Europameister als Benchmark

Spanien zeigt, was Julian Nagelsmanns DFB-Team fehlt

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Spanien sorgt gegen Frankreich über weite Strecken für eine Gala und zeigt, worauf Julian Nagelsmann mit seinem DFB-Team neidisch sein sollte.

Stuttgart – Knapp ein Jahr ist es inzwischen her, da schied die deutsche Nationalmannschaft im Stadion von Stuttgart auf unglückliche Art und Weise gegen den späteren Europameister Spanien aus.

Es gibt nicht wenige Beobachter, die sagen: Wäre das Handspiel von Marc Cucurella in der Nachspielzeit des Viertelfinales von Schiedsrichter Anthony Taylor geahndet worden, wäre das DFB-Team um Bundestrainer Julian Nagelsmann im Anschluss Europameister geworden.

So aber jubelten die Spanier und krönten sich zur besten Nationalmannschaft Europas. Ein Jahr später gibt es kaum einen Zweifel daran, dass die Truppe von Nationaltrainer Luis de la Fuente diesen Status immer noch innehat.

Klub-Boss umjubelt, DJ-Star mittendrin und Pokal-Küsse: Paris Saint-Germain feiert Champions-League-Kantersieg

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi klatscht mit den Pariser Spielern beim Champions-League-Finale ab.
Der Boss ist stolz: PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi klatscht die Gewinner ab. © IMAGO/Joris Verwijst
Ousmane Dembélé greift nach der Champions-League-Trophäe nach dem Finale gegen Inter Mailand.
Kann es kaum erwarten, die silberne Trophäe anzufassen: Ousmane Dembélé. © IMAGO/Mateusz Porzucek
Paris Saint-Germains Verteidiger Achraf Hakimi küsst die Champions-League-Trophäe nach dem Sieg gegen Inter Mailand.
Knutscher für den Henkelpott: 1:0-Torschütze Achraf Hakimi gönnt sich schon mal eine Kostprobe. © IMAGO/Branislav Racko
Unter Konfetti-Regen: PSG-Kapitän Marquinhos wird sehnsüchtig mit dem Henkelpott von seinen Teamkollegen erwartet.
Unter Konfetti-Regen: Marquinhos wird sehnsüchtig mit dem Henkelpott von seinen Teamkollegen erwartet. © IMAGO/PsnewZ
Kapitän Marquinhos reckt die Champions-League-Trophäe nach dem Finale zwischen Paris und Inter Mailand in die Höhe.
Der Moment, auf den alle bei Paris gewartet haben: PSG-Verteidiger und -Kapitän Marquinhos reckt die Champions-League-Trophäe in die Höhe. © IMAGO/Goal Sports Images
Kapitän Marquinhos hält die Champions-League-Trophäe in den Händen, die Teamkollegen feiern mit.
Emotionen pur: PSG feiert den höchsten Champions-League-Finalsieg der Geschichte. © IMAGO/Branislav Racko
Paris‘ Offensivmann Désiré Doué hebt die Champions-League-Trophäe gen Himmel.
Hat sich die Trophäe redlich verdient: Doppeltorschütze Désiré Doué. © IMAGO/Branislav Racko
Die Spieler von Paris Saint-Germain nehmen ein Siegerfoto vor der Kurve der PSG-Fans auf.
Der Champions-League-Sieger 2025 post vor der PSG-Fankurve.  © IMAGO/Pierre Teyssot
Ousmane Dembélé und Achraf Hakimi sprinten mit der Champions-League-Trophäe in Richtung der Pariser Fankurve.
Dembéle und Hakimi sprinten mit der Trophäe in Richtung der Pariser Fans. © IMAGO/Markus Ulmer
Presnel Kimpembe wird von den Ordnern beim Champions-League-Finale eng bewacht.
Alle Hände voll zu tun für die Ordner: Presnel Kimpembe und der CL-Pokal werden eng bewacht. © IMAGO/Vitalii Kliuiev
Willian Pacho präsentiert nach dem Champions-League-Finale zwischen Paris und Inter.
Ex-Eintracht-Verteidiger Willian Pacho präsentiert stolz die Siegermedaille. © IMAGO/Branislav Racko
DJ Snake hält den Champions-League-Pokal nach dem Finale gegen Inter Mailand in den Händen.
