Nkounkou liefert sofort

Ein Kostic-Upgrade für die Eintracht

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Der am letzten Tag der Transferperiode geholte Niels Nkounkou hat sich mit einem Knalleffekt eingeführt und könnte bei Eintracht Frankfurt das linke Problem lösen.

Frankfurt - Wer? Filip Kostic? Nie gehört! „Kenne ich nicht“, sagt Niels Nkounkou achselzuckend und fügt lachend an: „Vielleicht bin ich einfach zu jung, um ihn zu kennen.“ So jung ist Niels Nkounkou aber gar nicht mehr, bald 23, und es ist ja nicht so, dass Filip Kostic im alten Jahrtausend seine Spuren in der Fußballwelt hinterlassen hätte. Der in Frankfurt fast schon vergötterte Serbe ist vor gut 15 Monaten zum besten Spieler der Europa League gewählt worden, und auch heute ist er noch ziemlich aktiv auf dem linken Flügel bei Juventus Turin. Nicht die schlechteste Adresse im Weltfußball.

Niels Nkounkou
Geboren:1. November 2000 (Alter 22 Jahre), Pontoise, Frankreich
Aktueller Verein:Eintracht Frankfurt
Position:Linksverteidiger

Eintracht-Neuzugang mit Traumdebüt

Niels Nkounkou, der Brandneue bei Eintracht Frankfurt, ist natürlich nicht aus Jux und Dollerei gefragt worden, ob er was anfangen könne mit dem inzwischen 30 Jahre alten Kostic. Denn am Sonntagnachmittag im Heimspiel der Hessen gegen den 1. FC Köln war es der Franzose, der der Eintracht kurz vor Schluss nicht nur einen Punkt gerettet hat mit seinem Tor zum 1:1, sondern auch Erinnerungen an Filip Kostic aufleben ließ. Denn die Machart seines Treffers erinnerte frappierend an die Tore des Dampfmachers am Flügel: Ball angenommen, aufgeschaut, dann mit links das lange Eck anvisiert, platzierter Vollspannstoß – und hinein ins Glück. Ein Einstand mit Knalleffekt. Copy and Paste, wenn man so will. Niels Nkounkou, Filip Kostic 2.0.

Niels Nkounkou traf zum 1:1 gegen den 1. FC Köln.

Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, dann könnte der erst am Freitag von der AS Saint Etienne für sieben Millionen Euro ausgelöste Spieler das Dauerproblem auf der linken Seite bei der Eintracht lösen. Dort haben sich seit dem Abgang von Filip Kostic vor gut einem Jahr ein halbes Dutzend Spieler versucht: Christopher Lenz, Luca Pellegrini, Ansgar Knauff, Eric Dina Ebimbe, Philipp Max und sogar mal Jens Petter Hauge, der offensive Rückkehrer. Eigentlich dachte die Eintracht, sie habe mit der Verpflichtung des routinierten Max die Schwierigkeiten in den Griff bekommen, doch der Ex-Augsburger fing zwar stark an, ließ aber dann stark nach.

Löst Nkounkou die Probleme auf der linken Seite von Eintracht Frankfurt?

Am Sonntag stand er in der Startelf, produzierte kurz vor der Halbzeit recht ungeschickt einen Elfmeter und durfte nach dem Pausenpfiff nicht wieder aufs Feld zurückkehren. Max hat, wenn nicht alles täuscht, seinen Bonus erst einmal verspielt. Trainer Dino Toppmöller steht auf schnelle, mutige Schienenspieler. Und schnell ist er, der Sportkamerad Nkounkou, „ich lebe von meinem Tempo“, sagt er. „Wenn ich den Ball am Fuß habe, breche ich gerne durch.“

Durchstarter: Niels Nkounkou feiert seinen Traumeinstand.

Dem französischen U-21-Nationalspieler könnte in Frankfurt die Zukunft gehören, er könnte die Schwachstelle auf einer der beiden Außenbahnen beheben. Denn die Flügel sind nicht eben optimal besetzt, auch rechts ist Aurelio Buta ein zwar zuverlässiger, solider Spieler, aber eben auch keiner, der in der Offensive ein Feuerwerk zündet. Zumal seine Hereingaben nach wie vor ganz viel Luft nach oben haben.

