Tuta hilft aus

Eintracht Frankfurt: Rechts brennt’s

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Weil Aurelio Buta in einem tiefen Leistungsloch steckt, muss Tuta als Außenverteidiger aushelfen – eine Zukunftslösung soll das nicht sein

Frankfurt/Main – Von den Helden von Sevilla sind nicht mal zwei Jahre nach dem epischen Triumph der Eintracht gegen die Glasgow Rangers nicht mehr viele an Bord. Nur drei Frankfurter Spieler von damals sind übrig, die heute noch zum festen Stamm zählen, alle andere haben entweder schon lange das Weite gesucht, sind verletzt (Kapitän Sebastian Rode), zum Standby-Profi heruntergestuft (Altmeister Makoto Hasebe) oder zum Edeljoker für bestimmte Anlässe (Urgestein Timothy Chandler) umgeschult worden.

Nur Torwart Kevin Trapp, Flügelspieler Ansgar Knauff und Verteidiger Tuta stehen heute noch regelmäßig in der Startelf – so wie einst in jener magischen Nacht im Mai in Andalusien. Diese zunehmende Fluktuation, man weiß es längst, ist eine Folge des sich veränderten Fußballgeschäfts, insbesondere auch bei Eintracht Frankfurt.

Tuta gehört mit 24 Jahren fast schon zum alten Eintracht-Eisen

Der Brasilianer Tuta gehört inzwischen fast schon zum alten Eisen bei den Hessen, seit mehr als fünf Jahren spielt er für die Eintracht, nur mal unterbrochen von einer Leihe nach Belgien zum KV Kortrijk, eine Zeit, die ihn in seiner Entwicklung sicherlich nach vorne gebracht hat. Vor acht Tagen in Dortmund absolvierte Tuta bereits sein 100. Bundesligaspiel für den Bundesligisten vom Main (insgesamt 137 Pflichtspieleinsätze) – obwohl er immer noch erst 24 Jahre alt ist.

Der Abwehrmann war in den letzten beiden Spielzeiten gewiss nicht unantastbar, hatte Schwankungen und auch Bolzen im Spiel, aber die Trainer schätzen ihn und stehen zu ihm – egal ob Oliver Glasner oder jetzt Dino Toppmöller.

Unabhängig von Trainer und Position: Bei der Eintracht ist Tuta gesetzt

Tuta ist Stammspieler, auf nationalem Terrain genauso wie auf internationalem, stand auf dem Weg zum Sevilla-Triumph in fast allen Partien in der ersten Elf, genauso wie in abgelaufenen Runde in der Champions League: siebenmal Startformation, nur einmal nicht, da fehlte er gesperrt. Auch in dieser Spielzeit steht er fast immer beim Anpfiff auf dem Feld, 24-mal in der Bundesliga.

Mittlerweile hat er ein neues Betätigungsfeld, und damit ist nicht die temporäre Versetzung ins defensive Mittelfeld gemeint, wo er für zwei Partien sehr solide aushalf, sondern er verteidigt jetzt auf der rechten Seite der Viererkette. Das ist nicht seine Stammposition, er ist ja ein zentraler Deckungsmann, aber macht seine Sache gut und zur Zufriedenheit von Chefcoach Toppmöller, ist verlässlich und gibt dem Team insgesamt mehr Stabilität.

Schwacher Buta macht Rechtsverteidiger Tuta alternativlos

Eine Zukunftslösung ist Tuta auf dieser Position freilich nicht, aktuell hat seine Verschiebung eher damit zu tun, dass Aurelio Buta, ein gelernter Rechtsverteidiger, in einem solch tiefen Leistungsloch steckt, dass man sich allen Ernstes fragt, wie er da jemals wieder hinauskrabbeln will.

Früher wunderte man sich, dass es der Portugiese tatsächlich nicht schafft, seine Präzision bei Flanken oder Hereingaben zu verbessern, heute kommt er gar nicht mehr so weit nach vorne – selbst Einwürfe landen zumeist beim Gegner. Nicht zu vergessen seine wilden Schläge ins Niemandsland. Zuletzt in Dortmund verschuldete er den Freistoß, der zum 1:2 durch Mats Hummels und damit zur Vorentscheidung führte.

Im Formtief: Aurelio Buta.

