Zukunft der SGE

Eintracht Frankfurt in den Händen von Randal Kolo Muani

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Die Stärke von Eintracht Frankfurt hängt entscheidend davon ab, ob der Überflieger in der kommenden Saison für die SGE spielt oder nicht.

Frankfurt - Eine Welle der Begeisterung schwappt bereits durch Frankfurt, ohne dass überhaupt nur ein Flachpass halbwegs unfallfrei über den Rasen im Stadtwald gehoppelt ist. „Diva im Aufbruch“, titelt das Fachblatt Kicker am Montag über seiner Eintracht-Story und will eine ganz andere Stimmung ausgemacht haben. Im Verein und um ihn herum herrsche wieder eitel Sonnenschein, Zuversicht und Vorfreude. Der zusammengestellte Kader sei „spannend und vielversprechend“ und in der Konstellation stark genug, um Platz vier anzugreifen. In der Frage der Woche fragt das Magazin seine Leser:innen prompt: „Schafft Eintracht Frankfurt den Sprung zurück in die Champions League?“ Die Stimmverteilung hielt sich auf der Internetseite am Montag so ziemlich die Waage.

Trägt er auch in der kommenden Saison den Adler auf der Brust: Randal Kolo Muani.

Das Internetportal Sport1 geht noch einen Schritt weiter, wertet die jüngsten Verpflichtungen der gestandenen Spieler Robin Koch und Ellyes Skhiri als „Ausrufezeichen“ und beschreibt die Aktivität auf dem Transfermarkt als „Großangriff“. Die Conclusio aus all dem: „Die Champions League ist für Eintracht Frankfurt fast schon Pflicht!“ Das kann man so sehen. Muss man nicht.

Ist die Königsklasse für Eintracht Frankfurt drin?

Fakt ist, dass Sportvorstand Markus Krösche und Sportdirektor Timmo Hardung in der Tat einen „spannenden und vielversprechenden“ Kader gebaut haben. Die größten Schwachpunkte sind erkannt und, bei aller Vorsicht, entsprechend ausgemerzt worden. Es sind kluge Deals getätigt worden. Kein Mensch käme etwa auf die Idee und würde den ablösefreien (natürlich mit einem schönen Handgeld forcierten) Wechsel des Kölners Skhiri nach Frankfurt in Zweifel ziehen.

Der 28-Jährige war der beste Mittelfeldspieler der abgelaufenen Saison, hat eine hervorragende Mentalität und eine tadellose Einstellung. Da kann man nicht viel falsch machen. Auch Ex-Nationalspieler Koch ist ein Transfer, der durchaus Sinn macht. Der 26-Jährige bringt Führungsqualität, Emotionalität und auch eine gewisse Körpergröße (1,91 Meter) mit. Das ist nicht zu unterschätzen, die Eintracht hatte in der vergangenen Saison ein relativ kleines Team beisammen. Eine fast schon beängstigende Anfälligkeit bei Standards war die Folge.

Eintracht Frankfurt ist für viele Profis spannend

Und auch die anderen Transfers sind interessant. Als Ndicka-Ersatz kommt Willian Pacho aus Antwerpen, der 21-Jährige gilt als starker, aber immer noch entwicklungsfähiger Verteidiger. Offensivkraft Omar Marmoush, 24 heuert ablösefrei aus Wolfsburg an, und Schweden-Talent Hugo Larsson gilt mit seinen 19 als Rohdiamant. Schon im Winter kam Paxten Aaronson aus den Staaten, der schon ein halbes Jahr Bundesligaluft schnuppern konnte. Das wird ihm helfen.

Gerade Skhiri und Koch haben sich ganz bewusst gegen besser dotierte Angebote entschieden, weil das Projekt Eintracht spannend ist und aus sich heraus überzeugt, weil ihnen nicht das Blaue vom Himmel erzählt, sondern ihnen glaubhaft Perspektiven aufgezeigt wurden. Jeder weiß und jeder sieht, was möglich ist an diesem Standort und welche Entwicklung der einzelne Spieler und dadurch der Verein nehmen kann.

Die Ansprüche von Eintracht Frankfurt steigen

Koch erhofft sich durch die Eintracht ein Comeback in der Nationalmannschaft, Skhiri sprach davon, dass er gerne um Titel mitspielen möchte. Das sind hohe Ansprüche, die sich mit denen des Klubs decken. Die offensive Postulierung großer Ziele von Sportchef Krösche („Wollen regelmäßig international spielen“) ist vielleicht nicht branchenüblich und nicht alle finden das toll, doch was spricht dagegen?

