Traditon im Fußball

Schweizer Fußball-Nationalmannschaft: Die Geschichte der „Nati“ – Spieler, Trainer, Titel und Erfolge

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Die Schweizer Nationalmannschaft bei einem Länderspiel im Juni 2022. (Archivfoto)
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Die Schweizer Nationalmannschaft zählt bei den großen Turnieren zu den Außenseitern. Dabei verbindet das Land eine lange Tradition mit dem Fußball.

Bern – Die Schweizer Nationalmannschaft hat seit jeher eine Außenseiterrolle auf der großen Fußball-Bühne: Bei den Weltmeisterschaften hat es seit 1954 nicht mehr mit dem Vorstoß ins Viertelfinale geklappt. Auch beim europaweiten Turnier hat es nie für mehr als die Runde der besten acht Teams gereicht. Dabei war die Schweiz das Fußball-Pionierland in Europa.

VerbandSchweizer Fußballverband (SFV)
Gründungsjahr 1895
Erstes Länderspiel12. Februar 1905 gegen Frankreich (0:1-Niederlage)
Größte ErfolgeWM-Viertelfinale (1934, 1938, 1954)
RekordnationalspielerHeinz Hermann (118 Spiele, Stand 22.12.2022)
RekordtorschützeAlex Frei (42 Tore, Stand 22.12.2022)

Schweizer Fußball-Nationalmannschaft: Die Gründung

Nach Großbritannien war die Schweiz das erste Land Europas, in welchem Fußball gespielt wurde. Die Sportart gelangte in den frühen 1870er über britische Studenten und Kaufleute in die Genferseeregion. 1895 wurde „Schweizer Football-Association“ gegründet und im Jahr 1904 war das Land eines der sieben Gründungsmitglieder der FIFA. Seit 1913 wurde der Schweizer Verband in Schweizerischer Fußballverband (SFV) umbenannt.

Bereits in den 1890er nahm die Schweiz auf Vereinsebene an internationalen Turnieren teil. Am 12. Februar 1905 wurde in Paris das erste offizielle Länderspiel gegen Frankreich ausgetragen. Der Sieg ging mit 1:0 an die Franzosen. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der Schweizer Fußball stark eingeschränkt. Zahlreiche Fußballfelder wurden zu Ackerflächen umfunktioniert, ehe man 1920, nach Ende des Krieges, den Sport wieder stark machte.

Die Anfänge und ersten Turniere

Mit 17 Spielern fuhr das Schweizer Nationalteam zu den Olympischen Sommerspielen von 1924. Als stärkstes europäisches Team stand die Schweiz schließlich Uruguay im Finale gegenüber. Das Spiel ging mit 2:1 an die Südamerikaner und bescherte den Schweizern eine überraschende Silbermedaille und den inoffiziellen Titel des Europameisters.

In den Jahren darauf sank das Leistungsniveau der Schweizer Nationalmannschaft spürbar. Bei den nächsten Olympischen Spielen schied man schon in der Vorrunde aus und bei der Weltmeisterschaft von 1934 erreichte die „Nati“ mit mehr Glück als Verstand das Viertelfinale. Zwischen 1934 und 1938 konnte nur jedes vierte Länderspiel gewonnen werden.

Nach einer sportlichen Pause während des Zweiten Weltkrieges wurde ab 1945 in der Schweiz wieder Fußball gespielt. Nach einer enttäuschenden WM in Brasilien im Jahr 1950 gelang es dem SFV, die Weltmeisterschaft in die Schweiz zu holen. Am 26. Juni traf die Schweizer Nationalmannschaft im Viertelfinale auf die Nationalelf Österreichs. Die Partie entwickelte sich zum torreichsten Spiel der Weltmeisterschaftsgeschichte und endete mit 5:7 für Österreich. Das Spiel ist seitdem als die „Hitzeschlacht von Lausanne“ bekannt.

Fußballnationalmannschaft der Schweiz: Die „Nati“, der ewige Underdog

Auch nach einer euphorisierenden WM nahm die Leistung der Nationalmannschaft der Schweiz weiter ab. In den 1970er Jahren wurden die Spiele der „Nati“ häufig als „ehrenvolle Niederlage“ bezeichnet. Die Nationalmannschaft verlor überproportional viele Spiele, meist aber mit nur einem Tor Unterschied. Ein Remis gegen einen stärkeren Gegner wurde als Sieg gefeiert. Ende der 80er Jahre sollte eine überfällige Reform der Verbandsstrukturen und Juniorenförderung den Aufschwung bringen.

Der Wandel vom defensiven Underdog zu attraktiverem Offensivfußball ermöglichte 1994 die Qualifikation für die Endrunde der Weltmeisterschaft. Es war die erste Teilnahme an einer WM-Endrunde seit 28 Jahren. Dort schaffte man es bis ins Achtelfinale, wo man auf Spanien traf und mit 3:0 verlor.

Im Jahr 2001 übernahm der ehemalige Nationalspieler Jakob „Köbi“ Kuhn den Trainerposten der Nationalmannschaft und leitete einen deutlichen Aufwärtstrend ein. Er schaffte den langersehnten Generationenwechsel und integrierte junge Spieler in die Schweizer Nationalmannschaft.

Schweizer Nationalmannschaft: Umschwung und Erfolge

Nach acht Jahren wechselte die „Nati“ im Jahr 2008 ihren Trainer. An Kuhns Stelle trat der ehemalige FC Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld. Er erreichte mit den Schweizer Fußballern in sechs Jahren zweimal das Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft und einmal das Achtelfinale der EM.

Mit Hitzfelds Abgang übernahm Vladimir Petković die Schweizer Nationalmannschaft und läutete die erfolgreichste Phase des Teams ein. Unter ihm strahlte die „Nati“ seit langer Zeit wieder Dominanz aus und qualifizierte sich als Gruppenerster für die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. In der UEFA-Nations League spielte die Schweiz in der höchsten Liga. Auch die Qualifikationsphase für die Fußball-EM 2021 schloss Petković mit seinem Team auf dem ersten Tabellenplatz ab und erreichte beim Turnier in ganz Europa das Viertelfinale.

Schweizer Nationalhymne spaltet das Land

Die Schweizer Nationalhymne dient als Ausdruck des National- oder Staatsbewusstsein. Während in manchen Ländern jede Zeile stolz und inbrünstig mitgesungen wird, sind die Schweizer eher etwas verhalten. Mittlerweile scheint es schon fast zur Tradition zu gehören, vor jedem Länderspiel der Schweizer Nationalmannschaft mitzuzählen, wie viele Profis das Mitsingen verweigern.

Ob es am Text oder der fehlenden Identifikation mit dem eigenen Land liegt, wird von Fans und in den Medien immer wieder breit diskutiert. Schon häufiger wurde über eine Änderung des „Schweizerpsalms“ gesprochen.

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