DJ Snake hält den Champions-League-Pokal in den Händen. © IMAGO/Jose Breton
PSG-Kapitän Marquinhos jubelt ausgelassen mit dem Henkelpott nach dem Sieg gegen Inter Mailand.
Ikonisch: Marquinhos jubelt ausgelassen mit dem Henkelpott. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
PSG-Star Vitinha mit der Champions-League-Trophäe auf dem Kopf.
Vitinha setzt sich den Henkelpott auf den Kopf. © IMAGO/PsnewZ
Marquinhos und Presnel Kimpembe weinen nach dem Champions-League-Sieg.
Können ihre Tränen nicht mehr zurückhalten: Marquinhos und Kimpembe. © IMAGO/Goal Sports Images
PSG-Offensivmann Ousmane Dembélé sitzt mit dem Champions-League-Pokal auf dem Rasen.
Ousmane Dembélé hängt mit dem Champions-League-Pokal ab. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
Die ehemaligen BVB-Teamkollegen Achraf Hakimi und Ousmane Dembélé posieren mit dem Champions-League-Pokal.
Verstehen sich gut: die Ex-BVB-Stars Achraf Hakimi und Ousmane Dembélé mit dem Henkelpott. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
Désiré Doué lässt sich mit cooler Sonnenbrille und der CL-Trophäe ablichten.
Désiré Doué mit cooler Sonnenbrille und der CL-Trophäe. © IMAGO/Jose Breton
Gianluigi Donnarumma posiert mit dem Champions-League-Pokal nach dem Endspiel gegen Inter Mailand.
Erinnerungsfoto: Torwart-Star Gianluigi Donnarumma mit dem Henkelpott. © IMAGO/Vitalii Kliuiev
Paris-Keeper Gianluigi Donnarumma küsst seine Freundin Alessia Elefante nach dem Champions-League-Spiel gegen Inter.
Gianluigi Donnarumma küsst seine Freundin Alessia Elefante am Spielfeldrand. © IMAGO/Dennis Agyeman
PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi küsst den Henkelpott nach dem Champions-League-Finale.
PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi küsst den Henkelpott. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
Nasser Al-Khelaifi wird von der Pariser Mannschaft nach dem 5:0 gegen Inter auf Händen getragen.
Nasser Al-Khelaifi wird von der Mannschaft auf Händen getragen. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
PSG-Trainer Luis Enrique reckt die Champions-League-Trophäe in die Höhe.
PSG-Erfolgscoach Luis Enrique reckt auf Schultern getragen den Henkelpott in die Höhe. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Luis Enrique hält einen PSG-Fanschal nach dem Champions-League-Duell gegen Inter Mailand hoch.
Stolz auf Klub und Fans: Trainer Luis Enrique. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
PSG-Trainer Luis Enrique feiert mit seiner Ehefrau und seinen Kindern den Champions-League-Finalsieg gegen Inter Mailand.
Glückliche Familie: Luis Enrique (rechts im Bild) feiert den CL-Sieg gegen Inter Mailand mit Ehefrau und Kindern. © IMAGO/Gerhard Schultheiß

Deutschland enttäuscht, Spanien begeistert

Während die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch in München eine ernüchternde Leistung bot und den Traum vom Nations-League-Titel gegen Portugal mit einem 1:2 begraben musste, setzten sich die Spanier am Donnerstag in einem beeindruckenden Spiel mit 5:4 gegen Frankreich durch und spielen am Sonntag (21 Uhr, alle TV-Infos) in der Münchner Arena gegen Portugal um den Pokal.

Spanien steht nach einem 5:4 gegen Frankreich im Finale der Nations League.

Bei Spanien begeisterte vor allem einer: Der 17-jährige Lamine Yamal, der schon jetzt als heißer Anwärter auf den Ballon d‘Or gilt. Der Jungstar des FC Barcelona erzielte gegen die Franzosen zwei Tore und überragte auch sonst mit einigen famosen Offensivaktionen.