Die erfolgreichsten Trainer von Eintracht Frankfurt

Mit der Eintracht verpasst der Kroate in der Premieren-Saison der Bundesliga den großen Wurf. Während der Spielzeit zum Cheftrainer befördert, wird er mit der Eintracht Vize-Pokalsieger und Tabellendritter.
Ivica Horvat (1964-1965) - Mit der Eintracht verpasst der Kroate in der Premieren-Saison der Bundesliga den großen Wurf. Während der Spielzeit zum Cheftrainer befördert, wird er mit der Eintracht Vize-Pokalsieger und Tabellendritter.  © Picture Alliance/Wilhlem Leuschner
Erich Ribbeck im Jahre 1971 als Trainer von Eintracht Frankfurt
Erich Ribbeck (1968–1973) – blieb abgesehen von einer Qualifikation zum UEFA-Pokal durch einen fünften Platz in der Liga ohne größeren Erfolg. Ein Jahr nach Ribbecks Abgang gewinnt der DFB-Elf mit Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein die Weltmeisterschaft. Mit fünf Jahren hält Ribbeck jedoch gemeinsam mit Friedhelm Funkel den Rekord als Trainer mit der längsten Amtszeit bei der SGE.  © Picture Alliance/Roland Witschel
Trainer Dietrich Weise mit Neuzugängen
Dietrich Weise (1973–1976) – Unter Weise gehört die Eintracht zur nationalen Spitze und gewinnt zweimal den DFB-Pokal. 1975/76 prescht sie gar bis ins Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger vor, um dort West Ham United zu unterlegen.  © Picture Alliance / Roland Witschel
Friedel Rausch während seiner zweiten Amtszeit in Frankfurt
Friedel Rausch (1979–1980 und 2001) – In der Saison 1979/80 führt Rausch die Eintracht zum dato größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Im Finale des UEFA-Cups gegen Borussia Mönchengladbach setzt sich die SGE nach Hin- und Rückspiel durch. Im April 2001 kreuzten sich die Wege abermals, der Abstieg der Eintracht in die 2. Liga war jedoch nicht zu verhindern.  © Picture Alliance / Ralf Hirschberger
Lothar Buchmann (1980–1982) – Wird mit der Eintracht DFB Pokalsieger 1981 gegen den 1. FC Kaiserslautern, zu jener Zeit von Karl-Heinz Feldkamp trainiert. Im Sommer 1982 sollte es für Buchmann über den Main zu Erzrivale Kickers Offenbach gehen.
Lothar Buchmann (1980–1982) – Wird mit der Eintracht DFB Pokalsieger 1981 gegen den 1. FC Kaiserslautern, zu jener Zeit von Karl-Heinz Feldkamp trainiert. Im Sommer 1982 sollte es für Buchmann über den Main zu Erzrivale Kickers Offenbach gehen. © Laci Perenyi/Imago
Karl-Heinz Feldkamp (1987–1988) – Was Feldkamp 1981 durch die Eintracht verwehrt blieb, sollte nun in Erfüllung gehen. 1988 gewinnt er mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal. Kurz danach verabschiedet er sich nach Ägypten, um dort Al-Ahly trainieren zu können.
Karl-Heinz Feldkamp (1987–1988) – Was Feldkamp 1981 durch die Eintracht verwehrt blieb, sollte nun in Erfüllung gehen. 1988 gewinnt er mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal. Kurz danach verabschiedet er sich nach Ägypten, um dort Al-Ahly zu trainieren. © picture alliance / Kai-Uwe Wärner/dpa
Dragoslav Stepanovic (1990–1993) – Bundesligadritter, Europapokalteilnahmen und ein Pokal-Halbfinale. „Stepi“ war neben seiner freundlichen Art auch durch ansprechenden Fußball beliebt. Tragisch und unvergessen bleibt jedoch auch das Saisonfinale 1991/1992 als die Eintracht durch eine Niederlage bei Hansa Rostock in der ersten gesamtdeutschen Bundesligasaison die Meisterschaft verpasst. Auch seine zweite Amtszeit 1996 endet unrühmlich mit dem Bundesligaabstieg.
Dragoslav Stepanovic (1990–1993) – Bundesligadritter, Europapokalteilnahmen und ein Pokal-Halbfinale. „Stepi“ war neben seiner freundlichen Art auch durch ansprechenden Fußball beliebt. Tragisch und unvergessen bleibt jedoch auch das Saisonfinale 1991/1992 als die Eintracht durch eine Niederlage bei Hansa Rostock in der ersten gesamtdeutschen Bundesligasaison die Meisterschaft verpasst. Auch seine zweite Amtszeit 1996 endet unrühmlich mit dem Bundesligaabstieg. © Katja Lenz/picture alliance
