ARD-Expertin rechnet mit DFB-Auftritt bei Frauen-WM ab
VonChristoph Klaucke
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Die deutsche Nationalmannschaft scheitert bei der Frauen-WM nach der Gruppenphase. ARD-Expertin Nia Künzer stellt dem DFB ein katastrophales Zeugnis aus.
Köln – Deutschland musste bei der Frauen-WM in Australien und Neuseeland schon nach der Vorrunde die Koffer packen. Das 1:1 im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea war am Ende zu wenig zum Weiterkommen – das historisch erste WM-Aus der deutschen Frauen-Nationalmannschaft nach der Gruppenphase war besiegelt. ARD-Expertin Nia Künzer ist vom DFB-Auftritt in Down Under auch mehrere Tage nach dem K.o. fassungslos und legt den Finger in die Wunde.
Nia Tsholofelo Künzer
Geboren:
18. Januar 1980 (Alter 43 Jahre), Mochudi, Botsuana
Tätigkeit:
ARD-Expertin der Frauen-WM
Größter Erfolg:
Weltmeister 2003
Länderspiele:
34 (2 Tore)
Blamage bei Frauen-WM: Ex-Nationalspielerin Nia Künzer attackiert DFB-Präsident
Obwohl die DFB-Frauen bei der Weltmeisterschaft 2023 bereits frühzeitig gescheitert sind, sprach Präsident Bernd Neuendorf der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg unmittelbar das Vertrauen aus. Eine unnötige und vorschnelle Reaktion aus Sicht von Nia Künzer, die für die ARD die WM als Expertin analysiert.
„Für mich war das widersprüchlich. Es gab eigentlich keine Notwendigkeit, so schnell schon Fakten zu schaffen“, sagte die TV-Expertin in der ARD über die Aussagen von Neuendorf, der noch vor der Rückkehr des deutschen Teams gesagt hatte, man dürfe nicht alles infrage stellen. Die Bundestrainerin hatte nach der Blamage gegen Südkorea und dem WM-Aus eine Aufarbeitung angekündigt und ihre eigene Zukunft offen gelassen, mittlerweile hat Voss-Tecklenburg aber eine Zukunfts-Entscheidung getroffen und hört dabei auf ihren Mann.
ARD-Expertin rechnet knallhart mit DFB-Auftritt bei Frauen-WM ab
„Für mich ist die Frage, was mit den Ergebnissen einer Analyse ist, was die Konsequenzen gewesen wären“, sagte Künzer. Es sei „maximal unglücklich“, dass Neuendorf nicht vor Ort gewesen sei. „Ich hoffe, dass die Aufarbeitung trotzdem ergebnis- und lösungsorientiert ist und nicht nur im internen Kreis stattfindet.“ Die Auftritte des deutschen Teams beim Turnier in Australien und Neuseeland sieht Künzer kritisch.
„Viele sprechen davon, dass es keinen Plan B gab. Mir kam es eher so vor, als hätte es keinen Plan A gegeben“, sagte die Weltmeisterin von 2003, die im Finale gegen Schweden zehn Minuten nach ihrer Einwechslung in der Verlängerung das Golden Goal erzielt hatte. Die Qualität des Teams hätte aus ihrer Sicht „zumindest für das Achtelfinale“ reichen müssen. Der Auswahl habe es auch an Persönlichkeiten gefehlt. „Ich habe keine Spielerin gesehen, die kontinuierlich vorangeht, bis auf Alex Popp“, ergänzte sie mit Blick auf die Kapitänin.
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Frauen-WM: ARD-Expertin Nia Künzer bemängelt beim DFB die „gleichen Reflexe“
Man sehe beim Deutschen Fußball-Bund momentan als Reaktion auf den Misserfolg die „gleichen Reflexe“, sagte die 43-Jährige. Auch bei der Männer-Nationalmannschaft durfte Bundestrainer Hansi Flick nach dem Vorrunden-Aus bei der WM weitermachen. Die Analyse müsse sich nun auf das Turnier konzentrieren. „Das große Ganze – bis hin zur Ausbildung und den Strukturen beim DFB – hätte auch schon vorher passieren können.“ Der DFB scheint nur noch ein Schatten früherer Tage zu sein.
Von Voss-Tecklenburg und ihrem Team erwartet die Ex-Nationalspielerin nun eine schnelle Reaktion auf das Scheitern. „Die Zeit ist knapp und man muss liefern“, sagte Künzer mit Blick auf die im September anstehenden Länderspiele in der Nations League gegen Dänemark und Island. Dann geht es für die deutschen Fußballerinnen schon um das Olympia-Ticket. (ck/dpa)