Setzen Burkardt und Wahi die große Eintracht-Tradition fort?
VonChristopher Michel
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Eintracht Frankfurt hatte in seiner Historie großartige Stürmer. Können Jonathan Burkardt und Elye Wahi daran anknüpfen?
Frankfurt – Was bei Bernd Hölzenbein begonnen und sich über Jörn Andersen, Anthony Yeboah oder Alex Meier fortgesetzt hatte, nahm ab 2018 noch einmal eine neue Dimension an. Die Stürmer-Tradition bei Eintracht Frankfurt ist beeindruckend und die Schlagzahl, mit der neue Top-Angreifer entwickelt werden, für die gesamte Fußball-Welt faszinierend.
2018/19 formte Ex-Trainer Adi Hütter zunächst die Büffelherde um Sébastien Haller, Luka Jović und Ante Rebić. Nachdem das Trio für über 100 Millionen Euro weg war, fand der österreichische Übungsleiter mit Filip Kostić und André Silva ein Traumduo. Flanke Kostić – Kopfball Silva – fertig war der 28-Tore-Vereinsrekord, den der portugiesische Stürmer im Sommer 2021 aufgestellt hatte.
Eintracht hat viele Top-Stürmer
Silva zog es per 23-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel nach Leipzig (eine sportlich falsche Entscheidung!) und Hütter zu Borussia Mönchengladbach (es wurde ein Intermezzo). Dafür kam Oliver Glasner, der den Klub zum Europa-League-Sieg führte. Rafael Borré taucht in der Liste der großen Eintracht-Stürmer zwar nicht ganz vorne auf. Dafür war die Performance in den zwei Jahren zu unstet.
Der Kolumbianer hatte allerdings einen goldenen Frühling, seine Tore gegen Barcelona, West Ham United und vor allem im Endspiel gegen die Glasgow Rangers waren maßgeblich für den Triumphzug. Ihn verdrängte dann Randal Kolo Muani. Der Franzose verabschiedete sich zwar auf unschöne Art und Weise, die von PSG überwiesenen 95 Millionen Euro ließen Frankfurt aber in eine neue Dimension aufsteigen.
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Ohne Kolo Muani und Glasner ging es mit Omar Marmoush und Dino Toppmöller weiter. Der Ägypter wurde in den 18 Monaten bis zu seinem 80-Millionen-Euro-Abgang zu Manchester City zur Bundesliga-Attraktion. Er war aber nach 37 Toren und 20 Vorlagen in 67 Pflichtspielen nicht mehr zu halten. Dessen „Partner in Crime“ Hugo Ekitiké konnte sich auch ohne Marmoush behaupten.
Der FC Liverpool ließ sich nicht bitten und legte den Sockelbetrag von 88 Millionen Euro hin. Mit Boni kann diese Summe noch auf 95 Millionen Euro anwachsen. Was die Eintracht innerhalb von sieben Jahren erlebt hat, haben andere Vereine in ihrer gesamten Geschichte so noch nicht erfahren. Wenn die Frankfurter starke Angreifer hatten, dann ging es ihnen zumeist auch gut.
Toppmöller geht in seine dritte Saison als Trainer der Hessen. Er muss die Offensive für Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal in die Spur bringen. Dafür bekam der Coach im vergangenen Januar Elye Wahi von Olympique Marseille und im Sommer Jonathan Burkardt von Mainz 05 zur Verfügung gestellt. Die beiden Stürmer kosteten den Verein zusammen über 40 Millionen Euro.
Burkardt weiß um die Eintracht-Tradition
Die Erwartungen sind dementsprechend groß. Setzen sie die Stürmer-Tradition bei der Eintracht fort? Burkardt weiß um die Größe der Fußspuren, in die er nach „Hugomar“ tritt. „Ich bin mir dessen bewusst. Ich weiß, wer hier vorher gespielt hat, und ich weiß, dass das großartige Stürmer sind, die tolle Leistungen gebracht haben“, sagte der 25-Jährige im Gespräch mit Sport Bild.
Die ersten Eindrücke in der Vorbereitung sind positiv. Burkardt war als Typ sofort integriert, auch sportlich sieht das bereits sehr ordentlich aus. Er erzielte im Trainingslager in den USA seine ersten beiden Tore im neuen Trikot. Auch Wahi taut mehr und mehr auf, der Franzose konnte Selbstvertrauen tanken und zumindest andeuten, was ihn auszeichnen könnte.
Burkardt betonte jedoch, kein „Ekitiké-oder-Marmoush 2.0“ sein zu wollen: „Es ist auch klar, dass ich meinen eigenen Weg gehen möchte. Ich bin ein anderer Spieler und ein anderer Mensch, ich möchte meine eigenen Fußstapfen hinterlassen.“ Der gebürtige Darmstädter will den Druck nicht an sich heranlassen.
Er sieht viel eher die Chance statt die Last: „Ich denke nicht, dass ich irgendwem oder irgendwas gerecht werden muss, sondern ich sehe das eher als tolle Sache für mich. Weil ich weiß, dass man hier gut mit Stürmern gearbeitet hat. Ich weiß, das ist ein Klub, der den Fokus auf die Entwicklung von Spielern, vor allem auch Stürmern legt.“ Die Vergangenheit, sie gibt ihm recht.