VonAdrian Kühnelschließen
Jamal Musiala und Florian Wirtz spielen beide auf der gleichen Position. Warum ein Zusammenspiel beim FC Bayern trotzdem denkbar wäre.
München – Der FC Bayern will den 2026 auslaufenden Vertrag mit Jamal Musiala bis 2030 verlängern. „Musiala soll eine Ära prägen“, ließ Sportvorstand Max Eberl im vergangenen Dezember bei Blickpunkt-Sport verlauten. Doch Musiala soll diese Ära nicht allein prägen. Wenn Ehrenpräsident Uli Hoeneß einen Wunsch freihätte, „dann würde ich mir Florian Wirtz zum FC Bayern wünschen“, sagte der langjährige Bayern-Patron unlängst dem kicker.
Matthäus rät Wirtz von Wechsel zum FC Bayern ab
So schön die Vorstellung für die Verantwortlichen des FC Bayern auch sein mag, Musiala und Wirtz gemeinsam als Teamkollegen in der Allianz-Arena auflaufen zu sehen, so gibt es an diesem Szenario auch prominente Zweifler. „Ich glaube, dass Wirtz und Musiala gut beraten sind, wenn sie vielleicht nicht tagtäglich zusammenspielen“, so Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zuletzt bei Sky90.
„Ich glaube, dass es für beide besser ist, dass jeder einzeln in einer Mannschaft spielt, wo er noch mehr glänzen kann, als miteinander“, teilte Matthäus mit. Beim DFB-Team spielen Musiala und Wirtz derweil schon zusammen. „In der Nationalmannschaft hast du zehn Spiele im Jahr, da funktioniert es“, begründete Matthäus knapp.
So löst Nagelsmann das vermeintliche Problem beim DFB
Das vermeintliche Problem bei Musiala und Wirtz: Beide sind auf der Zehnerposition, also im zentralen offensiven Mittelfeld, beheimatet und laufen dort in aller Regel bei ihren Klubs auf. Bundestrainer Julian Nagelsmann lässt in der Nationalmannschaft bevorzugt im 4-2-3-1 spielen, sodass im Zentrum nur Platz für einen ist, Musiala, Wirtz oder gar beide auf den Flügel ausweichen „müssen“.
Dass das funktionieren kann, hat sich bereits bewährt. Beispielsweise im Frühjahr 2024 beim 2:0-Testspielsieg gegen Frankreich. Musiala spielte Rechtsaußen, Wirtz Linksaußen. Gemeinsam mit dem inzwischen zurückgetretenen İlkay Gündoğan habe man auf den Positionen rotiert, sagte Musiala anschließend: „Eigentlich haben wir mit drei Zehnern gespielt, haben immer wieder geschaut, wo Räume sind.“
Auch beim 5:0 gegen Ungarn in der Nations League im vergangenen September brillierten Musiala als Linksaußen und Wirtz als Rechtsaußen, beide steuerten je einen Treffer bei; Kai Havertz startete neben beiden im Zentrum hinter der Sturmspitze. Nagelsmann setzt beim DFB auf Variabilität. Wenn Musiala und Wirtz gemeinsam zum Zug kommen, sind sie in ihren Positionen keineswegs festgefahren.
Nagelsmann kann sich Musiala und Wirtz beim selben Klub vorstellen
Während Matthäus äußerte, dass bei Musiala und Wirtz die Gefahr besteht, dass einer in den Schatten des anderen gerät, sagte Nagelsmann: „Was ich beiden hoch anrechne: Sie sind 0,0 egoistisch in ihrem Spiel.“
Er habe „bei keinem das Gefühl, dass er abheben könnte oder die Bodenhaftung verliert oder eben nicht mehr so viel arbeitet“, so der Bundestrainer, der sowohl Musiala als auch Wirtz als „extrem fleißig“ bezeichnete. Beide zusammen in einem Verein zu sehen, könne er sich „schon vorstellen“, so Nagelsmann.
Kompany lässt wie Nagelsmann im 4-2-3-1 spielen
Bayern-Cheftrainer Vincent Kompany lässt wie Nagelsmann zumeist in einem 4-2-3-1 spielen. Kompany müsste sich als nur von Nagelsmann abschauen, wie es mit Musiala und Wirtz gemeinsam zu lösen wäre.
Das Fragezeichen, das sich jedoch in München derzeit stellt: Wer wäre der dritte Profi im Trio? Um Serge Gnabry und Kingsley Coman (Vertrag jeweils gültig bis 2026) halten sich Wechselgerüchte. Ob der im Juni 2025 auslaufende Vertrag von Leroy Sané verlängert wird, bleibt ungewiss. Thomas Müller, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, könnte derweil seine Karriere beenden.
Als wahrscheinlichster Partner eines Trios mit Musiala und Wirtz erscheint gegenwärtig Michael Olise. Der Vorteil des Franzosen: Neben dem rechten Flügel kann er die Zehnerposition bekleiden.
Wie entscheidet sich Wirtz?
Noch ist aber vieles offen, zumal Wirtz, dessen Vertrag bei Bayer 04 Leverkusen noch bis 2027 gültig ist, wohl noch keine Entscheidung darüber getroffen hat, wo er künftig spielen möchte. Ex-Bayern-Profi Markus Babbel meint im Interview mit fussball.news/absolutfussball, dem Fußball-Portal von IPPEN.MEDIA, dass Wirtz ohnehin bis mindestens 2026 in Leverkusen bleiben sollte.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie der FC Bayern Wirtz, dessen Ablöse bei einem Wechsel auf rund 150 Millionen Euro taxiert wird, finanzieren könnte.
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