Debakel bei Weltmeisterschaft

ARD-Expertin rechnet mit DFB-Auftritt bei Frauen-WM ab

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Die deutsche Nationalmannschaft scheitert bei der Frauen-WM nach der Gruppenphase. ARD-Expertin Nia Künzer stellt dem DFB ein katastrophales Zeugnis aus.

Köln – Deutschland musste bei der Frauen-WM in Australien und Neuseeland schon nach der Vorrunde die Koffer packen. Das 1:1 im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea war am Ende zu wenig zum Weiterkommen – das historisch erste WM-Aus der deutschen Frauen-Nationalmannschaft nach der Gruppenphase war besiegelt. ARD-Expertin Nia Künzer ist vom DFB-Auftritt in Down Under auch mehrere Tage nach dem K.o. fassungslos und legt den Finger in die Wunde.

Nia Tsholofelo Künzer
Geboren:18. Januar 1980 (Alter 43 Jahre), Mochudi, Botsuana
Tätigkeit:ARD-Expertin der Frauen-WM
Größter Erfolg:Weltmeister 2003
Länderspiele:34 (2 Tore)

Blamage bei Frauen-WM: Ex-Nationalspielerin Nia Künzer attackiert DFB-Präsident

Obwohl die DFB-Frauen bei der Weltmeisterschaft 2023 bereits frühzeitig gescheitert sind, sprach Präsident Bernd Neuendorf der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg unmittelbar das Vertrauen aus. Eine unnötige und vorschnelle Reaktion aus Sicht von Nia Künzer, die für die ARD die WM als Expertin analysiert.

„Für mich war das widersprüchlich. Es gab eigentlich keine Notwendigkeit, so schnell schon Fakten zu schaffen“, sagte die TV-Expertin in der ARD über die Aussagen von Neuendorf, der noch vor der Rückkehr des deutschen Teams gesagt hatte, man dürfe nicht alles infrage stellen. Die Bundestrainerin hatte nach der Blamage gegen Südkorea und dem WM-Aus eine Aufarbeitung angekündigt und ihre eigene Zukunft offen gelassen, mittlerweile hat Voss-Tecklenburg aber eine Zukunfts-Entscheidung getroffen und hört dabei auf ihren Mann.

ARD-Expertin Nia Künzer kritisiert den DFB nach dem Aus bei der Frauen-WM.

ARD-Expertin rechnet knallhart mit DFB-Auftritt bei Frauen-WM ab

„Für mich ist die Frage, was mit den Ergebnissen einer Analyse ist, was die Konsequenzen gewesen wären“, sagte Künzer. Es sei „maximal unglücklich“, dass Neuendorf nicht vor Ort gewesen sei. „Ich hoffe, dass die Aufarbeitung trotzdem ergebnis- und lösungsorientiert ist und nicht nur im internen Kreis stattfindet.“ Die Auftritte des deutschen Teams beim Turnier in Australien und Neuseeland sieht Künzer kritisch.

„Viele sprechen davon, dass es keinen Plan B gab. Mir kam es eher so vor, als hätte es keinen Plan A gegeben“, sagte die Weltmeisterin von 2003, die im Finale gegen Schweden zehn Minuten nach ihrer Einwechslung in der Verlängerung das Golden Goal erzielt hatte. Die Qualität des Teams hätte aus ihrer Sicht „zumindest für das Achtelfinale“ reichen müssen. Der Auswahl habe es auch an Persönlichkeiten gefehlt. „Ich habe keine Spielerin gesehen, die kontinuierlich vorangeht, bis auf Alex Popp“, ergänzte sie mit Blick auf die Kapitänin.

