VonIngo Durstewitzschließen
Nach dem geräuschvollen Verkauf von Randal Kolo Muani backt der Klub erst einmal kleinere Brötchen, vertraut dem aktuellen Team und rechtfertigt seine Transferstrategie.
Es gibt nicht viele Menschen, die behaupten würden, der Deadline Day sei für Eintracht Frankfurt perfekt gelaufen. Klar, Niels Nkounkou kam noch auf den letzten Drücker aus St. Etienne und soll Dampf machen über links. Das 18 Jahre alte Talent Sidney Raebiger ist aus Fürth losgeeist worden und wird in der U21 Spielpraxis sammeln. Hoffnungsvoller Jungmann. Und schließlich ist noch Rafael Borré, ein absoluter Großverdiener und ganz weit vorne im Gehaltsranking, von der Lohnliste runter, er wird auf Leihbasis versuchen, für Werder Bremen Tore zu schießen, was am Samstag nicht klappte, weil er noch nicht durfte. Die Hanseaten haben auch ohne den Kolumbianer den Mainzern vier Dinger eingeschenkt. Aber das Ganze wurde natürlich, wie auch Sportvorstand Markus Krösche zu Recht anmerkte, von dem Theater um Randal Kolo Muani in den Schatten gestellt. „Die Situation hat letztlich alles überstrahlt.“
Kurz vor Mitternacht am Freitag stimmte die Eintracht schließlich einem PSG-Angebot über 95 Millionen Euro zu. Eine Summe, die der Frankfurter Klub freimütig selbst kommunizierte, was total untypisch ist, aber ganz bewusst so geschah. Das ist verdammt viel Zaster. Und ein verdammt gutes Geschäft. Die Verantwortlichen sind hochzufrieden, weil sie sich von Paris Saint-Germain nicht über den Tisch haben ziehen lassen, eine 65-Millionen-Euro-Offerte eiskalt lächelnd abblitzen ließ, obwohl diese Summe intern als eigentlich marktgerecht angesehen wurde. Doch das Preisschild hing ja bei 100 Millionen, schon vor Monaten gesetzt. Friss oder stirb.
Borré hätte bei Eintracht Frankfurt bleiben müssen
So viel musste PSG schließlich fast locker machen. Das Verhandlungsgeschick des Vorstands, abgestimmt mit dem Aufsichtsrat, ist ausdrücklich hervorzuheben. Einen Spieler zum Nulltarif holen und ihn ein Jahr später zu dieser monströsen Summe zu veräußern – das ist ein Husarenstück.
Der einzige Haken: Es gibt keinen Kolo-Ersatz mehr, das Transferfenster schloss in Deutschland um 18 Uhr. Das ist suboptimal. Das weiß auch die Sportliche Leitung um Markus Krösche, der es aber nicht mehr ändern konnte. „Unsere Voraussetzung für einen Verkauf war eigentlich, dass wir einen Stürmer bekommen, der Kolo Muani ersetzen kann“, sagte er im vereinseigenen Interview. „Da wir im Laufe der vergangenen Wochen bereits Einigkeit mit entsprechenden Kandidaten hatten, ist es bitter, dass unsere Vorbereitungen aufgrund des sehr späten Angebots nicht umsetzbar waren.“ Gemeint sind Elya Wahi und Victor Boniface, die sich irgendwann umorientierten. Die Eintracht hätte sie freilich nur holen können, wenn Kolo oder Jesper Lindström früher gegangen wären. So war ihr finanziell die Hände gebunden. Und auch die ins Auge gefasste Verrechnung mit PSG-Angreifer Hugo Ekitike ließ sich nicht realisieren. PSG rief 35 Millionen auf, der Spieler ein Gehalt von 8,5 Millionen. Utopisch. „Aufgrund der hohen Forderungen erwies sich das als nicht darstellbar“, erklärt Krösche.
Der 42-Jährige stellt im Nachgang klar, dass er mit dem Wissen von Freitagabend dem Abgang von Rafael Borré einen Riegel vorgeschoben hätte. „Der Leihe hätten wir drei Stunden später nicht zugestimmt“, sagt Krösche. „So ehrlich muss man sein.“ Zumal die Eintracht wirtschaftlich nicht in hohem Maße profitiert. Borré hatte vorher einige Angebote anderer Klubs ausgeschlagen, die für die Eintracht lukrativ gewesen wären, weil sie eine stattliche Ablösesumme von rund sieben Millionen Euro hätte kassieren können. So spart sie nur das Gehalt.
