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Eintracht und die Kolo-Posse: Linkes Spiel, richtige Entscheidung

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Das war’s in Frankfurt: Kolo Muani stürmt künftig für PSG.
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Eintracht Frankfurt lässt Kolo Muani doch noch ziehen: Das können nicht alle verstehen, es ist auch kein gutes Zeichen, doch der Klub hat strategisch richtig gehandelt.

Frankfurt - Der Satz steht, ganz zum Schluss, quasi in Stein gemeißelt. Es ist eine Danksagung der besonderen Art, eine, die sich eigentlich ins Gegenteil verkehrt, je länger der gemeißelte Satz da so steht. „Wir bedanken uns bei Randal Kolo Muani für die Leistungen in der vergangenen Saison.“ Nicht mehr, nicht weniger. Nur das.

So lässt sich der Sportboss von Eintracht Frankfurt zitieren, Markus Krösche. Man muss nun wahrlich kein Interpretationsmeister sein, um maximale Distanz und eisige Kälte herauszulesen. Randal Kolo Muani war, zur Erinnerung, so etwas wie die Lebensversicherung der Eintracht, ein Himmelsstürmer, ein spät entdecktes Wunderkind, einer, der die Fußballwelt im Sturm erobert hat und Frankreich um ein Haar sogar zum Weltmeister gemacht hätte. Und der wird nun mit einem einzigen Satz aus dem Dienst in Frankfurt entlassen, weil er alle getäuscht und enttäuscht hat, weil er ein falsches, ein linkes Spiel gespielt hat.

Kolo Muani beschert Eintracht Frankfurt eine Rekordablöse

Er wurde ausgelöst von dem Weltklub aus seiner Heimatstadt, Paris Saint-Germain. Für 95 Millionen Euro. Das ist so viel Geld, dass einem fast schwindelig wird. So viel Geld wie Eintracht Frankfurt noch nie für einen Spieler eingenommen hat, ein Spieler, den sie vor einem Jahr ablösefrei aus Nantes geholt hat. Und nun für fast 100 Millionen verkauft. Wann gab es in der Geschichte des Fußballs schon mal solch ein Geschäft?

Und trotzdem gibt es nicht wenige, die nicht so ganz verstehen, weshalb sich Eintracht Frankfurt auf diesen Deal eingelassen hat, ein Geschäft, das erst kurz vor Mitternacht am Freitag über die Bühne ging und den Hessen die Möglichkeit geraubt hat, einen Nachfolger zu holen. In Deutschland schloss das Transferfenster um 18 Uhr. Und die Eintracht steht nun blank da, ohne Nachfolger. Mit einem Sturm, den Omar Marmoush, Jessic Ngankam oder Lucas Alario bilden könnten. Nun ja. Das ist nicht das, was den großen Ambitionen der Eintracht gerecht wird. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Höchst riskant.
Die Eintracht muss sich vorwerfen lassen, nicht vorher gehandelt zu haben. Sie war schon einig mit den hochklassigen Stürmern Elye Wahi (RC Lens) und Victor Boniface (Bayer Leverkusen). Konnte sich aber nicht dazu durchringen, ins Risiko zu gehen. Das rächt sich jetzt.

Und auch das Signal, das ausgesendet wird, ist kein leuchtendes. Randal Kolo Muani ist in den Streik getreten, er hat seinen Dienst verweigert, seinen Arbeitsvertrag gebrochen – und wird auch noch belohnt damit, dass er seinen Willen am Ende durchsetzt. Das ist bedenklich.

Eintracht-Verantwortliche haben sich in Kolo Muani getäuscht

Die Eintracht-Verantwortlichen, keine Frage, haben sich in Kolo Muani getäuscht. Erst vor wenigen Wochen betonte Markus Krösche im Brustton der Überzeugung, dass der französischen Nationalstürmer ein total guter Junge sei und einen einwandfreien Charakter habe. Ein Streik? „Niemals!“ So kann man sich täuschen. So kann sich Markus Krösche täuschen.

Als Dank hat Kolo Muani noch am Freitagabend sein Instagram-Profil leergeräumt und alle Posts oder Fotos mit Eintracht-Bezug gelöscht. Als die Eintracht am Freitagnachmittag den Deal zunächst für gescheitert erklärte, hat der Spieler über seine Berateragentur in derben Worten ausrichten lassen, was er davon hält und dass er nie mehr für Eintracht Frankfurt spielen werde. So oder so. Ist die Eintracht also eingeknickt?

Nein. Das Verhalten des Spielers ist schändlich, auch der Großklub Paris Saint-Germain hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, er hat die Eintracht hingehalten und erst die geforderte Ablöse geboten, als das Transferfenster in Deutschland schon geschlossen war. Das sind alles Gründe, um hart zu bleiben, ein Zeichen zu setzen, dem Spieler und dem Verein zu zeigen: „Es gibt Grenzen, mit uns nicht.“

Eintracht: Kolo Muani ziehen zu lassen war die richtige Entscheidung

Doch zur Wahrheit gehört auch: Der Spieler wäre nicht mehr einzugliedern gewesen, die Mitspieler waren schwer enttäuscht von ihrem Topstürmer. Und: Die Eintracht als gut aufgestellter Mittelständler mit Ambitionen, die Spitze zu attackieren, kann es sich aus kaufmännischer Sicht schlichtweg nicht erlauben, ein Angebot über 95 Millionen Euro auszuschlagen. Das wäre nicht nur unvernünftig, sondern fast schon irrsinnig und wirtschaftlich nicht darstellbar. Es wäre Harakiri gewesen.

Klar ist: Die Eintracht wird ihre Ziele in dieser Saison anpassen müssen, niemand kann nun, da der beste Spieler und auch noch der Topstürmer weg ist, ernsthaft erwarten, dass die Mannschaft um die Europapokalplätze mitspielt. Zumal in Jesper Lindström und Daichi Kamda noch die beiden anderen besten Scorer das Weite gesucht haben. Drei Viertel der Offensive ist weggebrochen – das lässt sich auf die Schnelle nicht kompensieren. Nicht mit einem arbeitslosen Stürmer und auch nicht im Winter mit einem Notkauf.

Aber strategisch ist diese Entscheidung richtig und könnte Gold wert sein, weil sie dem Klub über Jahre hinweg Planungssicherheit und enormen Spielraum gibt. Die Millionen für Kolo Muani sind keine Sicherheit und keine Garantie, aber sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Eintracht ihre europäische Ambitionen festigen wird. Wahrscheinlich nicht in dieser Saison, aber danach.

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