Werdende Mutter, Zahlen-Genie, Babysitter im Quartier: Deutschlands WM-Frauen im Überblick

Ann-Katrin Berger beim Deutschland-Spiel gegen Brasilien
Ann-Katrin Berger, Torhüterin, FC Chelsea: Lernte ihre Freundin, die zuvor ihre WG-Mitbewohnerin war, während ihrer Zeit beim Londoner Top-Klub kennen. Kehrte bereits zwei Mal nach einer Krebsdiagnose auf den Platz zurück. © Imago / ActionPictures
Merle Frohms im Training der DFB-Frauen
Merle Frohms, Torhüterin, VfL Wolfsburg. Geht als deutsche Nummer eins in die WM. Hat neben ihrer Karriere als Fußballerin ein Studium in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Stina Johannes beim Training der DFB-Frauen
Stina Johannes, Torhüterin, Eintracht Frankfurt. Kickte vor ihrem Engagement bei der SGE für drei Monate in Japan. Absolviert ein Bachelor-Studium der Mathematik. Als einzige Nominierte noch ohne Länderspiel. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sara Doorsoun beim Training der DFB-Frauen
Sara Doorsoun, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Teilt sich bei der WM ein Zimmer mit Torhüterin Merle Frohms. Engagiert sich für das soziale Projekt „Scoring Girls“ der ehemaligen Bundesliga-Spielerin Tugba Tekkal, das in Berlin, Köln und im Nord-Irak Bildungs- und Sportprogramme für Mädchen und junge Frauen bereitstellt und fördert. © IMAGO/DEAN LEWINS
Chantal Hagel beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Chantal Hagel, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Absolvierte keine einzige Partie für eine Junioren-Nationalmannschaft. Verfügt über ein abgeschlossenes Grundschullehramt-Studium. © IMAGO/Laci Perenyi
Marina Hegering beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Marina Hegering, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde einst mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Arbeitete während einer langen Verletzungspause als Kauffrau in einem Bauunternehmen. © IMAGO/Laci Perenyi
Kathrin Hendrich beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Kathrin Hendrich, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde 1992 im belgischen Eupen geboren. Bruder Markus ist als Moderator und Stand-Up-Comedian tätig. Freund Sebastian Griesbeck steht aktuell bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag. © IMAGO/Laci Perenyi
Sophia Kleinherne gibt nach einem Training der DFB-Frauen Autogramme
Sophia Kleinherne, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Befindet sich in einem Fernstudium im Bereich Sportmanagement. Bundeswehr-Soldatin mit dem Rang einer Hauptgefreiten. Bruder Lukas ist in der Bezirksliga aktiv. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sjoeke Nüsken beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Sjoeke Nüsken, Verteidigerin, FC Chelsea. War Teil der DFB-Auswahl, die vor sechs Jahren die U17-EM gewann. Wurde im Alter von neun und zehn Jahren deutsche Meisterin im Tennis. Schwester Hjördis war ebenfalls Junioren-Nationalspielerin. © IMAGO/Revierfoto
Felicitas Rauch beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Felicitas Rauch, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Teilte sich in Wolfsburg eine Wohnung mit Pia Wolter, die unmittelbar vor der WM zu Eintracht Frankfurt ging. Eines der liebsten Fotomotive auf Instagram: ihre Pudeldame. © IMAGO/Heiko Becker
Jule Brand beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Jule Brand, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Mit 20 Jahren jüngste Akteurin im WM-Kader. Stammt aus einer Sportlerfamilie: Mutter war Leichtathletin, Vater war Handballer, Bruder spielte unter anderem in der 3. Liga für den FSV Zwickau. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Sara Däbritz vor einem Training der DFB-Frauen
Sara Däbritz, Mittelfeldspielerin, Olympique Lyon. Einzige Frankreich-Legionärin im deutschen Aufgebot. Studiert nebenbei Wirtschaftspsychologie. Mit 97 Länderspielen die zweiterfahrenste DFB-Akteurin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Melanie Leupolz beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Melanie Leupolz, Mittelfeldspielerin, FC Chelsea. Reiste mit Kind und Babysitterin nach „Down Under“. Gewann bereits 2013 mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Svenja Huth beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Svenja Huth, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Erwartet nach der Weltmeisterschaft ihr erstes Kind mit Ehefrau Laura. Engagiert sich für den Tierschutz und hat mit dem Bolonka-Rüden Jamie auch einen eigenen Vierbeiner zu Hause. