Der FC Bayern ringt auf dem Transfermarkt mit einer komplexen Situation. Die Weichenstellung für diese prekäre Lage erfolgte vor sechs Jahren.
München – Wir springen in den Sommer 2019. Der FC Bayern sorgt mit einem Deal auf dem Transfermarkt für Aufsehen.
Lucas Hernández ist mit einer kolportierten Ablöse von 80 Millionen Euro zum damaligen Zeitpunkt nicht nur der teuerste Einkauf in der Vereinshistorie des deutschen Rekordmeisters, sondern in der ganzen Bundesliga-Geschichte.
Doch der Verteidiger hat Pech, fällt kurz nach seiner Ankunft wegen eines Innenbandrisses im Sprunggelenk etliche Partien aus. In der Triple-Saison des FC Bayern bestreitet der französische Nationalspieler und Weltmeister von 2018 nur 25 Pflichtspiele. „Wir haben ihn noch nicht in Topform gesehen“, bilanziert der damalige Sportchef Hasan Salihamidžić in einem kicker-Interview.
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Lucas Hernández wird Erwartungen beim FC Bayern nie gerecht
„Man verbindet ihn immer mit der hohen Ablöse, aber ich bin sicher, Lucas wird seine Qualitäten voll entfalten und einbringen und wertvoll werden für die Mannschaft“, so Salihamidžić im Sommer 2020.
Das Problem: Der FC Bayern überwies für Hernández nicht nur eine horrende Ablöse an Atlético, sondern stattete den Spieler darüber hinaus mit einem fürstlichen Gehalt aus – eine Entscheidung mit gravierenden Folgen, wie sich hinterher herausstellen sollte.
Infolge einer Reihe von, teils schwerwiegenden, Verletzungen und daraus resultierend nur 107 Pflichtspielen in vier Jahren zog es Hernández im Sommer 2023 zu Paris Saint-Germain. Der FC Bayern erhielt mit 45 Millionen Euro nur knapp mehr als die Hälfte der Rekordablöse zurück. Inzwischen steht Hernández am Scheideweg. Weil er zu teuer und zu häufig verletzt ist, würde sich PSG offenbar gerne vom 29-Jährigen trennen.
Lucas Hernández als Ausgangspunkt für „die Geldvernichtungsmaschine“
Im Februar 2024 schrieb der kicker über die Situation des FC Bayern: „Mit dem Transfer von Lucas Hernández (80 Millionen Euro Ablösesumme plus rund 24 Millionen Euro Gehalt) wurde die Geldvernichtungsmaschine angeworfen – die Folgen sind bis heute fatal.“
Ex-Bayern-Profi Lothar Matthäus monierte gegenüber Sport Bild, dass der Hernández-Transfer „der Auslöser dafür gewesen“ sei, „dass die Gehälter explodiert sind“.
Das Dilemma: Wenn einer auf höchstem Niveau verdient, sein üppiges Gehalt aber wie Hernández nicht mit sportlichen Leistungen rechtfertigen kann, bringt es andere Spieler auf den Plan, ebenfalls mehr Geld zu fordern. Die stärkere Verhandlungsposition liegt dann beim Spieler, der ein logisches Argument in der Hinterhand hat.
Leroy Sané als Paradebeispiel für eine fragwürdige Entwicklung
Ein weiterer Fall: Leroy Sané. Der FC Bayern verpflichtete den Offensivspieler im Sommer 2020 für knapp 50 Millionen Euro von Manchester City, stattete Sané mit einem Vertrag bis 2025 und einem Gehalt von taxierten 20 Millionen Euro pro Jahr aus.
Als es in den letzten Monaten um eine Vertragsverlängerung ging, war für die Entscheider an der Säbener Straße in Stein gemeißelt, dass Sané nur bleiben kann, wenn er deutlich auf Gehalt verzichtet.
Die Krux: Zuvor hatte der FC Bayern bereits die Arbeitspapiere von Alphonso Davies und Kimmich verlängert, Davies erhielt eine massive Gehaltserhöhung auf rund 15 Millionen Euro, Kimmichs 2021 vereinbartes Salär von circa 20 Millionen Euro soll unverändert geblieben sein.
Sportvorstand Max Eberl hat seit seiner Ankunft im Frühjahr 2024 den Auftrag, die Gehaltskosten zu senken. Bis heute hat er damit offensichtlich Probleme.
Denn auf eklatante Gehaltseinbußen wollte sich Sané nicht einlassen. Das Ende vom Lied: Sané lehnte das Angebot des FC Bayern ab und verabschiedete sich ablösefrei zu Galatasaray Istanbul.
Sané-Poker hat bittere Konsequenzen für den FC Bayern
Der Poker um Sané rächt sich jetzt für Eberl. Denn der FC Bayern steckt in der misslichen Lage, einen Ersatz verpflichten zu müssen, zumal auch Jamal Musiala aufgrund eines Wadenbeinbruchs länger ausfällt und zudem Thomas Müller nicht mehr da ist.
Einen adäquaten Nachfolger für Sané zu verpflichten, erweist sich als schwieriges Unterfangen. Während man Sané zum Nulltarif ziehen lassen musste, muss der FC Bayern nun auf dem Transfermarkt möglicherweise 70 Millionen Euro aufwärts für einen neuen Offensivspieler hinlegen.
Eine Rechnung, die mindestens fragwürdig ist – und als Sinnbild dafür dient, dass beim FC Bayern einiges im Ungleichgewicht ist. Der Ausgangspunkt: Der Hernández-Transfer im Sommer 2019.
Inzwischen hält übrigens der 2024 für rund 95 Millionen Euro von Tottenham zu Bayern gewechselte Harry Kane die Rekorde als teuerster Einkauf in der Vereinshistorie und der Bundesliga-Geschichte. Der Stürmer soll bis zu 25 Millionen Euro verdienen. Der Unterschied zu Hernández: Er liefert sportlich ab.