Neuling zittert vor Freude

Nagelsmann vereint ehemaliges Traum-Duo beim DFB

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Bundestrainer Julian Nagelsmann hat mit seiner Nominierung für die kommende Länderspielpause einen „Kindheitstraum“ erfüllt und im Angriff nachgelegt.

Frankfurt – Vor zwei Jahren haben sie noch gemeinsam die 2. Bundesliga kaputt geschossen. Jetzt steht das ehemalige Traum-Sturm-Duo plötzlich im Kader der deutschen Nationalmannschaft, wenn das DFB-Team in der kommenden Länderspielpause erst auf die Türkei (18. November, Olympiastadion in Berlin) und dann auf Österreich (21. November, Ernst-Happel-Stadion in Wien) trifft: Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch.

Marvin Ducksch
Bundesliga-Spiele für Werder Bremen44
Bundesliga-Tore und Assists für Werder Bremen16, 11
Vorherige VereineBorussia Dortmund, SC Paderborn, FC St. Pauli, Holstein Kiel, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96

Julian Nagelsmann vereint die „hässlichen Vögel“ in der Nationalmannschaft

Nachdem Ex-Nationaltrainer Hansi Flick mit der Nominierung von Niclas „Lücke“ Füllkrug bereits im vergangenen Jahr die Lücke im DFB-Sturm geschlossen hatte, komplettiert sein Nachfolger Julian Nagelsmann nun den Angriff der „hässlichen Vögel“. Diesen Spitznamen hatte Füllkrug sich und seinem ehemaligen Sturmpartner Marvin Ducksch bei Werder Bremen einst gegeben. Gemeinsam schossen sie die Hanseaten erst zum Wiederaufstieg und dann zum Klassenerhalt in der Bundesliga, ehe Füllkrug im Sommer zum BVB wechselte.

Und natürlich meldete sich Ducksch nach Nagelsmanns Anruf bei seinem ehemaligen und bald wieder Sturmkollegen. „Ich habe ihn tatsächlich versucht zu erreichen“, verriet Ducksch im Interview seines Clubs: „Er ist erst nicht rangegangen, am Abend haben wir dann aber kurz getextet.“

Die „hässlichen Vögel“ sind zurück: Bundestrainer Julian Nagelsmann vereint Marvin Ducksch (links) und Niclas Füllkrug im DFB-Angriff.

Julian Nagelsmann erfüllt Marvin Duckschs „Kindheitstraum“ und erklärt Nominierung

Und mit Sicherheit freute sich Füllkrug mit und für seinen früheren kongenialen Sturmpartner, mit dem er womöglich wieder zusammen auf dem Platz stehen wird. Darauf scheint auch Julian Nagelsmann zu setzen, wie er bei der Begründung für Duckschs Nominierung verlauten ließ: „Er kennt ,Fülle‘ sehr gut, auch das ist sicherlich eine Komponente, die uns helfen kann.“ Weitere Argumente seien zudem seine „sehr guten Standards“ und sein „sehr guter Torabschluss“ gewesen, so Nagelsmann.

„Im Fußball kannst du nicht höher kommen, als für dein Land spielen zu dürfen. Deswegen ist es wirklich ein Kindheitstraum, der für mich in Erfüllung geht“, schwärmte derweil Ducksch, der sich mit vier Toren und vier Vorlagen für die Bremer in der laufenden Bundesliga-Saison in den Vordergrund gespielt hat: „Daran merke ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

Marvin Ducksch liefert und bezweifelt seine Nominierung kurz

Daran, dass beim entscheidenden Anruf auch der richtige Nagelsmann am anderen Ende der Leitung sitzt, habe er dagegen kurz gezweifelt. „Ich habe schon darüber nachgedacht, ob der Anruf echt ist“, verriet der gebürtige Dortmunder schmunzelnd und schob dann hinterher: „Ich habe aber relativ früh die Stimme erkannt und dann war mir klar, dass es der Bundestrainer ist.“

Dass die Nominierung nur ein Geschenk Nagelsmanns ist, widerlegen Duckschs Statistiken derweil eindrucksvoll. Nach 20 Toren und zehn Vorlagen in 29 Zweitligaspielen für Werder Bremen liefert der 1,88 Meter große Angreifer schließlich auch im Oberhaus ab. Werder-Trainer Ole Werner schätzt dabei vor allem die Spielintelligenz seines Angreifers, der zuletzt gegen Wolfsburg (2:2) ein Traumtor erzielt hatte, insgesamt aber nicht zu den Top-Torjägern der Bundesliga zählt.

Julian Nagelsmann bringt Marvin Ducksch zum Zittern und der könnte Niclas Füllkrug nacheifern

„Wenn du bei einem Topclub 20 Tore schießt, ist das weniger hoch zu bewerten, als wenn ­­­­du bei einem nicht so hoch bewerteten Club viele Tore und Vorlagen hast“, erklärte Nagelsmann zudem. Insgesamt kommt Ducksch in 44 Bundesligaspielen für die Grün-Weißen nämlich immerhin auf 16 Tore und elf Vorlagen.

