Hoeneß berichtet über Schweinsteiger-Absage an Bayern und die Hoffnung auf Müller
VonPeter Grad
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Viele Fans würden sich Ex-Profis in Führungspositionen beim FC Bayern wünschen. Ehrenpräsident Uli Hoeneß verrät, warum das so schwierig ist.
München – Die Ex-Profis Uli Hoeneß, Kaiser Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge bestimmten über viele Jahrzehnte als Vereinsfunktionäre das Geschehen beim FC Bayern. Dagegen vermisst man aktuell ehemalige Profis des Rekordmeisters in der Klubführung. Vereinspatron Hoeneß erklärt die Situation im OMR Podcast: „Spieler, die heute nach zehn Jahren aufhören, die 15 Millionen verdient haben, die haben 60, 70 Millionen auf der Bank“, und ergänzt fast schon wehmütig: „Die haben nicht den Druck, unbedingt arbeiten zu müssen, den Wohlstand ihrer Familie zu erhalten. Und das ist das größte Problem.“
Hoeneß selbst sei es im Anschluss an seine aktive Karriereende, die er 1979 verletzungsbedingt sehr früh mit 27 Jahren beenden musste, klar gewesen, dass er hart arbeiten werden müsse, um weiter ein Leben zu führen wie davor. Also stieg er als Manager bei den Bayern ein und gründete später eine Wurstfabrik. Heute sei dies keineswegs mehr so.
Sinkende Bereitschaft, „gnadenlos hart zu arbeiten“
Der Weltmeister von 1974: „Bei uns ist eine allgemeine Zufriedenheit schon zu spüren. Deswegen haben wir auch viele junge Leute, die gar nicht mehr leistungsbereit sind, Fußballprofis zu werden“, sagte er. „Die wollen alle Fußballprofis werden, aber die wollen nicht unbedingt hart dafür arbeiten. Und das ist natürlich ein Problem. Man kann nur erfolgreich sein, indem man gnadenlos hart arbeiten will.“
Nach der Ära der Vereinslegenden Hoeneß und Rummenigge hatte Oliver Kahn die Bayern von Juli 2021 an als Vorstandschef geführt, wurde aber nach weniger als zwei Jahren wegen interner Differenzen wieder entlassen. Sein Nachfolger als FCB-CEO ist seither Jan-Christian Dreesen, ein gelernter Banker. Dieser macht laut Hoeneß zwar einen tollen Job, um dann aber etwas wehmütig zu ergänzen, dass es „sein Traum“ sei, wieder eine Vereinslegende in Spitzenpositionen zu bekommen.
Aus Pähl zum Rekordspieler des FC Bayern und nun in die MLS – legendäre Thomas-Müller-Bilder
Der FCB-Ehrenpräsident berichtet in dem Podcast, dass er vor ein paar Monaten Fußball-Gott Bastian Schweinsteiger gefragt habe, ob er nicht Teambetreuer beim FC Bayern werden möchte. „Aber muss ich dann jeden Tag da sein“, habe der langjährige Bayern-Profi und heutige TV-Experte dann gefragt. Als Hoeneß dies bejahte, habe der Weltmeister von 2014 dankend abgelehnt.
Thomas Müller war nach dem Ende von dessen Vertrag bei Bayern angeboten worden, „dass wir ihn auf unsere Kosten ein Jahr lang durch die Weltgeschichte schicken“, damit er sich große Vereine etwa in Nordamerika anschaue und dann nach seiner Rückkehr ins Management einsteige. „Aber er hat mir gesagt: Noch nicht“, schildert Hoeneß die derzeitige Lage.
Schweinsteiger ohne Interesse, Zukunftshoffnung Müller
Der Bayern-Rekordspieler wechselte im Sommer, nachdem er an der Säbener Straße keine Vertragsverlängerung mehr erhalten hatte, als Spieler nach Kanada zu den Vancouver Whitecaps, wo er derzeit hoffnungsvoll um den MLS-Titel kämpft. Fans und Offizielle hoffen auf eine Rückkehr Müllers nach dessen Karriereende.
Der derzeitige Vereinspräsident Herbert Hainer kann sich die FCB-Legende sogar sehr gut als seinen Nachfolger (wäre dann 2028) vorstellen. Das ist aber auch ein wesentlich attraktiverer Job als als Teambetreuer tätig zu sein. Übrigens sollte Philipp Lahm einst seine FCB-Funktionärskarriere als Sportdirektor beginnen – wie wäre demnächst, dann bald zehn Jahre nach Beendigung seiner Spielerlaufbahn als CEO?