Jörg Berger (1988–1990 und 1999) – Wird mit der Eintracht während seiner ersten Amtszeit Bundesligadritter, was jedoch ebenso in Erinnerung bleibt ist das Saisonfinale 1999. Mit einem 5:1-Sieg gegen Süd-West Rivale Kaiserslautern sichert die Eintracht sich auf hochdramatische Weise den Klassenerhalt.
Jörg Berger (1988–1990 und 1999) – Wird mit der Eintracht während seiner ersten Amtszeit Bundesligadritter, was jedoch ebenso in Erinnerung bleibt ist das Saisonfinale 1999. Mit einem 5:1-Sieg gegen Süd-West Rivale Kaiserslautern sichert die Eintracht sich auf hochdramatische Weise den Klassenerhalt. © Ferdinand Ostrop/picture-alliance
Friedhelm Funkel (2004–2009) – Gleichsam mit Erich Ribbeck ein Rekordhalter, was die Beschäftigungsdauer bei der SGE angeht. Unter ihm gelang ein Bundesligaaufstieg und darauffolgend die Etablierung in der ersten Liga. Eine Krönung seiner Tätigkeit durch einen DFB-Pokal Sieg blieb ihm durch die Finalniederlage 2006 verwehrt.
Friedhelm Funkel (2004–2009) – Gleichsam mit Erich Ribbeck ein Rekordhalter, was die Beschäftigungsdauer bei der SGE angeht. Unter ihm gelang ein Bundesligaaufstieg und darauffolgend die Etablierung in der ersten Liga. Eine Krönung seiner Tätigkeit durch einen DFB-Pokal Sieg blieb ihm durch die Finalniederlage 2006 verwehrt. © Uwe Anspach/picture-alliance
Armin Veh (2011–2014 und 2015–2016) – Unter Veh kehrt die Eintracht in die Bundesliga zurück und sollte danach nicht mehr absteigen. Pünktlich zum 50. Bundesligajubiläum erreicht die SGE als Tabellensechster den Europapokal. Bei seinem zweiten Engagement wurde Veh nach nicht mal einem Jahr freigestellt.
Armin Veh (2011–2014 und 2015–2016) – Unter Veh kehrt die Eintracht in die Bundesliga zurück und sollte danach nicht mehr absteigen. Pünktlich zum 50. Bundesligajubiläum erreicht die SGE als Tabellensechster den Europapokal. Bei seinem zweiten Engagement wurde Veh nach nicht mal einem Jahr freigestellt. © Caroline Blumberg / picture alliance
Nico Kovac (2016–2018) – In seine Amtszeit fallen zwei Finalteilnahmen im DFB-Pokal. 2018 sollte er dort niemanden geringeres als seinen künftigen Arbeitgeber Bayern München besiegen. Unter Kovac avancierte die SGE wieder vom Abstiegskandidat zum Europacup-Teilnehmer. Mitunter wird der Sieg 2018 als Grundstein des heutigen Erfolgs gesehen.
Nico Kovac (2016–2018) – In seine Amtszeit fallen zwei Finalteilnahmen im DFB-Pokal. 2018 sollte er dort niemanden geringeres als seinen künftigen Arbeitgeber Bayern München besiegen. Unter Kovac avancierte die SGE wieder vom Abstiegskandidat zum Europacup-Teilnehmer. Mitunter wird der Sieg 2018 als Grundstein des heutigen Erfolgs gesehen. © Boris Roessler / picture alliance
Adi Hüter (2018–2021) – Europacup-Abende prägen seine Ära, die im Erreichen des Euro-League Halbfinals 2018/2019 ihren Höhepunkt fand. Weiter gelang es der Eintracht unter ihm sich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen und 2019/2020 das DFB-Pokal Halbfinale zu erreichen. Durch eine Trainer-Rochade zog es ihn weiter nach Mönchengladbach.
Adi Hüter (2018–2021) – Europacup-Abende prägen seine Ära, die im Erreichen des Euro-League Halbfinals 2018/2019 ihren Höhepunkt fand. Weiter gelang es der Eintracht unter ihm sich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen und 2019/2020 das DFB-Pokal Halbfinale zu erreichen. Durch eine Trainer-Rochade zog es ihn weiter nach Mönchengladbach. © Thomas Frey / picture alliance
Eintracht Frankfurt – Glasgow Rangers
Oliver Glasner (seit 2021) – Trotz einer durchwachsenen ersten Bundesliga-Saison unter dem Österreicher, gewinnt die Frankfurter Eintracht 2021/2022 die Europa League. Nach Krönung einer kontinuierlichen Entwicklung nimmt der Verein erstmals an der Champions-League teil.  © Picture Alliance / Arne Dedert

