VonChristopher Michelschließen
Eintracht Frankfurt hat auf dem Weg in die Königsklasse auf ein stabiles Gerüst gesetzt. Ein Europa-League-Held ging dabei viele Schritte.
Frankfurt – Wenn die Fans von Eintracht Frankfurt vor der Saison ihre Wunschelf aufgestellt haben, dann tauchte der Name von Ansgar Knauff nicht in jedem Team auf.
Knauff ist der „Mister Underrated“ der Eintracht
Der 23-Jährige ist auch nach dreieinhalb Jahren in der Mainmetropole weiterhin der „Mister Underrated“. Knauff hat mit dieser Rolle gar kein Problem. Er genießt intern ein hohes Standing und zählt unter Trainer Dino Toppmöller durchaus zur Riege der Führungsspieler. Der Offensivmann ist dabei mitnichten ein Lautsprecher. Mit seinem Einsatzwillen und seiner Bereitschaft, sich für die Mannschaft aufzuopfern, ist er für viele junge Akteure jedoch ein Vorbild.
Im Showdown in Freiburg markierte er tief in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit den Wendepunkt und legte den Grundstein für den 3:1 Sieg. Knauff nahm den Ball mit der Hacke mit, profitierte von einem Luftloch von Gegenspieler Philipp Lienhart und überwand den so starken Schlussmann Noah Atubolu mit einem überlegten Abschluss ins lange Eck.
„Dieser Treffer kam zu einem sehr guten Zeitpunkt. Wir konnten mit diesem Unentschieden in die Halbzeitpause gehen. In der Kabine haben wir uns vorgenommen, weiter nach vorne zu spielen und uns nicht auf dem Remis auszuruhen. Das ist uns sehr gut gelungen“, beschrieb der U21-Nationalspieler, der noch eine Europameisterschaft spielen darf, diesen Schlüsselmoment.
Knauff hat wieder zehn Scorerpunkte gesammelt
Knauff ist mehr als nur der Euro-Ansgar! Der Europa-League-Run 2022 bleibt natürlich immer mit seinen Treffern gegen Barcelona und West Ham United verbunden, er zählt zu den Klub-Helden. Unter Trainer Dino Toppmöller ist Knauff in den vergangenen 24 Monaten aber viele weitere Schritte nach vorne gegangen. Er hat die zweite Bundesliga-Saison in Folge mit zehn Scorerpunkten beendet. Wenn über die stabile Achse gesprochen wird, dann wird diese auch mit ihm verbunden.
Als Knauff im Januar 2022 zunächst auf Leihbasis von Borussia Dortmund kam, war eine solche Entwicklung nicht absehbar. Inzwischen hat er 34 Scorerpunkte in 136 Pflichtspielen gesammelt. Knauff kennt andere Zeiten, im letzten Halbjahr von Ex-Coach Oliver Glasner war er phasenweise komplett außen vor und wurde im DFB-Pokal-Finale gegen RB Leipzig (0:2) aus dem Kader gestrichen. Das tat weh, hat ihn aber weiter angetrieben.
Für diese Widerstandsfähigkeit hat er sich nun belohnt. Knauff hat gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Ihn bringt ein zwischenzeitlicher Rückstand oder eine schwierige Phase nicht ganz so schnell aus der Fassung. Dadurch kann er vorangehen und Leader-Qualitäten ausstrahlen. Mentalität? Dieser Begriff ist eng mit seinem Namen verknüpft.
Wenn Knauff Scorer liefert, dann verliert die Eintracht nicht
Ein ganz wichtiger Faktor 2024/25: In den neun Partien, in denen Knauff an Treffern beteiligt war, blieb die Eintracht ungeschlagen. Im Endspurt, als es hart auf hart kam, erzielte er den Doppelpack gegen RB Leipzig (4:0) und das Ausgleichstor im Breisgau. Toppmöller schätzt auch dessen Flexibilität, wie der Einsatz auf fünf verschiedenen Positionen zeigte. Knauff klagt nicht, er nimmt die Aufgaben an und stellt sich stets in den Dienst der Mannschaft.
Die Belohnung erhält der gebürtige Göttinger, der gefühlt schon zum waschechten Frankfurter Bubb mutiert ist, in Form von Einsatzminuten. Knauff stand wettbewerbsübergreifend 2.251 Minuten auf dem Feld. Wie wichtig der Sprinter für das Team geworden ist, zeigten die Wochen, als er wegen einer Knieverletzung ausfiel. Manch einer munkelt, die Partien gegen Tottenham Hotspur hätten einen anderen Verlauf nehmen können …
Mit seinem Tempo (35,93 km/h in der Spitze), dem Gespür für die gefährlichen Räume und seiner Variabilität ist er für Toppmöller quasi unersetzlich. Die technischen Defizite gleicht er mit großem Kämpferherz aus. Als Omar Marmoush im Winter in Richtung Manchester City weiterzog, wurde Knauff immer wertvoller und wichtiger.
Prognose von Eintracht-Allrounder tritt ein
„Wir mussten als Team noch enger zusammenrutschen. Es freut mich umso mehr, dass wir uns belohnen konnten“, so der Musterprofi, der zum Schlüsselakteur aufstieg. Er war es, der schon frühzeitig im exklusiven Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, erahnte, dass sein Ex-Klub Borussia Dortmund diesmal hinter der Eintracht über die Ziellinie einlaufen könnte. Der Allrounder sollte Recht behalten.
Knauff wird sich in der kommenden Saison möglicherweise auf noch größeren Konkurrenzkampf einstellen müssen. Doch wer den harten Arbeiter kennt, der weiß, dass er auch diese Herausforderung annehmen wird.
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