Hat sich Bayern-Stürmer verzockt?

Müller in der „Opferrolle“: Wie naiv war die Ikone des FC Bayern?

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Thomas Müller hatte vor, eine weitere Saison beim FC Bayern zu verbringen und setzte auf Sportchef Max Eberl. War der 35-Jährige zu naiv?

München – „Raumdeuter“: Auch international ist der Spitzname von Thomas Müller geläufig. Es gibt kaum einen Profi-Fußballer auf der Welt, der Situationen im Offensivbereich besser vorhersieht und mit seiner unorthodoxen Spielweise überraschende Momente kreiert.

Auch in Sachen Vertragsverhandlungen war Müller stets ein abgezockter Profi. Er kokettierte zum Beispiel mit einem 100-Millionen-Euro Angebot von Manchester United, blieb aber natürlich beim FC Bayern.

Wenn er zu selten spielte, wie unter Trainer Niko Kovač, deutete er den Klub-Bossen seinen Abgang an, um natürlich doch zu bleiben und den nächsten Bayern-Trainer zu überleben.

Kein neuer Vertrag beim FC Bayern: Hat sich Müller verzockt?

Doch was war nun mit Müller los? Sein Karriereende beim FC Bayern ist für den Sommer besiegelt, aber er wollte noch eine Saison für die Münchner auflaufen! Dem Vernehmen nach trug sich das dramatische Müller-Aus in etwa so zu:

In der Hinrunde einigten sich beide Parteien darauf, in der Rückrunde über eine mögliche Vertragsverlängerung zu sprechen.

Im Januar bekam dann Müller von Sportvorstand Max Eberl sinngemäß gesagt, dass er es sich quasi aussuchen könne, was er beim FC Bayern noch machen möchte. Eberl sagte dies sogar öffentlich – und revidierte seine Worte erst am vergangenen Sonntag.

Dann sprach sich im Hintergrund mindestens Ehrenpräsident Uli Hoeneß gegen einen neuen Vertrag für Müller aus. Hoeneß tat dies auch öffentlich kund – ausgerechnet bei einer Filmpremiere von Müller.

Doch offenbar machte dieses Verhalten Müller nicht unruhig. Er wartete ab. Im März soll er dann die Tendenz übermittelt bekommen haben, dass es nichts mit einem neuen Vertrag wird.

Thomas Müller spielt seit 25 Jahren für den FC Bayern und seit über 15 Jahren bei den Profis.

Müller wurde zu spät wachgerüttelt

Doch erst die Medienberichte vor zwei Wochen von seinem endgültigen Aus beim FC Bayern sollen Müller wachgerüttelt haben. Da war es dann aber schon zu spät für den Weltmeister von 2014 und zweifachen Champions-League-Sieger.

Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen handelte mit Müller vergangene Woche nur noch einen Kompromiss aus, der dem Stürmer zumindest finanziell etwas den Abschied versüßt.

Es wirkt so, als wäre Müller stets in einer passiven Rolle gewesen und ließ geschehen, was mit ihm (nicht) geschehen sollte. Dazu sind viele Fragen zu stellen.

Müller bekannte sich lange Zeit nicht zum FC Bayern

Warum eierte Müller selbst öffentlich lange herum und bekannte sich nicht klar zum FC Bayern? Noch im Februar sagte er über seine Zukunft: „Mal schauen.“ Eine deutliche Aussage wie „Ich liebe den FC Bayern und will sehr gerne noch eine Saison in München spielen“, war da noch nicht zu vernehmen. Auch im November 2024 ließ er nur ausrichten, es gebe viele Optionen für ihn, aber er wolle sich noch auf nichts festlegen.

Zudem hätte Müller jederzeit auf die zahlreichen Gerüchte über einen möglichen Vereinswechsel klar Position beziehen können –tat er aber nicht.

Mit mehr Klarheit bei sich selbst hätte Müller offensiver für sich und einen neuen Vertrag werben können. Man stelle sich vor, Müller hätte ab Dezember 2024 klar formuliert, beim FC Bayern einen neuen Vertrag haben zu wollen: Millionen Fans des FC Bayern hätten enormen Druck auf die Vereinsführung ausüben können.

Smalltalk beim Abschlusstraining. Thomas Müller (links) und Joshua Kimmich.

