Poker um Sané rächt sich für Bayern-Boss Eberl bitter
VonAdrian Kühnel
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Probleme auf dem Transfermarkt plagen den FC Bayern. Sportvorstand Max Eberl sieht sich einer Herausforderung gegenüber – auch wegen Leroy Sané.
München – Rund um den FC Bayern ist es mal wieder erstaunlich unruhig. Der Grund: Die Transfermeldungen der letzten Tage.
Der FC Bayern soll um die Dienste von Luis Díaz vom FC Liverpool buhlen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gab der deutsche Rekordmeister ein Angebot von umgerechnet rund 67,5 Millionen Euro ab. Doch Liverpool soll umgehend abgelehnt haben, Díaz mit rund 100 Millionen Euro bewerten.
Díaz ist Flügelspieler, kommt auf der linken Außenbahn zum Einsatz – und entspricht damit genau dem gesuchten Profil der Münchner. Nach dem Abgang von Leroy Sané hat Sportvorstand Max Eberl die schwierige Aufgabe, einen adäquaten Ersatz zu verpflichten.
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FC Bayern muss für Ersatz von Leroy Sané tief in die Tasche greifen
Das Problem: Diesen zu finden, ist kompliziert. Unabhängig davon, ob sich der FC Bayern nun weiter um Díaz bemüht oder sich doch mit Alternativen wie Real Madrids Rodrygo beschäftigt: Wollen die Münchner jemand namhaften holen, der als Soforthilfe betrachtet werden kann, müssen sie tief in die Tasche greifen.
Zu Jahresbeginn soll man sich intern an der Säbener Straße noch uneins gewesen sein, ob der auslaufende Vertrag mit Sané verlängert werden soll oder nicht.
Leroy Sané macht Max Eberl das Leben schwer
Als Sané in der Rückrunde durch gute Leistungen auf dem Rasen Argumente für ein neues Arbeitspapier lieferte, begann Eberl Verhandlungen mit dem damaligen Management des Nationalspielers. Diese führten dazu, dass Eberl eine Vertragsverlängerung mit Sané zu niedrigeren Bezügen zu glücken schien – bis Anfang Mai plötzlich die Nachricht publik wurde, dass Sané seinen Berater gewechselt hat.
Pini Zahavi kümmert sich seither um die Interessen von Sané. Der israelische Staragent, der auch die einstigen Bayern-Erfolgshelden Hansi Flick, David Alaba und Robert Lewandowski betreut, startete Nachverhandlungen mit Eberl und wollte für seinen Klienten ein besseres Angebot herausschlagen.
Dass Eberl Monate zuvor Alphonso Davies und Joshua Kimmich mit hoch dotierten Verträgen ausgestattet hatte, bot Zahavi dabei eine starke Argumentationsgrundlage. Weil Zahavi bei seinen Forderungen stur blieb, der FC Bayern keine großen Schritte auf Sané zugehen wollte, ist es zur Trennung kommen.
Da man sich mit Thomas Müller von einem weiteren Offensivspieler getrennt hat und Jamal Musiala infolge eines bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft erlittenen Wadenbeinbruchs rund fünf Monate ausfällt, steckt der FC Bayern in einer Notsituation. Das wissen zweifellos auch die Klubs, für deren Spieler sich die Münchner interessieren – und rufen hohe Preise aus.
Neben dem FC Liverpool ist dies der VfB Stuttgart. Der FC Bayern will Nick Woltemade in diesem Sommer verpflichten.
Weil der Stürmer aber noch einen Vertrag bis 2028 besitzt und die Stuttgarter den 23-Jährigen behalten wollen, müsste laut Bild das Angebot aus München die Marke von 65 Millionen Euro überschreiten, damit sich der VfB überhaupt an einen Verhandlungstisch sitzt.
Die Hypothese, die damit aufgestellt werden kann: Hätte Eberl schon viel früher bei Sané Nagel mit Köpfen gemacht, wäre der FC Bayern aktuell auf dem Transfermarkt nicht in dieser misslichen Lage.
Auch Trainer Vincent Kompany steht in der Kritik
Dabei ist Eberl nicht allein die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ex-Bayern-Defensivspieler Markus Babbel übte zuletzt im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, auch Kritik an Trainer Vincent Kompany. Der Vorwurf: Kompany gebe Talenten kaum Chancen, auch deshalb buhle der FC Bayern um externe Spieler.
Babbels Fazit: „Immer 100 Millionen Euro hier, 100 Millionen Euro da – das kann ja nicht Sinn und Zweck der ganzen Geschichte sein.“ Der FC Bayern müsse wieder mehr auf den Nachwuchs setzen. Mit Lennart Karl gibt es ein vielversprechendes Offensivtalent in den eigenen Reihen. Am Ende könnte auch Eberl davon profitieren.