Zähe Verhandlungen zwischen Eintracht Frankfurt und AS St. Etienne

Nkounkou, der junge Mann aus der Kleinstadt Pontoise im Nordosten von Paris, soll nun nicht mit Erwartungen überfrachtet werden, der Weg, sich in der Bundesliga zu etablieren, ist ein weiter. Auch weil Nkounkou in der letzten Saison nur zweitklassig unterwegs war, erst für Cardiff, dann für St. Etienne, dort aber sehr erfolgreich: sechs Tore und acht Vorlagen in 20 Spielen. Das ist nicht schlecht. Und ebnete ihm den Weg nach Frankfurt zur Eintracht. Die bemühte sich intensiv um den linken Läufer, hat ihm zeitnah ein Angebot unterbreitet. Trotzdem dauerte es bis zum letzten Tag der Transferperiode, dem Deadline Day, bis der Deal unter Dach und Fach war.

Schuld daran waren zähe Verhandlungen mit dem französischen Zweitligisten, der den Spieler per Kaufoption an sich gebunden hatte. Damit war Nkounkou gar nicht einverstanden, fühlte sich getäuscht. Er habe nur ein halbes Jahr bei St. Etienne bleiben wollen. So sei das abgesprochen gewesen, beschied er unlängst in einem Interview in der L’Equipe „Ich war überrascht und nicht wirklich erfreut.“ Nkounkou hat seinen Ex-Klub ganz schön unter Druck gesetzt, nicht gestreikt wie Landsmann Kolo Muani in Frankfurt, aber doch klar gemacht, dass er den Verein wechseln will. „Einen Spieler gegen seinen Willen zu behalten, ist meiner Meinung nach nicht die richtige Lösung.“

Eintracht-Neuzugang Nkounkou hat noch körperliche Defizite

Rückblickend findet er, dass die letzten Wochen „nicht leicht“ waren, „weil ich unbedingt wechseln wollte, weil ich total von diesem Projekt in Frankfurt überzeugt bin“. Am Ende hat es doch geklappt. Und klar fand er seinen Einstand am Sonntag „traumhaft“.

Nun aber wird er erst einmal hart schuften müssen in der Bundesligapause, weil er körperlich einiges aufzuarbeiten habe. Derzeit reiche es vielleicht für 20, 30 Minuten, „mehr nicht“, befand Dino Toppmöller am Montag nach dem Training. Doch wenn er richtig fit sei, „wird er uns sehr viel Freude bereiten“. Einen Vorgeschmack gab es schon mal, in bester Filip-Kostic-Manier. (dur)

Rubriklistenbild: © René Vigneron / Imago Images

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