VonThomas Kilchensteinschließen
Die Eintracht hat jetzt schon 36 Millionen in die Zukunft investiert und 40 Profis unter Vertrag - ohne Neuverpflichtungen
Frankfurt - Es ist ruhig geworden um Jens Petter Hauge. Nun ist es nicht so, dass der Norweger vorher bei Eintracht Frankfurt besonders im Rampenlicht gestanden hätte, aber man hört aktuell rein gar nichts mehr von dem 24-Jährigen, der im Januar in die Heimat verliehen wurde, zu seinem Jugendverein FK Bodø/Glimt. Dass man nichts hört vom offensiven Mittelfeldspieler, liegt daran, dass die Saison in Norwegen, die Eliteserien heißt, erst am 1. April beginnt.
Dafür erstreckt sie sich über das ganze Jahr, Meister und Absteiger stehen im Norden Europas also Anfang Dezember fest. Bis dahin spielt der bei der Eintracht so bitterlich enttäuschende Jens Petter Hauge, den Sportvorstand Markus Krösche einst für insgesamt zehn Millionen Euro vom AC Mailand in den Stadtwald gelotst hat, in Bodø – was im Umkehrschluss bedeutet: Er wird in diesem Sommer nicht in Frankfurt auftauchen.
Dafür viele, viele andere Spieler.
Eintracht Frankfurt: 40 Profis unter Vertrag
Wenn nicht alles täuscht (und Makoto Hasebe nicht doch noch ein Jahr dranhängt), stehen bei Eintracht Frankfurt für die Saison 2024/25 – Stand jetzt – 40 Profis unter Vertrag. Und da sind, logischerweise, etwaige Verstärkungen nicht mit eingerechnet. Und auf dem Markt wird der umtriebige Krösche allemal tätig sein, sein Augenmerk richtet der smarte Chefeinkäufer auf die Verpflichtung von gestandenen, erfahrenen Kräften, nach Identifikationsfiguren.
Über sehr junge, talentierte Spieler verfügen die Hessen ohnehin im Übermaß, dazu später mehr. Zur neuen Runde laufen lediglich die Arbeitspapiere von Hasebe und Sebastian Rode aus, der verletzte Kapitän beendet bekanntlich seine Karriere, setzt momentan alles daran, wenigstens am 34. Spieltag für ein paar Minuten vor seinem Publikum ein letztes Mal auf dem Rasen stehen zu können. Die Leihverträge mit Donny van de Beek und Sasa Kalajdzic, ohnehin nach einem Kreuzbandriss lange außer Gefecht, laufen aus, sie werden in England bei ihren alten Klubs einen neuen Anlauf nehmen müssen.
Auf der anderen Seite kehren im Sommer viele altbekannte Gesichter ans Stadion zurück, als da wären: Jessic Ngankam (FSV Mainz 05), Jerome Onguéné (Servette Genf, der in den letzten beiden Jahren bei diversen Klubs insgesamt auf drei Einsätze kam), Kristijan Jakic (FC Augsburg), Faride Alidou (der in Köln allein in 2024 mehr Tore erzielt hat als alle Frankfurter Winterverpflichtungen zusammen), Marcel Wenig (1. FC Nürnberg, ohnehin wegen Kreuzbandriss außen vor), Antonio Foti (Hannover 96), Paxten Aaronson (Vitesse Arnheim), Igor Matanovic (Karlsruher SC).
Jakic und Alidou könnten weiteres Geld in Eintracht Frankfurts Kassen spülen
Ragnar Ache (1. FC Kaiserslautern) und Ali Akman (FCV Dender E.H.) sind fest abgegeben worden. Klar ist, dass bis auf Matanovic, mit dem die Eintracht in Zukunft fest plant, mutmaßlich keiner dieser Profis eine große sportliche Zukunft bei den Hessen hat; sie sind ja jetzt schon, im Umbruchjahr, gewogen und für zu leicht befunden worden.
Jakic hat in Augsburg gute Karten, er hat dort eingeschlagen, gar zwei Treffer erzielt, fünf Millionen Euro soll er kosten; Köln besitzt bei Alidou eine Kaufoption (mit Frankfurter Rückkaufoption); alle anderen Rückkehrer dürften bei den Hessen für die neue Saison kaum eine Chance haben. Da hat Sportvorstand Krösche eine Menge Arbeit vor sich; dessen ungeachtet ist er einigermaßen zuversichtlich, dass es einen Markt für diese Spieler gibt.
Die beste Eintracht-Elf der Geschichte laut ChatGPT




Eintracht-Spieler mit Perspektive
Neben diesen ausgeliehenen Profis (und den Jungkickern Elias Baum, Noel Futkeu, Mehdi Loune und Dario Gebuhr) hat Eintracht Frankfurt zuletzt und in den beiden Wechselperioden eine Reihe von Transfers getätigt, teils im Vorgriff auf solche im Sommer, acht an der Zahl, das Gros Spieler mit Perspektive. Aktuell zum Kader gehört da lediglich der momentan angeschlagene Jean-Matteo Bahoya (18) vom französischen Zweitligisten SCO Angers.
Daneben hat sich die Eintracht die Dienste von Aurele Amenda, 20, von Young Boys Bern gesichert, für 9,5 Millionen Euro, und den Innenverteidiger gleich für ein halbes Jahr an die Schweizer verliehen, ebenso verfuhren sie mit Linksverteidiger Nathaniel Brown (20), 1. FC Nürnberg, drei Millionen Euro. Zuletzt hat es Innenverteidiger Nnamdi Collins (20), Borussia Dortmund, eine Million, in den Spieltagskader gegen den BVB geschafft, Krisztian Lisztes (18), Ferencvaros Budapest, drei Millionen Euro, ist aktuell am Sprunggelenk verletzt. Dazu kommt Verteidiger Davis Bautista (19), aus Ecuador. Womöglich ist das der eine oder andere Deal zu viel, aber auch die U21 in der Regionalliga will Erfolg haben.
Eintracht Frankfurt und Krösche verfolgen eindeutige Transfer-Strategie
Last but not least haben die Hessen eines der größten Talente, Can Uzun, für zehn Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg abgeworben. Ihm trauen die sportlich Verantwortlichen (neben Amenda) am ehesten den Sprung direkt in die Bundesliga zu; beim fränkischen Zweitligisten zählt der gerade mal 18-Jährige, der sich für die türkische Nationalmannschaft entschieden hat, zu den herausragenden Spielern, in 23 Partien für den „Club“ hat er bereits 13 Tore geschossen. Für diese Jünglinge (inklusive des brasilianischen Torwarts Kaua Santos) haben die Frankfurter rund 36 Millionen Euro auf den Tisch des Hauses gelegt, fürwahr eine stolze Summe.
Die sich aber auszahlen soll, denn Eintracht Frankfurt ist ihrer unter Krösche sehr stringent verfolgten Strategie treu geblieben, talentierte Spieler zu entdecken, zu holen, sie weiterzubilden, besser zu machen und schließlich teuer zu verkaufen. Hugo Larsson, der für neun Millionen Euro als 19-Jähriger von Malmö FF kam und heute schon einen Marktwert von 28 Millionen Euro hat, ist jüngstes Beispiel des Frankfurter Geschäftsmodells. Da muss man halt in Kauf nehmen, dass es anfangs eng werden könnte auf den Trainingsfeldern im Stadtwald.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Zink