Die Eintracht könnte sich schon bald von Buta trennen

Die Ungeduld mit dem 27-Jährige wächst, es wäre keine große Überraschung, wenn die Sportführung dem Verteidiger im Sommer einen Vereinswechsel nahelegen würde – trotz Vertrages bis 2026. Das wäre nicht nur nicht überraschend, es wäre auch konsequent, denn wenn die Eintracht ihr Niveau steigern will, was sie muss, um hohe Ziele in Angriff nehmen zu können, muss sie sich auf der Außenverteidigerposition rechts anders aufstellen und eine Veränderung vornehmen.

Die größten Transfer-Flops von Eintracht Frankfurt

Anderson Bamba Ordonez Eintracht Frankfurt sieht sich die Commerzbank Arena an 05 02 2017 Eintr
Platz 10: Anderson Ordonez wechselte im Januar 2017 für 1 Mio. Euro von Barcelona an den Main. Jedoch nicht vom katalanischen Weltklub, sondern vom ecuadorianischen Pendant aus Guayaquil. Nach einem Jahr mit Verletzungsproblemen und nur vier Einsätzen ging es wieder zurück nach Ecuador, wo er bis heute spielt. © imago
Training Eintracht Frankfurt Ali Akman (Eintracht Frankfurt, 30) auf dem Rad. Training von Eintracht Frankfurt am 28. Ju
Platz 9: Ali Akman kam 2019 mit vielen Vorschusslorbeeren und reichliche Drama von Buraspor zur Eintracht. Weil er einen Vorvertrag in Deutschland unterschrieb, ließ Buraspor sein Toptalent für die restliche Vertragslaufzeit nicht mehr auflaufen. Die SGE zahlte ein wenig drauf, Akman kam noch früher. Der Stürmer kann sich aber bis heute nicht durchsetzten. Bis Sommer 2023 ist er an Göztepe ausgeliehen. Bislang ist er noch ohne Torerfolg in der Türkei. Der Durchbruch in Frankfurt wird ihm wohl nicht mehr gelingen. © Kessler/imago
31.10.2020, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Werder Bremen emspor, v.l. Bas Dost (Eintracht Frankfurt
Platz 8: Bas Dost schloss sich für stolze 7 Mio. Euro der SGE von Sporting aus Lissabon an. Nach einem vielversprechenden Start mit drei Treffern in fünf Spielen folgten in seiner Premierensaison nur noch fünf weitere Tore. Nach anderthalb Jahren ging er für 4 Mio. Euro - ein satter Verlust von 3 Millionen. © Huebner/imago
Lucas Alario fotografiert beim Fußball Freundschaft Spiel Eintracht Frankfurt gegen den SV Sandhausen am 2.12..22. in Fr
Platz 7: Für einen ähnlich hohen Betrag (6 Mio. Euro) kam Lucas Alario im Sommer 2022 von Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Mit nur 200 Spielminuten und nur einem mageren Törchen ist der Argentinier ein großer Flop - eigentlich. Denn noch hat Alario die Chance, das Ruder herumzureißen und sich mit Toren am Fließband aus dieser Liste zu katapultieren. © Schmidt/imago
Nelson VALDEZ F verletzt mit Krücken Fussball 1 Bundesliga 3 Spieltag Eintracht Frankfurt F
Platz 6: Bundesliga-Veteran Nelson Valdez kam 2014 immerhin ablösefrei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an den Main. Doch der Paraguayer riss sich bereits in seiner dritten Partie das Kreuzband. Zum Ende der Spielzeit kam er für acht Einsätze nochmal zurück, eher er die SGE wieder verließ. Immerhin: Bei seinem Comeback gegen Paderborn traf der Angreifer und sorgte für große Emotionen. © imago
Tommy Berntsen 2001 im Trikot von Eintracht Frankfurt
Platz 5: Nur die wenigsten Eintracht-Fans werden sich noch an Tommy Berntsen erinnern. 2001 für die damals schwindelerregende Ablösesumme von rund 1,9 Mio. Euro aus dem norwegischen Lillestrom nach Frankfurt gewechselt, reichte es nur zu drei Kurzeinsätzen in zwei Monaten. Neun Monate lang wurde der Norweger nicht mehr eingesetzt, ehe es wieder in die Heimat ging. © imago
Ümit Korkmaz von Eintracht Frankfurt mit Trainer Armin Veh
Platz 4: Als Toptalent von Rapid Wien für 2,3 Mio. Euro unter Vertrag genommen, konnte Ümit Korkmaz die Erwartung bei der Eintracht nie erfüllen. Zahlreiche Verletzungen verhinderten, dass der Österreicher mal viele Spiele in Folge absolvieren konnte. Dennoch ist der mittlerweile 37-Jährige immer ein gern gesehener Gast in Frankfurt. © imago
11.12.2019, xmhx, Fussball UEFA Europa League, Eintracht Frankfurt - Training und PK emspor, v.l. Dejan Joveljic (Eintr
Platz 3: Mit ähnlich großen Erwartungen schloss sich Dejan Joveljic den Adlerträgern an. Satte 4 Mio. Euro zahlte der Klub 2019 für das hoffnungsvolle Talent an Roter Stern Belgrad. Doch der Serbe setzte sich nie durch. Nach zwei Leihgeschäfte folgte im Sommer 2021 der Schritt nach Los Angeles - ohne je einen Bundesliga-Treffer erzielt zu haben. Mit einer Ablösesumme von 3,5 Mio. Euro konnte zumindest der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden. © Huebner/imago
15.05.2021, Fussball, Saison 2020/2021, 1. Bundesliga, 33.Spieltag, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt, Steven Zuber (E
Platz 2: 3 Milo. Euro ließ sich die Eintracht Steven Zuber Kosten. In 23 Einsätzen konnte er sich nicht in die Herzen der SGE-Fans spielen und enttäuschte größtenteils. Sein Leihgeschäft und anschließender Transfer-Deal nach Athen spülten immerhin 2 Mio. Euro wieder zurück in die Kassen der Hessen. © Rehbein/imago
Sam Lammers 9 (Eintracht Frankfurt), Bayer Leverkusen vs. Eintracht Frankfurt, Fussball, 1. Bundesliga, 32. Spieltag, 0
Platz 1: Schon die Rahmenbedingungen des größten Eintracht-Flops aller Zeiten machten stutzig. 3,6 Mio. Euro zahlten die Frankfurter für das einjährige Leihgeschäft von Sam Lammers an Atalanta Bergamo. Der Niederländer wirkt in jeder seiner größtenteils kurzen Einsätze wie ein Fremdkörper im Spiel der SGE. Der völlig überteuerte Leih-Deal wurde zur großen Enttäuschung. Ein anschließender Kauf stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, sodass der Angreifer nach einem Jahr wieder zurück nach Italien gehen musste. © Niemeyer/imago