Die größten Transfer-Flops von Eintracht Frankfurt

Anderson Bamba Ordonez Eintracht Frankfurt sieht sich die Commerzbank Arena an 05 02 2017 Eintr
Platz 10: Anderson Ordonez wechselte im Januar 2017 für 1 Mio. Euro von Barcelona an den Main. Jedoch nicht vom katalanischen Weltklub, sondern vom ecuadorianischen Pendant aus Guayaquil. Nach einem Jahr mit Verletzungsproblemen und nur vier Einsätzen ging es wieder zurück nach Ecuador, wo er bis heute spielt. © imago
Training Eintracht Frankfurt Ali Akman (Eintracht Frankfurt, 30) auf dem Rad. Training von Eintracht Frankfurt am 28. Ju
Platz 9: Ali Akman kam 2019 mit vielen Vorschusslorbeeren und reichliche Drama von Buraspor zur Eintracht. Weil er einen Vorvertrag in Deutschland unterschrieb, ließ Buraspor sein Toptalent für die restliche Vertragslaufzeit nicht mehr auflaufen. Die SGE zahlte ein wenig drauf, Akman kam noch früher. Der Stürmer kann sich aber bis heute nicht durchsetzten. Bis Sommer 2023 ist er an Göztepe ausgeliehen. Bislang ist er noch ohne Torerfolg in der Türkei. Der Durchbruch in Frankfurt wird ihm wohl nicht mehr gelingen. © Kessler/imago
31.10.2020, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Werder Bremen emspor, v.l. Bas Dost (Eintracht Frankfurt
Platz 8: Bas Dost schloss sich für stolze 7 Mio. Euro der SGE von Sporting aus Lissabon an. Nach einem vielversprechenden Start mit drei Treffern in fünf Spielen folgten in seiner Premierensaison nur noch fünf weitere Tore. Nach anderthalb Jahren ging er für 4 Mio. Euro - ein satter Verlust von 3 Millionen. © Huebner/imago
Lucas Alario fotografiert beim Fußball Freundschaft Spiel Eintracht Frankfurt gegen den SV Sandhausen am 2.12..22. in Fr
Platz 7: Für einen ähnlich hohen Betrag (6 Mio. Euro) kam Lucas Alario im Sommer 2022 von Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Mit nur 200 Spielminuten und nur einem mageren Törchen ist der Argentinier ein großer Flop - eigentlich. Denn noch hat Alario die Chance, das Ruder herumzureißen und sich mit Toren am Fließband aus dieser Liste zu katapultieren. © Schmidt/imago
Nelson VALDEZ F verletzt mit Krücken Fussball 1 Bundesliga 3 Spieltag Eintracht Frankfurt F
Platz 6: Bundesliga-Veteran Nelson Valdez kam 2014 immerhin ablösefrei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an den Main. Doch der Paraguayer riss sich bereits in seiner dritten Partie das Kreuzband. Zum Ende der Spielzeit kam er für acht Einsätze nochmal zurück, eher er die SGE wieder verließ. Immerhin: Bei seinem Comeback gegen Paderborn traf der Angreifer und sorgte für große Emotionen. © imago
Tommy Berntsen 2001 im Trikot von Eintracht Frankfurt
Platz 5: Nur die wenigsten Eintracht-Fans werden sich noch an Tommy Berntsen erinnern. 2001 für die damals schwindelerregende Ablösesumme von rund 1,9 Mio. Euro aus dem norwegischen Lillestrom nach Frankfurt gewechselt, reichte es nur zu drei Kurzeinsätzen in zwei Monaten. Neun Monate lang wurde der Norweger nicht mehr eingesetzt, ehe es wieder in die Heimat ging. © imago
Ümit Korkmaz von Eintracht Frankfurt mit Trainer Armin Veh
Platz 4: Als Toptalent von Rapid Wien für 2,3 Mio. Euro unter Vertrag genommen, konnte Ümit Korkmaz die Erwartung bei der Eintracht nie erfüllen. Zahlreiche Verletzungen verhinderten, dass der Österreicher mal viele Spiele in Folge absolvieren konnte. Dennoch ist der mittlerweile 37-Jährige immer ein gern gesehener Gast in Frankfurt. © imago
11.12.2019, xmhx, Fussball UEFA Europa League, Eintracht Frankfurt - Training und PK emspor, v.l. Dejan Joveljic (Eintr
Platz 3: Mit ähnlich großen Erwartungen schloss sich Dejan Joveljic den Adlerträgern an. Satte 4 Mio. Euro zahlte der Klub 2019 für das hoffnungsvolle Talent an Roter Stern Belgrad. Doch der Serbe setzte sich nie durch. Nach zwei Leihgeschäfte folgte im Sommer 2021 der Schritt nach Los Angeles - ohne je einen Bundesliga-Treffer erzielt zu haben. Mit einer Ablösesumme von 3,5 Mio. Euro konnte zumindest der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden. © Huebner/imago
15.05.2021, Fussball, Saison 2020/2021, 1. Bundesliga, 33.Spieltag, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt, Steven Zuber (E
Platz 2: 3 Milo. Euro ließ sich die Eintracht Steven Zuber Kosten. In 23 Einsätzen konnte er sich nicht in die Herzen der SGE-Fans spielen und enttäuschte größtenteils. Sein Leihgeschäft und anschließender Transfer-Deal nach Athen spülten immerhin 2 Mio. Euro wieder zurück in die Kassen der Hessen. © Rehbein/imago
Sam Lammers 9 (Eintracht Frankfurt), Bayer Leverkusen vs. Eintracht Frankfurt, Fussball, 1. Bundesliga, 32. Spieltag, 0
Platz 1: Schon die Rahmenbedingungen des größten Eintracht-Flops aller Zeiten machten stutzig. 3,6 Mio. Euro zahlten die Frankfurter für das einjährige Leihgeschäft von Sam Lammers an Atalanta Bergamo. Der Niederländer wirkt in jeder seiner größtenteils kurzen Einsätze wie ein Fremdkörper im Spiel der SGE. Der völlig überteuerte Leih-Deal wurde zur großen Enttäuschung. Ein anschließender Kauf stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, sodass der Angreifer nach einem Jahr wieder zurück nach Italien gehen musste. © Niemeyer/imago

