Dortmund hat die Kurve gekriegt

Peinlich-Pleite und Wertlos-Sieg waren Schlüssel für Kovač-Wende beim BVB

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Ein mächtiger Endspurt hat die Bundesliga-Saison des BVB gerettet. Trainer Niko Kovač führt dazu zwei sehr unterschiedliche Schlüsselspiele an.

Dortmund – Borussia Dortmund ist die Punktlandung gelungen: Nach dem 34. Spieltag steht der BVB erstmals seit September unter den Top vier der Bundesliga-Tabelle.

Die Champions-League-Qualifikation ist damit auf den letzten Drücker geglückt. Dafür brauchte es Schützenhilfe in der Form von Konkurrenten, die genügend Punkte gelassen und somit die Tür für den BVB einen Spalt geöffnet haben. Dafür brauchte es aber auch eine Mannschaft, die unter Niko Kovač durch diese Tür gegangen ist.

Sportchef Lars Ricken hat sicher etwas übertrieben, als er Kovač „eine der größten Trainerleistungen in der Geschichte des BVB“ attestierte. Dennoch ist der Chefcoach als großer Gewinner der Saison zu bewerten – und das, obwohl sein Start gar nicht ideal verlief. Für den herausragenden Schlussspurt hat Dortmund Anlauf genommen. Kovač selbst nennt dafür zwei Schlüsselspiele.

Für den BVB war Augsburg ein Tiefpunkt

„Für mich gab es zwei Momente, die ich als nachhaltig empfunden habe“, erklärt der Berliner gegenüber Sport Bild. „Das war zum einen der schlechte Auftritt gegen Augsburg, nachdem wir zuvor zwei klare Siege in der Liga eingefahren hatten. Da war klar, dass wir so nicht weitermachen können.“

Dortmund hatte mit dem 6:0 gegen Union Berlin und dem 2:0 beim FC St. Pauli erstmals in der Spielzeit zwei Bundesliga-Partien am Stück für sich entschieden. Wer glaubte, dass beim BVB damit der sprichwörtliche Schalter umgelegt wurde, sah sich vom Spiel gegen Augsburg eines Besseren belehrt.

Nach dem Gegentor infolge einer defensiven Unachtsamkeit bei einer Freistoßflanke blieb das Aufbäumen des BVB aus, erst tief in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte bot sich eine echte Großchance auf den Ausgleich. Von den 13 Spielern, die Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, in der Einzelkritik zum Spiel bewertete, erhielten gegen Augsburg sechs eine Bewertung von 4,5 oder schlechter.

In einer an Tiefpunkten beileibe nicht armen Bundesliga-Saison stach das Heimspiel gegen den FCA durchaus heraus.

Die Spiele gegen Augsburg und Barcelona waren für den BVB-Endspurt prägend.

Sieg gegen Barça zeigte Dortmund, „was möglich ist“

Dem gegenüber stellt Kovač einen auf dem Papier wertlosen Sieg: „Das Rückspiel gegen Barcelona, wo wir eine Leistung gezeigt haben, die uns nur wenige zugetraut haben. Da haben wir gemerkt, was möglich ist, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“

Dortmund hatte im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales bei Barça mit 0:4 verloren, sich teils sehr naiv angestellt. An das große Fußballwunder glaubten vor dem Rückspiel daheim die wenigsten, es ging um einen ordentlichen Abschied aus der Königsklasse. Dank einer bärenstarken Leistung wurde aus dem 3:1-Heimsieg gegen den späteren spanischen Meister aber viel mehr: ein Katalysator für den starken Endspurt in der Bundesliga.

Auch hier lohnt der Blick auf die Einzelkritik von Absolut Fußball: Sechs BVB-Spieler bekamen eine Note im Bereich von 2,5 bis 1,0.

BVB-Trainer Kovač: „Fordere nichts ein, was unmöglich ist“

Wenn Augsburg einer der tiefsten Tiefpunkte war, war das Rückspiel gegen Barça womöglich das sportliche Highlight der Saison – zumal es gegen den stärksten Gegner ging, auf den der BVB in den vergangenen Monaten getroffen ist.

Dortmund zeigte gegen die Elf von Hansi Flick um Wunderkind Lamine Yamal, wozu der viel gescholtene Kader imstande ist, wenn er sich zusammenrauft. „Ich fordere nichts ein, was unmöglich ist. Eigenschaften wie Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit und Siegeswillen sind für mich aber unverhandelbar. Und jeder Spieler war bereit, unseren gemeinsamen Weg zu gehen“, fasst Kovač zusammen.

Bleibt abzuwarten, wohin der Weg führt: bei der FIFA Klub-WM im Sommer, aber auch in der kommenden Saison.

Rubriklistenbild: © Montage/Imago/RHR-Foto/Kirchner-Media

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