Das anspruchsvolle Stürmer-Puzzle bei Eintracht Frankfurt
VonChristopher Michel
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Hugo Ekitiké beschert Eintracht Frankfurt beim Abschied einen Geldregen. Die Verantwortlichen müssen jetzt klären: Wie füllt man die entstehende Lücke?
Frankfurt – Eintracht Frankfurt schafft es seit vielen Jahren, Stürmer zu Topleuten zu formen und für viel Geld zu verkaufen.
Bei der Eintracht purzeln die Rekorde
Luka Jovic, Sèbastien Haller, André Silva, Randal Kolo Muani, Omar Marmoush und bald auch Hugo Ekitiké spülten zusammen seit 2019 rund 400 Millionen Euro in die Kasse der Hessen (Abzüge nicht mit eingerechnet). Das sind historische Zahlen, Rekorde wurden beinahe im Halbjahrestakt geknackt.
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Trainer Dino Toppmöller hat in seinen vier Halbjahren bei der Eintracht drei Angreifer der Spitzenklasse verloren. Bei Kolo Muani und Marmoush fand er Lösungen, die Abgänge zu kompensieren. Natürlich war der Qualitätsverlust kurzfristig spürbar. Toppmöller stellte sich allerdings den Herausforderungen, am Ende stand die erstmalige Qualifikation für die Champions League über die Bundesliga.
Ekitiké reist schon nicht mehr mit ins Trainingslager in die USA. Der 23-Jährige wird sich dem FC Liverpool anschließen und über 90 Millionen Euro in die Kasse spülen. Doch kann Toppmöller auch diese Lücke schließen? Es ist aktuell ein schwieriges Stürmer-Puzzle bei den Hessen.
Wie schließt Eintracht-Trainer Toppmöller die Ekitiké-Lücke?
Das hat zunächst einmal den Grund, dass Ekitiké in der vergangenen Saison an 34 Treffern in allen Wettbewerben direkt beteiligt war. Der weitere Grund ist das große Fragezeichen, das hinter der Personalie Elye Wahi steht. Der bisherige Rekord-Neuzugang der Eintracht ist bislang nicht angekommen in der Mainmetropole. Ihm fehlt auf und neben dem Platz die Bindung.
Die Reise in die Staaten ist für ihn elementar wichtig. Gelingt sieben Monate nach seiner Ankunft in Frankfurt die Integration? Die Zweifel im Fan-Umfeld wachsen spätestens nach den Eindrücken aus dem Testspiel gegen den FSV Frankfurt (3:2). Erneut lief die Partie an ihm vorbei, auch gegen einen Viertligisten konnte der Stürmer nicht dringend benötigtes Selbstvertrauen tanken.
Diese Ungewissheit erschwert die Planungen bei der Kaderzusammenstellung. Jonathan Burkardt ist der Königstransfer, er soll zum Angreifer Nummer eins reifen. Für ihn gilt jedoch, dass er sich noch an die Abläufe und Teamkollegen gewöhnen muss. Das kann ein paar Spieltage dauern, bis alle Mechanismen greifen.
Wahi ist aktuell das Eintracht-Sorgenkind
Michy Batshuayi ist beliebt in der Mannschaft, ein Joker dieses Formats ist für jeden Trainer ein Segen. Der Belgier weiß, wo das Tor steht. Er ist routiniert, stark im Abschluss und macht auf der Bank sitzend keinen Stunk.
Wo aber gliedert sich Wahi ein? Es sieht bisher mitnichten nach einem Ekitiké 2.0 aus. Der kam mit körperlichen Problemen bei den Hessen an, integrierte sich jedoch rasch, brachte sich physisch in die Spur und überzeugte bereits im Endspurt der Saison 2023/24 mit vier Treffern und einem Assist in fünf Partien.
Noch ist der Geduldsfaden bei den Eintracht-Verantwortlichen nicht gerissen. Schon in der Vergangenheit tat es selten gut, Profis zu schnell abzuschreiben. Bei Wahi kommt hinzu, dass er im vergangenen Halbjahr mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte. Zudem machte er bei Ex-Klub Olympique Marseille als Reservist eine schwierige Zeit durch. Doch wie lange ziehen diese Erklärungsansätze noch?