„Mister Underrated“ der Eintracht demonstriert neue Qualität
VonChristopher Michel
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Für die Offensive von Eintracht Frankfurt hat Trainer Dino Toppmöller mehrere Optionen. Der Konkurrenzkampf nimmt auch dank Ansgar Knauff Fahrt auf.
Frankfurt – Trainer Dino Toppmöller hat in der Vorbereitung das 4-2-3-1-System intensiv einstudiert. Eintracht Frankfurt hat seine Spielweise dabei etwas angepasst, das Pressing findet höher statt, die Intensität wird weiter erhöht. Viel Arbeit kommt dabei auch auf die Flügelspieler zu: Ritsu Doan, Jean-Matteo Bahoya und Ansgar Knauff.
Das Trio zeigt sich in bestechender Frühform. Doan schnürte im Pokalspiel gegen Engers einen Doppelpack, Bahoya eröffnete die Saison gegen den Oberligisten und traf ebenfalls zweimal beim 4:1-Erfolg gegen Werder Bremen, Knauff überzeugte als Joker mit einem Treffer gegen die Hanseaten. Einen solchen Konkurrenzkampf wünscht sich jeder Trainer.
Knauff wird im Eintracht-Umfeld oft unterschätzt
Knauff geht dabei, wie so oft schon in seiner Zeit bei den Hessen, als „Mister Underrated“ in die Saison. Dabei hat sich der 23-Jährige in den vergangenen Jahren immer wieder durchgesetzt und behauptet. Unter Toppmöller war Knauff in zwei Spielzeiten jeweils an zehn Bundesligatreffern beteiligt. Das ist eine Marke, die es für ihn zu überbieten gilt.
„Wir pushen uns gegenseitig hoch“, sagte Knauff mit Blick auf seine Kollegen Bahoya und Doan. Was in der Vergangenheit war, das zählt nicht mehr. Knauff hat jedoch immer bewiesen, an den Herausforderungen zu wachsen. Und er hatte im Frühjahr zwei Knackpunkte, die ihn zu einer tiefgreifenden Analyse gebracht haben.
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Als die Eintracht gegen den VfB Stuttgart (1:0) um drei Punkte kämpfte, war es Knauff, der Torhüter Alexander Nübel bereits umkurvt hatte. Er schob das Leder auf das leere Gehäuse, drehte schon zum Jubeln ab und wurde von Maximilian Mittelstädts Rettungstat derart geschockt, dass er im Rasen hängen blieb und einige Wochen aussetzen musste.
Nach seinem Comeback war Knauff beim FC Augsburg (0:0) als Einwechselspieler ein belebendes Element. Und wieder setzte er zu einem Tempolauf an und umkurvte den Keeper. Und was passiert? Wieder wurde der Ball von der Linie gekratzt. Ein Sieg in der Fuggerstadt hätte das Tor zur Champions-League-Qualifikation noch früher geöffnet.
Bei Knauff hat auch deshalb ein Umdenken stattgefunden. Gegen Bremen zeigte er eine bislang so selten gesehene Qualität in Sachen Zielstrebigkeit beim Abschluss. Sein Treffer? Herausragend! Nach Pass von Farès Chaibi nutzte die neue Nummer 7 ihren Tempovorteil und vollendete eiskalt mit dem linken Fuß. Er hat somit an den starken Schlussspurt aus der Vorsaison angeknüpft.
Er hätte sogar noch erhöhen können: In Minute 72 kombinierte er sich per Doppelpass mit Elye Wahi über die linke Seite. Statt in die Mitte zu flanken, zog er nach innen und suchte den Abschluss mit seinem rechten starken Fuß. Das Leder strich, leicht abgefälscht, knapp am langen Pfosten vorbei. Und in Minute 89 setzte ihn erneut Wahi in Szene, diesmal scheiterte er am prächtig reagierenden Mio Backhaus.
Und zwar auch als Typ im internen Ranking, er zählt zu den Leadern im Eintracht-Team. Knauff wehrte zwar etwas ab: „Wir alle müssen auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen. Das gilt nicht nur für mich.“ Doch sein Werdegang ist einer, der als Vorbild dient. Er kam vor dreieinhalb Jahren als ungeschliffenes Talent zunächst auf Leihbasis von Borussia Dortmund nach Frankfurt.
Nach 18 Monaten war die Entscheidung gefallen, es wanderten zwischen vier und fünf Millionen Euro an den BVB. Die Eintracht bekam Knauff aufgrund der vertraglichen Situation, da er nur noch bis 2024 gebunden war, zum Schnäppchenpreis. Es liegt auch an ihm, ob er noch einen weiteren großen Karriereschritt packen kann. 19 Tore und 16 Vorlagen in 138 Pflichtspielen sind gut – aber sie lassen, sehr zur Freude von Toppmöller, noch Luft nach oben!