„Ich finde es rassistisch“: Nagelsmann verurteilt erschreckende DFB-Umfrage scharf
VonLuca Hartmann
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Eine WDR-Umfrage zur Hautfarbe der deutschen Nationalspieler sorgt weiter für großen Wirbel. Bundestrainer Julian Nagelsmann verurteilt die Fragestellung scharf.
Herzogenaurach – Für die deutsche Nationalmannschaft beginnt die heiße Phase in der EM-Vorbereitung. Seit Freitag weilt der DFB-Tross im EM-Quartier im Team Base Camp in Herzogenaurach, bereitet sich dort auf die letzten beiden letzten Testspiele vor Turnierbeginn gegen die Ukraine (3. Juni) und gegen Griechenland (7. Juni) vor.
Eigentlich sollte der volle Fokus der DFB-Stars auf Fußball liegen, doch eine WDR-Umfrage sorgt für große Aufregung abseits des Platzes. Nach Joshua Kimmich hat sich nun auch Julian Nagelsmann dazu geäußert – und zeigt sich nicht nur über die Ergebnisse, sondern auch über die Fragestellung schockiert.
Nagelsmann wütet gegen DFB-Umfrage: „Finde ich einen Wahnsinn“
Worum genau geht es? Für die Dokumentation „Einigkeit und Recht und Vielfalt“ hat der WDR bei Infratest dimap eine Umfrage in Auftrag gegeben. Der Aussage „Ich fände es besser, wenn wieder mehr weiße Spieler in der deutschen Nationalmannschaft spielen“ stimmten 21 Prozent der 1304 zufällig ausgewählten Befragten zu. Demgegenüber stehen 65 Prozent, die die Aussage ablehnen. Die restlichen Befragten gaben keine Antwort an.
Nicht nur die Ergebnisse, sondern auch schon die Fragestellung sorgt beim Bundestrainer für großes Unverständnis: „Allein die Fragestellung finde ich einen Wahnsinn, dass wir im Öffentlich-Rechtlichen so eine Frage stellen. Ich war schockiert und finde es auch rassistisch“, sagte Nagelsmann am Sonntag auf der DFB-Pressekonferenz in Herzogenaurach sichtlich verärgert.
Doch damit nicht genug, der Bundestrainer legte weiter nach: „Wir spielen eine EM für jeden im Land. Ich hoffe, nie wieder etwas von solchen Scheiß-Umfragen lesen zu müssen.“ Schließlich könne eine Fußball-Mannschaft „ein vereintes Vorbild sein“ und Menschen zusammenbringen.
DFB-Star schießt gegen Fragestellung und Ergebnisse von erschreckender Umfrage
Bereits am Vortag hatte Bayern-Star Joshua Kimmich die Ergebnisse der Umfrage energisch kritisiert. „Gerade der Fußball ist ein Beispiel dafür, wie man verschiedene Nationen, verschiedene Hautfarben, verschiedene Religionen vereinen kann“, sagte der 29-Jährige. Genau wie Nagelsmann hinterfragte Kimmich jedoch auch die Fragestellung der Umfrage. Es sei „absurd, so eine Frage zu stellen, wo es eigentlich darum geht, das ganze Land zu vereinen.“
Inzwischen hat sich auch der WDR selbst zu der umstrittenen Fragestellung geäußert und diese verteidigt. „Unser Reporter Philipp Awounou wurde in Interviews bei den Dreharbeiten zu der Dokumentation ‚Einigkeit und Recht und Vielfalt‘ mit der Aussage konfrontiert, dass zu wenige ‚echte‘, hellhäutige Deutsche auf dem Fußballplatz stehen. Das wollten wir bewusst nicht anekdotisch wiedergeben, sondern auf fundierte Daten stützen“, sagte WDR-Sportchef Karl Valks.
Zur Kritik am konkreten Wortlaut der Fragestellung bezog Valks jedoch keine Stellung. Lediglich die Ergebnisse seien bestürzend, aber „auch Ausdruck der gesellschaftlichen Lage im heutigen Deutschland“. (LuHa)