Es ist richtig, sich nicht kleiner zu machen als man ist und permanent tiefzustapeln. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren, der dramatisch gestiegene Kaderwert, der Lizenzspieleretat und auch die Ausgaben lassen ja eigentlich gar keine anderen Vorgaben zu. Die Verantwortlichen lassen sich daran messen. Das ist gut so. Gleichwohl: Der Druck nimmt dadurch gewiss nicht ab.

Luft nach oben im Kader von Eintracht Frankfurt

Ist diese Mannschaft also stark genug, um sich für die Champions League zu qualifizieren. In der derzeitigen Besetzung ist das keine Utopie, von daher sind die eingangs beschriebenen Einschätzungen sicher nicht falsch oder tollkühn. Gewagt sind sie dennoch. Denn keiner weiß, ob das die Mannschaft sein wird, die auch im September noch zusammen ist.

Zudem hat das Aufgebot auf einigen Positionen Luft nach oben. Die Außenverteidiger Philipp Max und Aurelio Buta sind solide Spieler mit Drive nach vorne. Aber die Sterne haben sie noch nicht vom Himmel gespielt. Top-vier-Niveau sieht anders aus. Und nicht zu vergessen: Die Belegschaft der Offensive wird bis zum Ende der Transferperiode Anlass zu Spekulationen geben. In Daichi Kamada ist ein Spieler weg, der allein in der vergangenen Saison an 23 Pflichtspieltoren beteiligt war. Betrachtet man die letzten vier Spielzeiten, so hat der Japaner seinen Beitrag zu 73 Toren geleistet. Das muss man erst mal ersetzen.

Situation von Eintracht-Star Kolo Muani wie einst bei Jovic und Kostic

Und was wird aus Jesper Lindström, der mit seinem Tempo ein wichtiger Faktor im Angriffsspiel ist? Intern gehen die Verantwortlichen von einem Abgang aus. Der würde immerhin 35 bis 40 Millionen Euro bringen, die dann – zum Teil – klug reinvestiert werden müssten. Das größte Fragezeichen steht hinter Randal Kolo Muani, dem Überflieger aus Frankreich. Mit ihm steht und fällt die Bewertung und die tatsächliche Stärke des Kaders. Der 24-Jährige ist der Unterschiedsspieler. Bleibt er noch ein Jahr in Frankfurt und kommt halbwegs verletzungsfrei durch die Saison, ja, dann ist dem Team vielleicht nicht alles, aber doch sehr, sehr viel zuzutrauen, auch eine Platzierung in den Top-vier. Geht er aber doch, ist die Frage, wann – und wie Sportchef Krösche ihn womöglich auf die Schnelle ersetzen kann. Klar ist: Wenn ein Großklub ernst macht, wird Kolo Muani nicht zu halten sein. Das war bei allen so: Jovic, Haller, Rebic, Silva, Kostic. Und dann? Wären zwar 100 Millionen auf dem Konto, aber mit einem Schlag alles anders. Eben nur nicht besser. (dur)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jan Huebner

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