Nagelsmann überrascht mit Rückholaktion von „selbstlosem“ Groß
VonFlorian Puth
schließen
Pascal Groß kehrt zur Nationalmannschaft zurück. Bundestrainer Julian Nagelsmann liefert eine offene und vielsagende Erklärung.
Julian Nagelsmann hat Pascal Groß für die Länderspiele gegen die Schweiz am 27. März und Ghana am 30. März nominiert (hier zum gesamten DFB-Kader) – und damit viele überrascht. Der 34-jährige Brighton-Profi gehört nicht zur ersten Elf der Nationalmannschaft. Doch der Bundestrainer macht keinen Hehl daraus, warum er ihn dennoch dabei haben will: „Er ist einfach insgesamt sehr, sehr selbstlos“, sagt Nagelsmann über Groß.
Nagelsmann lobt nicht Tore, nicht Assists, nicht Zweikampfquoten. Er lobt einen Charakter. Brighton-Trainer Fabian Hürzeler habe es einmal treffend auf den Punkt gebracht, zitiert Nagelsmann seinen Kollegen: „Er macht andere Spieler besser.“ Groß überzeuge durch Fleiß und Bewegung, nicht durch spektakuläre Einzelaktionen. Vor allem aber sei er eine Brücke im Mannschaftsgefüge. „Er ist ein verlängerter Arm des Trainers“, sagt Nagelsmann. „Egal ob er null oder 90 Minuten spielt.“
Bundestrainer Julian Nagelsmann lobt Ex-BVB-Star Groß in höchsten Tönen
Dass Groß diese Rolle ausfüllen kann, liegt laut Nagelsmann auch an seiner sozialen Kompetenz. Der Mittelfeldspieler pflege einen guten Draht zu Deniz Undav, Antonio Rüdiger und Jonathan Tah – Spielerpersönlichkeiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. „Er kann mit allen Spielern, egal, wie die ticken“, sagt Nagelsmann. Groß erkenne, wenn ein Mitspieler unzufrieden werde, und spreche ihn an.
Schon bei der EM habe er Momente gehabt, in denen er mehr Spielzeit gewollt hätte. Am Ende stellte er stets die Mannschaft voran. Wer nun glaubt, die Nominierung sei ein Vorgriff auf die WM, irrt. Nagelsmann stellt das klar: „Das ist kein Freifahrtschein Richtung WM, weil er weiterhin spielen muss.“ Groß gehöre zu jenen Kaderspielern, die nicht zur ersten Elf zählen – und dennoch unverzichtbar sein könnten. „Weil er einfach ein toller Mensch ist“, so der Bundestrainer.
Diese deutschen Nationalspieler feierten ihr Debüt unter Julian Nagelsmann
Groß selbst hatte seinen WM-Traum bereits im März offen kommuniziert. „Jeder weiß natürlich, dass es mein großer Traum ist“, sagte er gegenüber Sky Sport. Der Wechsel von Borussia Dortmund zu Brighton im Winter war auch ein Schritt mit Blick auf diesen Traum. Die 18 Monate beim BVB beschreibt Groß als etwas Besonderes: „Für Dortmund zu spielen, war für mich etwas ganz Besonderes.“ Nun aber blickt er nach vorne. In Brighton spielt er jedes Spiel, fühlt sich wohl – privat wie sportlich.
„Ich probiere einfach, gut zu performen. Ich spiele hier, fühle mich gut, fühle mich sehr fit – und dann lasse ich mich überraschen.“ Den Draht zu Nagelsmann habe er nie verloren. „Der ist auch nie abgebrochen“, betonte Groß. Mit Groß’ Rückkehr in den DFB-Kader sendet Nagelsmann ein Signal, das über Groß hinausgeht: Im deutschen Fußball zählt Charakter. (fpt)