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Zum WM-Quali-Start trifft Deutschland auf die Slowakei. Nagelsmann strukturiert wohl sein System neu – was einen Star noch relevanter für das Team macht.
Herzogenaurach/München – Das Wetter hatte wenig spätsommerliches. Beim ersten Training der deutschen Nationalmannschaft am Dienstagvormittag (2. September) im Basecamp in Herzogenaurach lagen eher schon Herbst-Vibes in der Luft. Regen und kühlgraue 16 Grad schenkte der Wettergott den DFB-Stars und den angereisten Reportern.
Nicht so wild, denn viel Einblick bekam man sowieso nicht beim für 15 Minuten öffentlichen Training. Viel mehr Möglichkeiten hat Bundestrainer Julian Nagelsmann allerdings auch nicht mehr, denn am Mittwochvormittag findet bereits das Abschlusstraining statt, ehe es nach Bratislava geht, wo am Donnerstagabend das erste WM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf gegen die Slowakei (TV-Infos hier) stattfindet.
Nagelsmann baut neu auf seinen bewährten Heilsbringer
Wenig Zeit also! So schauten die Journalisten durchaus gespannt auf Joshua Kimmich, der ja im DFB-Team nun endlich wieder auf seiner so geliebten Position auf der Sechs zum Einsatz kommen wird. Nagelsmann verkündete dies vor einigen Wochen auf einem Trainertermin und überraschte damit nicht wenige Experten.
Kimmich darf also nun dort ran, wo er unter Vincent Kompany in der vergangenen Spielzeit wieder konstant starke Leistungen abrief. Zwar sind die Alternativen auf der Position des Rechtsverteidigers zumindest nicht quantitativ hoch, aber mit Youngster Nnamdi Collins von Eintracht Frankfurt immerhin vorhanden. Das war ja immer das Credo des Bundestrainers.
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Zur Erinnerung: Kimmich war bei den Playoffs in der Nations League gegen Italien an allen fünf Toren direkt beteiligt – wohlgemerkt als Rechtsverteidiger. Daran sollte sich Collins jetzt nicht zwingend orientieren, es zeigt aber, welch wichtigen Einfluss der DFB-Kapitän auf das Spiel von Nagelmann hat.
Dieser dürfte auf der Position im zentralen Mittelfeld nicht weniger werden – viel mehr ist Kimmich dort der neue, alte Heilsbringer. Karim Adeyemi verriet am Dienstagmittag bei der Presserunde in Herzogenaurach, dass der Bundestrainer seiner Mannschaft wieder mehr Dominanz einimpfen will. Diese hatte in den vergangenen vier Partien phasenweise bis meist gefehlt und soll mit Kimmich nun wieder kommen.
Hatte die DFB-Elf gegen Italien im Rückspiel eine überragenden erste Hälfte gezeigt, so verlor sie im zweite Durchgang komplett den Faden. Beim Final Four gegen Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) war die gewünschte Dominanz dann nur – wenn überhaupt – minutenweise sichtbar. Daher rückt Kimmich nun ins Zentrum: als Herzstück, Anführer und Metronom der DFB-Elf.
„Er hat brutale Qualitäten auf der Sechs, die uns helfen werden“, sagte Jonathan Tah ebenfalls in der Medienrunde am Dienstagmittag und präzisierte: „Tempo ins Spiel bringen, Tempo rausnehmen, das macht er brutal gut und schon über Jahre bei Bayern – das wird uns helfen.“
Kimmich und seine neue, alte Rolle im Nationalteam
Gut möglich, dass der Bundestrainer dafür sogar einen Systemwechsel vollführt. Zumindest war der Dreieraufbau mit Kimmich bei der kurzen Trainingseinheit zu erkennen. Auch beim FC Bayern unter Kompany fungiert der 30-Jährige bei der Spieleröffnung meist als ein Teil einer sich bildenden Dreierkette., wodurch die Außenverteidiger extrem hoch agieren.
Kimmich könnte unter Nagelsmann eine Art Quarterback geben, dafür dürfte Leon Goretzka den offensiveren Part im zentralen Mittelfeld übernehmen. Von dieser Position kommt der frühere Schalker ursprünglich, vollzog unter Kompany in München aber eher die Metamorphose zum grätschenden Sechser. Bei Nagelsmann könnte er wieder der Box-to-Box-Player werden.
Wie wichtig Kimmich für Nagelsmann sein kann, zeigt sein Stellenwert bei Kompany in München, wo er die Mannschaft im Pressing, Gegenpressing und allgemeines Defensivverhalten anführt. Diese Dominanz will auch der Bundestrainer in seinem Spiel – und braucht dafür offenbar Kimmich.
Wie genau das deutsche System im ersten WM-Qualispiel aussehen wird, sieht man erst am Donnerstagabend um 20.45 Uhr, wenn die Partie im Národný futbalový štadión angepfiffen wird. Immerhin der Wetterbericht lässt noch einmal auf Spätsommer hoffen – für Donnerstag sind in Bratislava 26 Grad und Sonnenschein vorhergesagt. (smk)
Aus dem Basecamp in Herzogenaurach berichtet Florian Schimak
Rubriklistenbild: © IMAGO/Ulrich Hufnagel


