Bundestrainer baut um

Nagelsmann baut neu auf seinen bewährten Heilsbringer

  • schließen

Zum WM-Quali-Start trifft Deutschland auf die Slowakei. Nagelsmann strukturiert wohl sein System neu – was einen Star noch relevanter für das Team macht.

Herzogenaurach/München – Das Wetter hatte wenig spätsommerliches. Beim ersten Training der deutschen Nationalmannschaft am Dienstagvormittag (2. September) im Basecamp in Herzogenaurach lagen eher schon Herbst-Vibes in der Luft. Regen und kühlgraue 16 Grad schenkte der Wettergott den DFB-Stars und den angereisten Reportern.

Julian Nagelsmann setzt auf Joshua Kimmich im Mittelfeld – endlich.

Nicht so wild, denn viel Einblick bekam man sowieso nicht beim für 15 Minuten öffentlichen Training. Viel mehr Möglichkeiten hat Bundestrainer Julian Nagelsmann allerdings auch nicht mehr, denn am Mittwochvormittag findet bereits das Abschlusstraining statt, ehe es nach Bratislava geht, wo am Donnerstagabend das erste WM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf gegen die Slowakei (TV-Infos hier) stattfindet.

Nagelsmann baut neu auf seinen bewährten Heilsbringer

Wenig Zeit also! So schauten die Journalisten durchaus gespannt auf Joshua Kimmich, der ja im DFB-Team nun endlich wieder auf seiner so geliebten Position auf der Sechs zum Einsatz kommen wird. Nagelsmann verkündete dies vor einigen Wochen auf einem Trainertermin und überraschte damit nicht wenige Experten.

Kimmich darf also nun dort ran, wo er unter Vincent Kompany in der vergangenen Spielzeit wieder konstant starke Leistungen abrief. Zwar sind die Alternativen auf der Position des Rechtsverteidigers zumindest nicht quantitativ hoch, aber mit Youngster Nnamdi Collins von Eintracht Frankfurt immerhin vorhanden. Das war ja immer das Credo des Bundestrainers.

WM 2026: In diesen Stadien wird bei der Mega-Weltmeisterschaft gespielt

Vancouver/Kanada: BC Place Stadium. Kapazität: 21 000-54 320.
Vancouver/Kanada: BC Place Stadium. Kapazität: 21.000-54.320. © IMAGO/Anne-Marie Sorvin
Monterrey/Mexiko: Estadio BBVA Bancomer. Kapazität: 51.000.
Monterrey/Mexiko: Estadio BBVA Bancomer. Kapazität: 51.000. © IMAGO/Jorge Martinez
Guadalajara/Mexiko: Estadio Akron. Kapazität: 45.500.
Guadalajara/Mexiko: Estadio Akron. Kapazität: 45.500.  © IMAGO/Carlos Zepeda
Toronto/Kanada: BMO Field. Kapazität: 30.991.
Toronto/Kanada: BMO Field. Kapazität: 30.991. © IMAGO/Tom Szczerbowski
Seattle: Lumen Field. Kapazität: 67.000.
Seattle: Lumen Field. Kapazität: 67.000.  © IMAGO/Joe Nicholson
Mexiko City/Mexiko: Aztekenstadion. Kapazität: 81.070.
Mexiko City/Mexiko: Aztekenstadion. Kapazität: 81.070. © imago sportfotodienst
Miami: Hard Rock Stadium. Kapazität: 65.326.
Miami: Hard Rock Stadium. Kapazität: 65.326. © IMAGO/Jasen Vinlove
San Francisco: Levi‘s Stadium. Kapazität: 68.500.
San Francisco: Levi‘s Stadium. Kapazität: 68.500.  © Douglas Stringer/Icon Sportswire via www.imago-images.de
Philadelphia: Lincoln Financial Field. Kapazität: 69.176.
Philadelphia: Lincoln Financial Field. Kapazität: 69.176. © IMAGO/Andy Lewis/Icon Sportswire
Dallas: A&T-Stadium. Kapazität: 80.000 bis 108.713
Dallas: A&T-Stadium. Kapazität: 80.000 bis 108.713 © Imago/Robin Alam/Icon Sportswire
New York/ New Jersey: MetLife Stadium. Kapazität: 82.500.
New York/ New Jersey: MetLife Stadium. Kapazität: 82.500. © IMAGO/Dennis Schneidler
Los Angeles: SoFi Stadium. Kapazität: 70.270 bis 100.240
Los Angeles: SoFi Stadium. Kapazität: 70.270 bis 100.240 © IMAGO/Kirby Lee
Kansas City: Arrowhead Stadium. Kapazität: 76.416
Kansas City: Arrowhead Stadium. Kapazität: 76.416 © Imago/Robin Alam/Icon Sportswire
Houston: NRG Stadium. Kapazität: 71.500
Houston: NRG Stadium. Kapazität: 71.500 © Imago/John Glaser
Boston: Gilette Stadium. Kapazität: 68.756.
Boston: Gilette Stadium. Kapazität: 68.756. © IMAGO/Marc Schueler
Atlanta: Mercedes-Benz Stadium. Kapazität: 71.000
Atlanta: Mercedes-Benz Stadium. Kapazität: 71.000  © Imago/ Cecil Copeland

