VonLars Pollmannschließen
Sollte der BVB die Champions League verpassen, müssen wohl Spieler verkauft werden. Das Ablösepotenzial eines Jungstars rückt immer mehr in den Fokus.
Dortmund – Borussia Dortmund bleibt unter Niko Kovač eine Wundertüte: In elf Spielen unter dem seit Ende Januar amtierenden Cheftrainer holte der BVB fünf Siege, kassierte aber auch vier Niederlagen.
In einigen Gesichtspunkten ist der Trend definitiv positiv. Die Mannschaft lässt weniger Chancen zu, kassiert dementsprechend auch weniger Gegentreffer. Das Offensivspiel ist zwar von einer gewissen Schlichtheit geprägt, vor allem aber war bisher oft die Chancenverwertung ein Mangel, der eine bessere Punktausbeute verhinderte.
Der Einfluss von Jamie Gittens hält sich in diesen Tagen in sehr engen Grenzen. Der Unterschiedsspieler der ersten Saisonhälfte hat seinen Stammplatz unter Kovač zuletzt eingebüßt.
Gittens ist beim BVB inzwischen eine Teilzeitkraft
Zwar kam Gittens in allen elf Partien unter dem Kroaten zum Einsatz, gleich fünfmal reichte es dabei aber nur zu Einwechslungen in den Schlussphasen der Spiele. Beim 3:1-Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 am Sonntag etwa drehte Kovač mit der Einwechslung von Gittens zur Nachspielzeit nur noch an der Uhr.
Zuvor hatte der Flügelspieler eine Einladung zur englischen U21-Nationalmannschaft ausgeschlagen, um sich einem kleinen operativen Eingriff an der linken Hand zu unterziehen. Beeinträchtigt war Gittens davon am Wochenende nicht mehr. Die Entscheidung gegen einen längeren Einsatz war sportlicher Natur.
Dass der 20-Jährige unter BVB-Trainer Kovač im Leistungstief steckt, analysierte Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, bereits im Februar. Seither hat sich dieser Eindruck nur weiter verfestigt.
Jungstar steckt beim BVB in einer tiefen Formdelle
Das Warten auf den nächsten Scorerpunkt, den insgesamt 16. in der Saison von Gittens, hält an. Letztmals war der Jungstar Mitte Januar bei der hochnotpeinlichen 2:4-Niederlage des BVB bei Holstein Kiel erfolgreich gewesen.
Grundsätzlich wissen gerade die Verantwortlichen in Dortmund, dass jungen Spielern solche Dellen in ihrer Entwicklung zugestanden werden müssen. Beim BVB herrscht obendrein die Meinung, dass Gittens in der ersten Saisonhälfte „überperformt“ habe und sich dadurch eine Erwartungshaltung gebildet habe, der der Dribbelkünstler noch nicht dauerhaft gerecht werden kann.
Das Problem ist allerdings: Gittens ist nicht irgendein Spieler für den BVB, sondern die größte „Wertanlage“ im Kader. Noch vor wenigen Wochen war in verschiedenen Medien immer wieder zu lesen, Dortmund könne beim Engländer auf Einnahmen im Bereich der magischen Marke von 100 Millionen Euro hoffen.
Schmerzgrenze der BVB-Bosse bei 60 Millionen Euro?
Mithin entstand der Eindruck, dass ein Verkauf von Gittens im Sommer die Probleme lösen würde, die der wahrscheinliche Ausfall von Champions-League-Einnahmen in der kommenden Saison mit sich bringen würde.
Ob je realistisch war, dass Gittens sich unter den teuersten Fußballprofis aller Zeiten einreiht, sei dahingestellt. Die anhaltende Formschwäche des U21-Nationalspielers der Three Lions hat die Verhältnisse korrigiert.
Laut dem Magazin Sport Bild haben die BVB-Verantwortlichen in der Personalie Gittens zwischenzeitlich die Schmerzgrenze bei 60 Millionen Euro angesetzt.
Negativtrend bei BVB-Star Gittens begann schon vor Kovač
Gittens würde sich damit auf einem ähnlichen Ablöse-Niveau bewegen wie Christian Pulisic beim Wechsel zum FC Chelsea, Pierre-Emerick Aubameyang beim Wechsel zum FC Arsenal oder Erling Haaland beim Wechsel (per Ausstiegsklausel) zu Manchester City – bliebe aber deutlich hinter den Rekordverkäufen von Dortmund zurück.
Zugespitzt könnte man die Frage stellen, ob der Spielstil unter Kovač und die Entscheidungen des Trainers den Klub bei Gittens Millionen von Euro kosten werden.
Tatsächlich ist allerdings festzuhalten, dass 100 Millionen Euro Ablöse für Gittens wohl eher Wunschszenario waren denn eine einzuplanende Einnahme. Außerdem zeigte die Formkurve beim Engländer schon in den letzten Wochen unter Nuri Şahin und auch in den drei Spielen unter Interimstrainer Mike Tullberg nach unten.
Adeyemi und Beier haben unter BVB-Trainer Kovač die Nase vorne
Dass sich Kovač in der Offensive zuletzt mehr und mehr auf Karim Adeyemi und Maximilian Beier festlegte, ist sportlich nachvollziehbar. Beide Angreifer befinden sich spürbar im Aufwind, werden torgefährlich und verrichten auch wichtige Arbeit gegen den Ball – woran es bei Gittens selbst in guten Phasen der Saison noch erheblich mangelte.
Sich der Aussicht auf Ablöse wegen auf den formschwachen Gittens zu versteifen, wäre hingegen eine geradezu politische Entscheidung von Kovač.
Die Hoffnung dürfte lauten, dass der Jungstar bald mal wieder ein Erfolgserlebnis sammelt, dadurch zu seiner Form findet und bis Saisonende auf sich aufmerksam machen kann. Ob es dann zu einem Transfer kommt und wie viel Spielraum dadurch für den nötigen Kaderumbruch geschaffen wird, muss die Zeit zeigen.
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