Fall von Niko Kovač als Vorbild?

Die Klub-Führung fällt nämlich in ihren Entscheidungen manchmal auch sehr schnell um, wenn Fans Druck ausüben. Vor dem letzten Spieltag der Saison 2018/19 kursierte beispielsweise die Meldung, Trainer Niko Kovač werde auf jeden Fall entlassen, selbst wenn er das Double noch hole.

In der Allianz-Arena folgte ein enormer Solidarisierungseffekt mit dem Coach. Im spektakulären Spiel gegen Eintracht Frankfurt wurde die Meisterschaft gesichert und das komplette Stadion rief schon mehrfach während der Partie lautstark den Namen von Kovač. In der Folge durfte der Trainer zunächst bleiben, auch wenn durch schwache Ergebnisse im Winter 2019 dann trotzdem Schluss für den Kroaten war. Müller hätte eine ähnliche Reaktion auslösen können.

Einblicke in den FC-Bayern-Mannschaftsbus: Hier kriegen die Stars ihren Kaffee – Spezielle Details an Sitzen

Diesen Anblick kennen Fans: Spieler, die aus dem Mannschaftsbus des FC Bayern steigen. Das ist auch oft am Rande von TV-Übertragungen zu sehen
Solche Anblicke kennen Fans: Spieler, die aus dem Mannschaftsbus des FC Bayern steigen. Das ist auch oft am Rande von TV-Übertragungen zu sehen. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Der Mannschaftsbus ist sehr wichtig, schließlich sind die Fußballer damit viel auf Reisen
Der Mannschaftsbus ist sehr wichtig, schließlich sind die Fußballer damit viel auf Reisen. © IMAGO/Ulrich Wagner
FC-Bayern-Mannschaftsbus
Man könnte ihn durchaus als zweites Wohnzimmer der Stars bezeichnen. © MAN
FC-Bayern-Mannschaftsbus
Aber wie sieht er eigentlich innen aus? Wir laden Sie ein zu einem kleinen Rundgang durch den FC-Bayern-Mannschaftsbus. © MAN
MAN
Sicherlich wichtig: die Steckdosen unter den Sitzen. Diesen Anblick gibt es ansonsten normalerweise nur für die Spieler und das engste Umfeld des FC Bayern. © MAN
FCB-Bus
Die Fans hingegen können höchstens mal einen Blick von außen auf den Bus erhaschen. © MAN
FCB-Bus
Für lange Reisen ist an komfortable Sitze gedacht. © MAN
FCB-Bus
Diese weisen ein spezielles Detail auf: „Mia san mia“ ist darauf zu lesen, das Selbstverständnis des FC Bayern. Es gibt übrigens noch etwas zu entdecken an den Sitzlehnen – mehr dazu später. © MAN
Mannschaftsbus
Bevor wir den Rundgang innen fortsetzen, noch ein Foto von außen – und mehrere Bilder, die Stars am Mannschaftsbus zeigen. © MAN
Hier steigt Jamal Musiala hochkonzentriert aus dem FC-Bayern-Bus
Hier steigt Jamal Musiala hochkonzentriert aus dem FC-Bayern-Bus. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Und hier Eric Dier
Und hier Eric Dier. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Sicher gesteuert: der FC-Bayern-Bus von vorn
Sicher gesteuert: der FC-Bayern-Bus von vorn. © IMAGO/Mladen Lackovic
Klar, das auch eine Menge Gepäck Platz haben muss im FC-Bayern-Bus
Klar, das auch eine Menge Gepäck Platz haben muss im FC-Bayern-Bus. © MAN
Wenn der FC-Bayern-Bus irgendwo zu sehen ist wie hier an der Allianz Arena, dann herrscht natürlich große Neugier
Wenn der FC-Bayern-Bus irgendwo zu sehen ist wie hier an der Allianz Arena, dann herrscht natürlich große Neugier. © IMAGO/Eibner-Pressefoto
Real-Madrid-Gefährt
Das haben aber Mannschaftsbusse so an sich: Das Foto zeigt Fans vorm Real-Madrid-Gefährt, als die Königlichen im April 2024 in der Allianz Arena gastierten. © IMAGO/Ulrich Wagner
Vincent Kompany
Jetzt aber zurück zum Münchner Bus: FC-Bayern-Trainer Vincent Kompany dürfte sich auch längst daran gewöhnt haben. © ActionPictures/IMAGO
Natürlich zählt auch eine Küche zur Ausstattung. Hier können mutmaßlich zum Beispiel Kaffee oder Snacks zubereitet werden
Zurück in den Innenraum: Natürlich zählt auch eine Küche zur Ausstattung. Hier können mutmaßlich zum Beispiel Kaffee oder Snacks zubereitet werden. © MAN
FC-Bayern-Mannschaftsbus
Was genau hier zubereitet wird, ist nicht überliefert. Und auch nicht, ob die Ausstattung inzwischen etwas anders aussieht. Die Fotos wurden uns von MAN übermittelt und sind wohl schon einige Monate alt. © MAN
FC-Bayern
Dieses Detail gibt‘s aber sicher noch. Und da lehnt man sich als FC-Bayern-Star doch gerne zurück. Nach einem Sieg umso mehr. © MAN
Da würde man als Fan nur zu gerne mal mitreisen
Man kann sich gut vorstellen, wie die Stars hier sich unterhalten, an ihren Handy tippen oder vielleicht auch ganz oldschool Karten spielen. © MAN
Da würde man als Fan nur zu gerne mal mitreisen
Da würde man als Fan nur zu gerne mal mitreisen. © ActionPictures/IMAGO
Ein Archivfoto von Leroy Sané am Bus
Ein Archivfoto von Leroy Sané am Bus. © IMAGO/Ulrich Wagner
Leon Goretzka
Abklatschen mit den Fans: Am Bus hat man manchmal die Chance, Stars wie Leon Goretzka ganz nah zu kommen. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Harry Kane
Oder auch Harry Kane. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Wiesnbesuch des FC Bayern München
Ein besonders schönes Foto: der Bus beim Wiesn-Besuch des FC Bayern 2023. © Wolfgang Maria Weber / IMAGO
FC Bayern ist bekanntlich mit MAN unterwegs
Der FC Bayern ist bekanntlich mit MAN unterwegs. Die Zusammenarbeit wurde bis 2027 ausgedeht. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Heike Feiner
Allzeit gute Reise
Allzeit gute Reise! © IMAGO/Ulrich Wagner