Zur Erinnerung: Kimmich war bei den Playoffs in der Nations League gegen Italien an allen fünf Toren direkt beteiligt – wohlgemerkt als Rechtsverteidiger. Daran sollte sich Collins jetzt nicht zwingend orientieren, es zeigt aber, welch wichtigen Einfluss der DFB-Kapitän auf das Spiel von Nagelmann hat.

Dieser dürfte auf der Position im zentralen Mittelfeld nicht weniger werden – viel mehr ist Kimmich dort der neue, alte Heilsbringer. Karim Adeyemi verriet am Dienstagmittag bei der Presserunde in Herzogenaurach, dass der Bundestrainer seiner Mannschaft wieder mehr Dominanz einimpfen will. Diese hatte in den vergangenen vier Partien phasenweise bis meist gefehlt und soll mit Kimmich nun wieder kommen.

Hatte die DFB-Elf gegen Italien im Rückspiel eine überragenden erste Hälfte gezeigt, so verlor sie im zweite Durchgang komplett den Faden. Beim Final Four gegen Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) war die gewünschte Dominanz dann nur – wenn überhaupt – minutenweise sichtbar. Daher rückt Kimmich nun ins Zentrum: als Herzstück, Anführer und Metronom der DFB-Elf.

„Er hat brutale Qualitäten auf der Sechs, die uns helfen werden“, sagte Jonathan Tah ebenfalls in der Medienrunde am Dienstagmittag und präzisierte: „Tempo ins Spiel bringen, Tempo rausnehmen, das macht er brutal gut und schon über Jahre bei Bayern – das wird uns helfen.“

Kimmich und seine neue, alte Rolle im Nationalteam

Gut möglich, dass der Bundestrainer dafür sogar einen Systemwechsel vollführt. Zumindest war der Dreieraufbau mit Kimmich bei der kurzen Trainingseinheit zu erkennen. Auch beim FC Bayern unter Kompany fungiert der 30-Jährige bei der Spieleröffnung meist als ein Teil einer sich bildenden Dreierkette., wodurch die Außenverteidiger extrem hoch agieren.

Kimmich könnte unter Nagelsmann eine Art Quarterback geben, dafür dürfte Leon Goretzka den offensiveren Part im zentralen Mittelfeld übernehmen. Von dieser Position kommt der frühere Schalker ursprünglich, vollzog unter Kompany in München aber eher die Metamorphose zum grätschenden Sechser. Bei Nagelsmann könnte er wieder der Box-to-Box-Player werden.

Joshua Kimmich soll wieder das Herzstück der deutschen Nationalmannschaft werden.

Wie wichtig Kimmich für Nagelsmann sein kann, zeigt sein Stellenwert bei Kompany in München, wo er die Mannschaft im Pressing, Gegenpressing und allgemeines Defensivverhalten anführt. Diese Dominanz will auch der Bundestrainer in seinem Spiel – und braucht dafür offenbar Kimmich.

Wie genau das deutsche System im ersten WM-Qualispiel aussehen wird, sieht man erst am Donnerstagabend um 20.45 Uhr, wenn die Partie im Národný futbalový štadión angepfiffen wird. Immerhin der Wetterbericht lässt noch einmal auf Spätsommer hoffen – für Donnerstag sind in Bratislava 26 Grad und Sonnenschein vorhergesagt. (smk)

Aus dem Basecamp in Herzogenaurach berichtet Florian Schimak

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ulrich Hufnagel

Kommentare