Auch rechts offensiv krankt es bei der SGE - Toppmöller fordert Leistungssteigerung

Auf links hat sie das geschafft, sieht sich dort gut aufgestellt: mit dem routinierte Philipp Max, dem unberechenbaren Niels Nkounkou und dem spannenden Neuzugang Nathaniel Brown. Das könnte die Blaupause für die andere Seite sein, die zwar auf der offensiveren Position deutlich stärker besetzt ist als dahinter – doch auch Eric Dina Ebimbe schwankt arg in seinen Leistungen, da ist viel Wundertütenpotenzial im Spiel. Seine Darbietungen gleichen einem Wellental – im wöchentlichen Rhythmus. Zur Verdeutlichung: ordentliche Leistung gegen Wolfsburg, schwache in Heidenheim, sehr gute gegen Hoffenheim, dürftige in Dortmund. Auffällig: Er spielt in der Regel zu Hause deutlich druckvoller und mutiger als auswärts.

Coach Toppmöller sind die Aufs und Abs nicht verborgen geblieben, er arbeitet intensiv mit Ebimbe, um mehr Konstanz und Seriosität ins Spiel zu bekommen. Denn Potenzial hat die Wuchtbrumme zu genüge. Aber es muss halt auch dauerhaft gehoben werden. „Er hat eine unfassbar gute Dynamik und ein gutes Gespür für die tiefen Läufe“, findet Toppmöller, „mit seiner Wucht ist er schwer zu verteidigen und zu stoppen.“

Doch gerade unter Gegnerdruck muss er mehr Ruhe und Sicherheit finden, auch klarere Entscheidungen treffen. Zu oft versucht er, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und dribbelt schon mal verwegen in drei Gegenspieler hinein. Das gilt es abzustellen. Um mehr Stabilität ins Tun zu bekommen, hat Toppmöller eine Entscheidung schon mal getroffen: Der polyvalente Spieler wird nicht mehr auf dem Feld hin- und hergeschoben, sondern soll sich auf dem Flügel festspielen. Richtig so.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sven Simon

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