Hätte Müller auf viel Geld verzichtet?

Ebenso signalisierte Müller nicht deutlich genug, dass er von seinem Jahresgehalt von rund 17 Millionen Euro deutlich heruntergehen würde. Hätte der Multimillionär auch für fünf Millionen Euro Jahresgehalt beim FC Bayern gespielt?

Denn dann wäre es auch ein lohnendes Geschäft für die Münchner gewesen. Ein Müller-Abschiedstrikot, das sich von Peking bis Bad Reichenhall über eine Saison hunderttausende Mal verkauft, hätte das niedrigere Gehalt von Müller locker eingespielt.

Hinzu kommt: Müller hätte auch sportlich noch mehr betonen können, dass er mit relativ wenigen Einsatzminuten zurechtkomme und keinen Ärger bereite. Für Einwechslungen bei hohen Führungen wäre Müller sicherlich auch in der kommenden Saison noch vermarktbar gewesen.

Hamann stellt Theorie zu zögerlichem Müller auf

Warum Müller nicht in aller Deutlichkeit frühzeitig intern wie öffentlich klargemacht hat, dass er noch ein Jahr beim FC Bayern spielen will, bleibt seine Verantwortung.

In diesem Zusammenhang hat Experte Dietmar Hamann eine These aufgestellt, die sinngemäß wie folgt lautet: Müller habe gemeinsam mit seinem Berater, dem Ex-Bayern-Profi Ludwig Kögl, bewusst lange im Vertragspoker abgewartet nach dem Motto: Je knapper die Zeit für die Bayern-Bosse hin zur neuen Saison wird, desto eher fühlen sich die Verantwortlichen dazu gezwungen, Müller doch einen neuen Vertrag zu geben.

Im Ergebnis bleibt: Der „Raumdeuter“ Thomas Müller hat sich kurz vor dem Ende seiner Karriere verzockt. Das ist für ihn schmerzlich, aber auch für viele Fans des FC Bayern.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul

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