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Lattwein beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Lena Lattwein, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schloss ihr Abitur mit der Bestnote von 0,7 ab und studierte im Bachelor Wirtschaftsmathematik, arbeitet aktuell an einem Masterabschluss in Controlling. Schaute in ihrer Kindheit regelmäßig Videos mit Fußballtricks und stellte diese im Garten nach. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Sydney Lohmann beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Sydney Lohmann, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Wurde von ihren Eltern nach der australischen Metropole benannt, nachdem diese kurz vor der Geburt während einer Weltreise dort Halt machten. Trat bereits im Alter von vier Jahren mit ihrem Vater gegen das runde Leder. © IMAGO/Laci Perenyi
Lina Magull beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lina Magull, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Ging als 14-Jährige in das Sportinternat in Kaiserau, um den Traum vom Profifußball weiter zu verfolgen. Absolvierte eine Ausbildung zur Bürokauffrau und ist zertifizierte Ernährungsberaterin. Freund Luca arbeitet als Athletiktrainer beim FC Ingolstadt. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Oberdorf beim Training der deutschen Nationalmannschaft
Lena Oberdorf, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schaffte es 2022 in die Top 3 zur „UEFA Fußballerin des Jahres“. Wurde 2019 jüngste deutsche WM-Spielerin der Geschichte. Machte unmittelbar vor dem Turnier ihre Beziehung mit Freundin Kimberly öffentlich. Schwester Julia spielt American Football in der 2. Bundesliga, Bruder Tim ist Profifußballer (zuletzt Fortuna Düsseldorf). © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Alexandra Popp beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Alexandra Popp, Stürmerin, VfL Wolfsburg. Führt die DFB-Elf als Kapitänin aufs Feld. Absolvierte mit 128 Länderspielen die meisten im Kader. Ausgebildete Zootierpflegerin. Drückt privat Borussia Dortmund die Daumen. © IMAGO/Laci Perenyi
Klara Bühl beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Klara Bühl, Stürmerin, FC Bayern München. Feierte bereits mit 15 Jahren ihr Debüt in der Bundesliga. Ist für ihre Häkelkünste bekannt und zeichnete auf diesem Wege auch für das inoffizielle Maskottchen der DFB-Frauen, einen Koala, verantwortlich.  © IMAGO/Revierfoto
Nicole Anyomi beim Training der DFB-Frauen
Nicole Anyomi, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. Sportliches Vorbild: Cristiano Ronaldo. Setzte mit ihrem Kniefall-Jubel 2020 im DFB-Pokal in Anlehnung an die Proteste nach der Ermordung von George Floyd ein Zeichen gegen Rassismus – als erste deutsche Profifußballerin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Laura Freigang auf dem Weg zum Training der DFB-Frauen
Laura Freigang, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. War vor ihrem Wechsel in die Bundesliga an der Pennsylvania State University eingeschrieben und kickte für das Uni-Team, die „Penn State Nittany Lions“. Als Kabinen-DJ für die Musik bei der deutschen Mannschaft verantwortlich. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Lea Schüller beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lea Schüller, Stürmerin, FC Bayern München. Wurde 2022 zur „Fußballerin des Jahres“ gekürt. Studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Freundin Lara Vadlau wurde bereits Welt- und Europameisterin im Sportsegeln. © IMAGO/Laci Perenyi

Frauen-WM: ARD-Expertin Nia Künzer bemängelt beim DFB die „gleichen Reflexe“

Man sehe beim Deutschen Fußball-Bund momentan als Reaktion auf den Misserfolg die „gleichen Reflexe“, sagte die 43-Jährige. Auch bei der Männer-Nationalmannschaft durfte Bundestrainer Hansi Flick nach dem Vorrunden-Aus bei der WM weitermachen. Die Analyse müsse sich nun auf das Turnier konzentrieren. „Das große Ganze – bis hin zur Ausbildung und den Strukturen beim DFB – hätte auch schon vorher passieren können.“ Der DFB scheint nur noch ein Schatten früherer Tage zu sein.

Von Voss-Tecklenburg und ihrem Team erwartet die Ex-Nationalspielerin nun eine schnelle Reaktion auf das Scheitern. „Die Zeit ist knapp und man muss liefern“, sagte Künzer mit Blick auf die im September anstehenden Länderspiele in der Nations League gegen Dänemark und Island. Dann geht es für die deutschen Fußballerinnen schon um das Olympia-Ticket. (ck/dpa)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Metodi Popow/Imago

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