Der 42-Jährige stellt im Nachgang klar, dass er mit dem Wissen von Freitagabend dem Abgang von Rafael Borré einen Riegel vorgeschoben hätte. „Der Leihe hätten wir drei Stunden später nicht zugestimmt“, sagt Krösche. „So ehrlich muss man sein.“ Zumal die Eintracht wirtschaftlich nicht in hohem Maße profitiert. Borré hatte vorher einige Angebote anderer Klubs ausgeschlagen, die für die Eintracht lukrativ gewesen wären, weil sie eine stattliche Ablösesumme von rund sieben Millionen Euro hätte kassieren können. So spart sie nur das Gehalt.
Krösche sieht die Kolo-Entscheidung als alternativlos. Denn er weiß, dass der Spieler kaum mehr einzugliedern gewesen wäre. Er war fremdbestimmt, wollte seinen Streik sogar schon früher durchziehen, war davon nur unter Androhung härtester Konsequenzen abzuhalten gewesen. In der Kabine war er isoliert, zog die gesamte Gruppe runter. Ob er von Kolo Muani auch menschlich enttäuscht sei? „Es ist schade“, antwortete Kröche nur. „Ich habe auch keine Lust mehr, über ihn zu sprechen. Randal ist jetzt Geschichte.“ Und doch: Man hört deutlich raus, wie tief ihn das Verhalten des Spielers verletzt hat. Auch die Fans zeigen dem einstigen Liebling, dem sie sogar ein eigenes Lied widmeten, die kalte Schulter. Vor dem Anpfiff der Partie gegen Köln entrollten sie ein großes Plakat: „Kohle Muani - Geld verändert nicht den Charakter, es macht ihn nur sichtbar.“
Kein arbeitsloser Spieler für die Eintracht
In jedem Fall habe sich „herausgestellt, dass die Situation nicht mit der von Filip Kostic vergleichbar war“, sagt Krösche. „Filip hat nach seinem Fehler alles für Eintracht Frankfurt gegeben und Geschichte geschrieben.“ Bei Kolo sei das nicht möglich gewesen: „Eine Rückkehr hätte keinen Sinn gemacht.“ Und doch hätte Krösche den Spieler nicht verkauft, wenn PSG nicht nachgebessert hätte. Er hätte ihn, das hat er intern kommuniziert, auch dauerhaft auf die Tribüne verbannt.
Der Geldregen bietet der Eintracht nun, wie der Sportchef einwirft, „andere Möglichkeiten, um nachhaltig unsere Transferstrategie zu verfolgen, wir haben mehr Spielraum“. Daher schlussfolgert er: „Langfristig gesehen war diese Grundsatzentscheidung verantwortungsvoll und richtig. Kurzfristig müssen wir uns eingestehen, dass die Situation aufgrund der fehlenden Kompensation im Sturm nicht ideal ist. Das weiß ich.“ Die Eintracht will dennoch keinen arbeitslosen Stürmer holen und erst im Winter nachlegen. Sie vertraut jetzt auf Omar Marmoush und Jessic Ngankam, und auch Lucas Alario soll eine ernsthafte Chance bekommen und einen neuen Anlauf unter dem neuen Trainer Dino Toppmöller nehmen. Zu Vorgänger Oliver Glasner herrschte ein herzliches Nicht-Verhältnis. Alario, verriet Krösche, hätte den Verein wechseln können. „Wir haben ihn aber gehalten.“ Ganz bewusst.
Trotz des Verkaufs des besten Spielers wird der Verein seine Ziele nicht anpassen. „Sie bleiben unverändert“, sagt Krösche, der aber keinen zusätzlichen Druck auf Trainer Toppmöller ausüben will. „Dino und sein Team haben die volle Rückendeckung und die Jungs unser Vertrauen. Aber es ist doch klar, dass wir die Umstände in unsere Erwartungshaltung integrieren.“ Hört sich so an, als seien ein paar Niederlagen mehr nun durchaus eingepreist.
