Keine Verschnaufpause für Thomas Tuchel und seinen FC Bayern: Nach dem zähen Freiburg-Sieg wartet Manchester City – und damit verbunden fünf Probleme.
München – Um diesen Job anzunehmen, muss man ein bisschen verrückt sein – und sehr überzeugt von seinen Fähigkeiten. Thomas Tuchel hatte Lust, den FC Bayern in der entscheidendsten aller Saisonphasen zu übernehmen.
Sein Hauptproblem in den ersten Wochen: Er hat so gut wie keine Zeit, der Mannschaft seine Spielidee näherzubringen. Weil alle drei, vier Tage ein Spiel ansteht, das dem vorigen in Sachen Wichtigkeit um nichts nachsteht.
Thomas Tuchel
Geboren am 29. August 1973 in Krumbach
Verein: FC Bayern München
Bisherige Vereine: Mainz 05, Borussia Dortmund, Paris Saint-Germain, FC Chelsea, Bayern München
Einen ersten, empfindlichen Dämpfer musste der neue Bayern-Coach am Dienstag hinnehmen. Das Pokal-Aus gegen den SC Freiburg traf den Klub hart. Am Ostersamstag konnte zumindest in der Liga Wiedergutmachung betrieben werden. Jetzt wartet Manchester City im Champions-League-Viertelfinale. Und Tuchel hat vor dem Gigantenduell gleich fünf Probleme zu lösen.
1. Ein Stürmer fehlt
Das erlösende Tor beim Arbeitssieg gegen Freiburg schoss Matthijs de Ligt – und da fängt das Problem schon an. 90 Minuten lang rackerte sich die Tuchel-Elf gegen bissig verteidigende Breisgauer ab, erspielte sich, anders als am Dienstag, auch gute Chancen. Doch sobald es daran ging, den Ball auch im Tor unterzubringen, scheiterten sämtliche Offensivstars kläglich. Es brauchte einen Gewaltschuss des Niederländers, um den Bann zu brechen.
Die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor fehlt momentan ohnehin bei vielen Bayern-Stars, ohne den verletzten Eric Maxim Choupo-Moting fehlt sie noch mehr. Die Münchner müssen für Tore momentan einen riesigen Aufwand betreiben. Gegen Manchester City wird es nicht einfacher. Ob Choupo-Moting rechtzeitig fit wird, ist fraglich. Die Stürmerproblematik erkannte jüngst auch Hasan Salihamidzic erstmals an.
Anknüpfend an den fehlenden Stürmer zeigt sich ein weiteres Problem: Zu Saisonbeginn waren die Bayern-Stars noch in der Lage, den Abgang von Robert Lewandowski durch mehrere Stars in Topform zu kompensieren. Doch ausgerechnet in der heißesten Saisonphase präsentiert sich keiner der Offensivspieler in eben jener.
Leroy Sané scheint der einzige der hochkarätig besetzten Bayern-Offensive zu sein, dem der Trainerwechsel wirklich gutgetan hat. Der Linksfuß treibt unermüdlich an, zeigt durchaus ansehnliche Aktionen – vor dem Tor allerdings agiert auch er glücklos. Sadio Mané, Kingsley Coman, Serge Gnabry und Jamal Musiala stecken jeweils mehr oder weniger tief in einer Formkrise. So wird es gegen Peps Starensemble ganz schwer.
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Die kurze Zündschnur der Bayern-Bosse bei Julian Nagelsmann hat die allermeisten überrascht. Auch die Spieler. In der entscheidenden Saisonphase sollten die Abläufe bombenfest sitzen. Das anderthalb Jahre lang einstudierte Nagelsmann-System kann allerdings auf den Festplatten der Bayern-Stars noch nicht überschrieben sein.
Für Thomas Tuchel bedeutet das einen schmalen Grat: Einerseits will er seine Inhalte vermitteln, andererseits die Spieler in wenigen Trainingseinheiten auch nicht überfrachten. Missverständnisse auf dem Platz werden gegen Haaland und Co. sofort bestraft.
4. Manchester City ist richtig gut in Fahrt
7:0, 6:0, 4:1, 4:1: Die letzten Ergebnisse von Manchester City lesen sich für Bayern-Fans durchaus ein wenig beängstigend. Pep Guardiolas Team rollt momentan wie eine Dampfwalze durch alle Wettbewerbe. Der FC Bayern hat im CL-Viertelfinale den wohl stärkstmöglichen Gegner zugelost bekommen.
Bei den Skyblues sind die Abläufe nach sechseinhalb Jahren Guardiola-Ballbesitzfußball einzementiert. Zudem ungewohnt für die Bayern: Sie treffen auf eines der wenigen Teams im Weltfußball, das mindestens genauso gerne den Ball hat wie sie selbst.
5. Erling Haaland ist wieder fit und schießt Traumtore
Auf die Abwehr des FC Bayern kommt ein Problem namens Erling Haaland zu. Leise Hoffnungen, der norwegische Ausnahmestürmer könnte für das Bayern-Duell ausfallen, zerschlugen sich. Der blonde Hühne meldete sich am Samstag gegen den FC Southampton zurück – natürlich mit zwei Treffern.
Einer davon dürfte es mindestens in die Auswahl für das Tor des Monats schaffen: Haaland brachte einen Seitfallzieher auf unwiderstehliche Art im Kasten unter. Saisontor Nummer 30. Wer soll ihn stoppen? Die gute Nachricht für die Bayern: Das Abwehr-Trio um Matthijs de Ligt, Benjamin Pavard und Dayot Upamecano ist seit Wochen richtig gut drauf. (epp)