VonDaniel Michelschließen
Uli Hoeneß trägt die Schuld am geplatzten Transfer von Florian Wirtz zum FC Bayern. Das erfordert Konsequenzen. Michels Meinung.
München – Hauptverantwortlich dafür ist Uli Hoeneß. Der Ehrenpräsident des FC Bayern wendete Old-School-Methoden im Werben um Wirtz an.
FC Bayern warb in der Öffentlichkeit um Wirtz
Hoeneß artikulierte in der Öffentlichkeit sehr klar, dass er Wirtz zum FC Bayern holen wolle. Dabei hatte einst Busenkumpel Karl-Heinz Rummenigge betont, dass dieser aggressive Stil gar nicht zum FC Bayern passe. Doch nach der Hoeneß-Attacke sagten auch Rummenigge, Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen und Präsident Herbert Hainer öffentlich, man wolle Wirtz unbedingt verpflichten.
Einblicke in den FC-Bayern-Mannschaftsbus: Hier kriegen die Stars ihren Kaffee – Spezielle Details an Sitzen




Typisch für den FC Bayern: Die Charme-Offensive wurde vor dem Champions-League-Duell mit Bayer 04 Leverkusen forciert. Bayer und Wirtz wirkten besonders beim 0:3 im Hinspiel erstaunlich lethargisch. Die Folge: Der FC Bayern kam souverän weiter.
Hoeneß tat zudem viel dafür, die Gunst von Hans Wirtz zu gewinnen. Das Motto von Hoeneß offenbar: Habe ich den Vater und Berater von Florian Wirtz erstmal im Sack, dann läuft es auch wie geschmiert mit dem Sohn. Was für ein paternalistisches Verständnis...
Auch bei der Ablöse hat sich der FC Bayern verpokert
Auch in Sachen Geld vertraute Hoeneß auf alte Rituale. Bayer Leverkusen verlangte 150 Millionen Euro an Ablöse für Florian Wirtz. Der FC Bayern, der Wirtz unbedingt verpflichten wollte, feilte erst noch am Ablösepaket für Wirtz. Das erste geplante Angebot soll aber weit unter den Forderungen aus Leverkusen gewesen sein. Beim FC Liverpool, dem wahrscheinlich neuen Klub von Wirtz, wurde dagegen innerhalb weniger Tage die Summe abgesegnet. Ein Zeichen von großer Entschlossenheit.
Wirtz hat jedenfalls für seine Karriere die richtige Entscheidung getroffen, nicht zum FC Bayern zu gehen. Liverpool, mit weniger Konkurrenz- und Leistungsdruck, ist für den 22-Jährigen der nächste bedeutende Schritt.
Beim FC Bayern waren ohnehin nicht alle Fans heiß auf Wirtz. Schließlich spielt auf der Zehner-Position bereits Superstar Jamal Musiala. Der FC Bayern kann zudem das Geld für Wirtz nun in andere Kader-Baustellen investieren.
Michels Meinung: Konsequenzen für Uli Hoeneß!
Und doch sollte die von Uli Hoeneß verursachte Transferschmach Konsequenzen für den Ehrenpräsidenten haben. Es geht nämlich nicht nur um einen besonders peinlichen Transferfail, sondern um eine tieferliegende Frage, die auch in Politik und Wirtschaft oftmals als Sujet auftaucht. Die Grundkonstellation lautet:
Eine Person leistet über Jahre und Jahrzehnte sehr gute Arbeit. Irgendwann kommt aber die Zeit, um sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Doch die Person glaubt, auch aus der Ferne noch aktiv Geschäfte mitgestalten zu können. Meist gehen diese aber in die Hose und schaden Partei, Firma oder wahlweise Verein.
Um konkret zu werden: Wie kann die FC-Bayern-Familie gegenüber Uli Hoeneß weiterhin unglaubliche Dankbarkeit und Respekt ausdrücken für das, was er in rund 50 Jahren (1970 – 2019) als Spieler, Manager und Präsident für den Klub geleistet hat?
Aber auch: Wie kann Hoeneß deutlich gemacht werden, dass man als einfaches Aufsichtsratsmitglied nicht wie ein Klubchef die wichtigsten Entscheidungen des Vereins noch immer federführend mitbestimmen kann?
Viele Mitarbeiter sind Hoeneß persönlich verbunden
Ein Problem ist, dass sehr viele Mitarbeiter, ganz gleich ob in führenden oder gewöhnlichen Positionen, wesentlich Uli Hoeneß ihren Job zu verdanken haben.
Sportvorstand Max Eberl etwa gilt als „Ziehsohn“ von Hoeneß. Wie soll sich Eberl emanzipieren können? Das ist menschlich kaum möglich. Und wenn es jemand probiert, wie der Ex-Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn, dann wird es brenzlig. Bei Kahn ist das Ergebnis bekannt: Er wurde 2023 entlassen.
Auch Herbert Hainer, der Präsident des FC Bayern und Aufsichtsratsvorsitzende der FC Bayern AG, ist offensichtlich in sein Amt auch deshalb befördert worden, weil er in seiner Zeit als Chef von Adidas zu Uli Hoeneß ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hat. Hainer würde sich aller Wahrscheinlichkeit nach nie ernsthaft gegen Hoeneß stellen.
Tegernsee als heimliches Machtzentrum des FC Bayern
Skurril wirken auch über Jahre jene Berichte, dass Manager xy, Trainer xy, Spieler xy und eben auch die Familie Wirtz Uli Hoeneß in seinem Haus am Tegernsee besucht haben. Wurde die Zentrale des FC Bayern, die laut Google Maps an der Säbener Straße in München liegt, an den Tegernsee verlegt? Gab es eine Namensänderung des FC Bayern München in FC Bayern Tegernsee? Mehr Machtkult um den 73 Jahre alten Uli Hoeneß geht kaum und führt den angeblich professionell geführten Milliarden-Klub FC Bayern fast schon ad absurdum.
Ein Branchenkenner monierte in diesem Zusammenhang unlängst, dass dem FC Bayern ein Zukunftsmodell ohne Uli Hoeneß fehle, quasi ein „Mia san Mia 2.0“. Der FC Bayern schwelge noch in der Vergangenheit – und im System Hoeneß, so der Insider.
Noch sammelt der FC Bayern Titel
Die Konstellation geht wahrscheinlich noch so lange gut, wie der FC Bayern Titel sammelt. In den vergangenen zwei Jahren wurde aus den wichtigsten Wettbewerben genau ein Titel geholt: Die deutsche Meisterschaft 2025.
Michels Meinung lautet deshalb: Schickt Uli Hoeneß schon jetzt in den Feierabend, bevor es zu spät wird. Nicht, dass irgendwann darbende Verhältnisse wie bei Manchester United aufkommen.
Rubriklistenbild: © Imago / photothek / Collage: absolutfussball


