sich am Ende die Erfahrung der DFB-Elf durch und führte zum 2:1-Sieg für Deutschland. In den nachfolgenden Partien konnte die marokkanische Mannschaft noch einen Punkt holen, ehe sie als Gruppenletzter aus Mexiko abreiste.
Sechzehn Jahre später gelang die zweite Qualifikation für die WM-Endrunde – wieder war Mexiko der Gastgeber. „Nachdem uns die Olympiateilnahme gelungen war, hatten wir den Ehrgeiz, uns für die WM-Endrunde zu qualifizieren“, berichtete Mustafa El Haddaoui, der bei den Weltmeisterschaften 1986 und 1994 dabei war, im Gespräch mit FIFA.com. Betitelt als Goldene Generation Marokkos, flog die Mannschaft nach Mexiko. In einer Gruppe mit Polen, England und Portugal galt das Team dennoch als Außenseiter.
Doch es folgte die Überraschung: In den ersten Spielen trennte sich die Mannschaft gegen England und Polen mit einem torlosen Unentschieden. „Wir hatten den Eindruck, dass unsere Gegner uns auf die leichte Schulter nahmen. Sie waren wohl überrascht, dass sie einem so gut organisierten Team mit guten Einzelspielern gegenüberstanden“, erzählte El Haddaoui. Der 3:1-Sieg gegen Portugal sorgte dann für die Sensation. „Es war für alle eine Riesenüberraschung, dass wir über die erste Runde hinauskommen konnten, insbesondere, weil Portugal zuvor England besiegt hatte“, so El Haddaoui. Damit zog Marokko als erstes afrikanisches Team aller Zeiten in die K.O.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft ein.
Im Achtelfinale standen die Marokkaner den Profis aus Westdeutschland gegenüber. Nach einer ausgeglichenen Partie beendete Lothar Matthäus kurz vor Schluss die Träume der marokkanischen Fans mit einem Freistoßtor zum 1:0. Der Einzug in die K.O.-Runde einer Weltmeisterschaft wurde in Marokko dennoch laut gefeiert. Seit dem Erfolg von 1986 konnte sich die Nation noch vier weitere Male für eine WM-Endrunde qualifizieren.