Die Coolness, die den Angreifer vor dem gegnerischen Tor auszeichnet, hat ihm am Telefon dagegen kurz gefehlt: „Ich war sehr aufgeregt und nervös – das kenne ich eigentlich so gar nicht von mir. In dem Fall war es aber definitiv so. Ich habe kurz am ganzen Körper gezittert“, schilderte Ducksch: „Nach dem Telefonat habe ich einmal durchgeatmet, um das zu realisieren. Danach habe ich direkt meinen besten Freund angerufen.“

Nagelsmanns Vorgänger: Das sind alle deutschen Fußball-Bundestrainer

Der neue Bundestrainer Julian Nagelsmann vor einem Bundesliga-Spiel des FC Bayern
Julian Nagelsmann: Bundestrainer seit 22. September 2023; 0 Spiele © IMAGO/Revierfoto
Hansi Flick: Bundestrainer 2021 bis 2023; 25 Spiele (12 Siege, 7 Remis, 6 Niederlagen)
Hansi Flick: Bundestrainer 2021 bis 2023; 25 Spiele (12 Siege, 7 Remis, 6 Niederlagen) © IMAGO
Joachim Löw: Bundestrainer 2006 bis 2021; 198 Spiele (124 Siege, 40 Remis, 34 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 2014
Joachim Löw: Bundestrainer 2006 bis 2021; 198 Spiele (124 Siege, 40 Remis, 34 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 2014 © Laci Perenyi
Jürgen Klinsmann: Bundestrainer 2004 bis 2006; 34 Spiele (20 Siege, 8 Remis, 6 Niederlagen)
Jürgen Klinsmann: Bundestrainer 2004 bis 2006; 34 Spiele (20 Siege, 8 Remis, 6 Niederlagen) © imago sportfotodienst
Rudi Völler: Teamchef 2000 bis 2004; 53 Spiele (29 Siege, 11 Remis, 13 Niederlagen)
Rudi Völler: Teamchef 2000 bis 2004; 53 Spiele (29 Siege, 11 Remis, 13 Niederlagen) © Imago
Erich Ribbeck: Teamchef 1998 bis 2000; 24 Spiele (10 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen)
Erich Ribbeck: Teamchef 1998 bis 2000; 24 Spiele (10 Siege, 6 Remis, 8 Niederlagen) © imago sportfotodienst
Berti Vogts: Bundestrainer 1990 bis 1998; 102 Spiele (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen); Europameister-Trainer 1996
Berti Vogts: Bundestrainer 1990 bis 1998; 102 Spiele (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen); Europameister-Trainer 1996 © imago sportfotodienst via www.imago-images.de
Franz Beckenabuer: Bundestrainer 1984 bis 1990; 66 Spiele (34 Siege, 20 Remis, 12 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1990
Franz Beckenabuer: Bundestrainer 1984 bis 1990; 66 Spiele (34 Siege, 20 Remis, 12 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1990 ©  via www.imago-images.de
Jupp Derwall: Bundestrainer 1978 bis 1984; 67 Spiele (44 Siege, 12 Remis, 11 Niederlagen); Europameister-Trainer 1980
Jupp Derwall: Bundestrainer 1978 bis 1984; 67 Spiele (44 Siege, 12 Remis, 11 Niederlagen); Europameister-Trainer 1980 © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Helmut Schön: Bundestrainer 1964 bis 1978; 139 Spiele (87 Siege, 31 Remis, 21 Niederlagen); Europameister-Trainer 1972 und Weltmeister-Trainer 1974
Helmut Schön: Bundestrainer 1964 bis 1978; 139 Spiele (87 Siege, 31 Remis, 21 Niederlagen); Europameister-Trainer 1972 und Weltmeister-Trainer 1996 © imago sportfotodienst
Sepp Herberger: Bundestrainer 1936 bis 1942 und 1950 bis 1964; 162 Spiele (92 Siege, 26 Remis, 44 Niederlagen)
Sepp Herberger: Bundestrainer 1936 bis 1942 und 1950 bis 1964; 162 Spiele (92 Siege, 26 Remis, 44 Niederlagen); Weltmeister-Trainer 1954 © IMAGO/United Archives / kpa / Grimm
Otto Nerz: Bundestrainer 1926 bis 1936; 75 Spiele (44 Siege, 11 Remis, 20 Niederlagen)
Otto Nerz: Bundestrainer 1926 bis 1936; 75 Spiele (44 Siege, 11 Remis, 20 Niederlagen) © picture alliance

Sollte Marvin Ducksch in einem der kommenden Länderspiele zum Einsatz kommen, könnte er es dem Kollegen Füllkrug derweil fast auf den Tag genau ein Jahr später nachmachen. Dieser debütierte nämlich am 16. November 2022 und schoss gegen den Oman (1:0) direkt sein erstes Tor im DFB-Trikot – im Alter von 29 Jahren. Ducksch ist aktuell 29 Jahre alt und fiebert seinem Debüt am 18. oder 21. November entgegen. Und wer weiß: Vielleicht geht das Duo ja auch bei der Heim-EM 2024 gemeinsam auf Torejagd. (tos)

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