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Zuletzt verzichtete Thomas Tuchel auf Leon Goretzka. Wie steht es um die Zukunftsaussichten des Mittelfeldspielers unter seinem neuen Cheftrainer?
München - Der Titelkampf geht in das entscheidende Wochenende – zumindest wenn es nach der Fachmeinung von Fußball-Deutschland geht. Tenor: Lässt der FC Bayern am Samstag im Spitzenspiel gegen RB Leipzig (18.30 Uhr, Sky) keine Punkte liegen, wird Borussia Dortmund den Münchnern die Meisterschale nicht mehr entreißen können. Wer weiß, vielleicht gibt es für die Roten ja bayerisch-schwäbische Schützenhilfe vom FC Augsburg, wo der BVB am Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) gastiert.
| FC Bayern München | |
| Gründung: | 27. Februar 1900 in München |
| Präsident: | Herbert Hainer |
| Cheftrainer: | Thomas Tuchel |
| Mitglieder: | über 300.000 |
Wegen Tuchels Grundordnung: Leon Goretzka offenbar nicht mehr gesetzt
Um den unbändigen Titel-Willen zu beschwören, gab es vor einiger Zeit ein Motivationsgespräch zwischen Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und dem roten Mannschaftsrat. Dabei wurde der Geist der Last-Minute-Meisterschaft von 2001 beschworen, als Bayern in letzter Sekunde im Fernduell den Titel holte – und Kahn daraufhin die Eckfahne im Hamburger Volksparkstadion malträtierte.
Als fixer Bestandteil des Mannschaftsrats bekam auch Leon Goretzka die Erzählungen von damals zu hören. Dabei deutet derzeit vieles darauf hin, dass der Mittelfeldspieler im Meisterkampf der Gegenwart weitgehend außen vor bleiben könnte. Das souveräne 6:0 gegen Schalke am vergangenen Wochenende gab einen ersten Einblick, wie Trainer Thomas Tuchel die letzten beiden Saisonspiele bestreiten wird: In einer 4-1-4-1-Grundordnung ohne Goretzka, dafür mit den beiden Matchwinnern Thomas Müller und Jamal Musiala auf einer Art Doppel-Zehn hinter Angreifer Serge Gnabry und vor Sechser Joshua Kimmich.
Thomas Tuchel glücklich mit seiner Grundordnung: Viel Lob für seine Bayern
„Wir haben schneller und flüssiger kombiniert, dabei nie die Grundordnung verloren, um uns gegen Konter abzusichern. Da waren wir sehr aufmerksam“, lobte Tuchel die taktische Disziplin seiner Mannschaft nach dem Schalke-Spiel.
Gerade wenn Mannschaften im Eins-gegen-Eins über den ganzen Platz verteidigen – wie es auch Leipzig gerne macht –, kommt diese taktische Ausrichtung dem Münchner Spielstil entgegen.
Taktgeber Müller erklärte das Vorgehen wie folgt: „Wenn du das Eins-gegen-eins durch einen Doppelpass oder Dribbling überspielt hast, dann brechen die Dämme relativ schnell zusammen durch einen Tiefpass. Wenn wir das geschafft haben, dann waren die Chancen groß.“ Dieser Strategie komme ein zusätzlicher Offensivspieler natürlich zugute.
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Nächste Saison: Braucht der FC Bayern Goretzka überhaupt noch?
Sollte dieses System auch nächste Saison unter Tuchel Bestand haben, stellt sich die Frage: Braucht Bayern Goretzka überhaupt noch? Fakt ist: In den Kaderplanungen für die kommende Spielzeit spielt neben dem Stürmer-Posten auch die Besetzung der Mittelfeldzentrale eine entscheidende Rolle. Es wird ein Spielertyp wie einst Javi Martinez gesucht, der das Zentrum durch Zweikampfhärte und Spielstärke beherrscht. So könnte auch Dirigent Kimmich sein Aufgabengebiet weiter nach vorne verlegen.
Zudem wechselt mit dem Leipziger Konrad Laimer ein ähnlicher Spielertyp wie Goretzka nach München – zumindest was die Positionierung betrifft. Ähnlich wie Ryan Gravenberch, dem die Zukunft beim deutschen Rekordmeister gehören soll. Den Verantwortlichen ist nicht entgangen, dass Goretzka den Großteil der Saison weiter unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Das lässt den Nimbus der Unantastbarkeit bröckeln. (Manuel Bonke)
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