Yamal scheint Wirtz und Musiala voraus zu sein

Yamal ist das Prunkstück in Spaniens Offensive, ein Spieler der absoluten Extraklasse. Im deutschen Team fallen am ehesten Jamal Musiala und Florian Wirtz in diese Kategorie. Wobei Yamal wohl noch eine Ebene über dem DFB-Duo schwebt.

Während Musiala und Wirtz in 40 beziehungsweise 30 Länderspielen acht- respektive siebenmal traf, steht Yamal nach erst 20 Länderspielen schon bei sechs Treffern. In puncto Assists hat Yamal (neun) bereits die Nase vor Musiala (acht) und Wirtz (sieben). Es sei dabei aber erwähnt, dass Musiala und Wirtz zwischen Zentrum und Flügel rotieren, während Yamal auf dem Flügel gesetzt ist.

Yamal ist mit nur 17 Jahren ein Kandidat, um bereits in diesem Jahr bei der Weltfußballer-Wahl ein ernstes Wort mitzureden. Musiala und Wirtz zählen mit ihren 22 Jahren unterdessen nur zum erweiterten Kandidatenkreis.

Gegen Portugal musste Deutschland ohne Musiala auskommen, zuvor war es Wirtz gegen Italien, der gefehlt hatte. Im Hinspiel in Mailand hatte sich das DFB-Team noch knapp mit 2:1 durchgesetzt, im Rückspiel in Dortmund hatte es ein 3:3 gegeben.

Spanien kann Ausfälle besser kompensieren

Nagelsmann musste gegen Portugal nicht nur Musiala ersetzen, mit Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Nico Schlotterbeck standen weitere Leistungsträger nicht zur Verfügung, die Verletztenliste war (zu) lang. Nagelsmann hatte gegen Portugal zu improvisieren, doch das hatte auch de la Fuente gegen Frankreich.

Aufseiten der Spanier waren nämlich die beiden an einem Kreuzbandriss laborierenden Rechtsverteidiger Daniel Carvajal und Weltfußballer Rodri außen vor. Und trotzdem lieferte der Europameister circa 70 Minuten eine Gala ab.

Dean Huijsen absolvierte dabei in der Innenverteidigung erst sein drittes Länderspiel, trat allerdings mit einer Souveränität auf, als stünde hinter der Anzahl seiner Länderspiele noch eine Null. De la Fuente konnte obendrein von der Ersatzbank mit Champions-League-Sieger Fabián Ruiz von Paris Saint-Germain und Barça-Star Dani Olmo weitere Qualität nachlegen.

Nagelsmann sorgt für umstrittene Wechsel

Nagelsmanns Wechsel trugen hingegen keine Früchte – im Gegenteil. DAZN-Experte Michael Ballack zog ein vernichtendes Urteil: „Er hat keine Qualität und keine Dynamik gebracht. Ein Gosens oder Füllkrug – das ist keine europäische Top-Klasse. Natürlich wechselst du durch, das hat unserem Spiel nicht gutgetan. Es ist mit jeder Minute schlechter geworden.“ Lothar Matthäus schrieb derweil in seiner Sky-Kolumne: „Der Bundestrainer hat mit seinen Wechseln die Mannschaft verunsichert.“

Julian Nagelsmann vollzog gegen Portugal umstrittene Wechsel.

Während bei Spanien auch der zweite Anzug sitzt, kann bei Deutschland nach der Niederlage gegen Portugal keine Rede davon sein. Für Ballack wirkte der Auftritt gegen die Portugiesen zudem „bisschen schleppend, bisschen fahrig“. Man habe „die Kontrolle nicht gehabt“, so der frühere DFB-Kapitän. „Die nötige Fitness war nicht da – auch die Qualität. Das muss man ganz klar ansprechen.“ Nagelsmann gestand: „Dann kann dich auch jede Drittliga-Mannschaft auseinander spielen.“

DFB-Team sehnt sich nach Kombinationsfluss und Spielfreude

Spanien wirkte dafür gegen Frankreich „wie ein Symphonieorchester“, lobte die Zeitung Sport. Die in Madrid ansässige Marca schrieb von einem „Spektakel einer neuen Zeit“. Die Spanier vereinten mal wieder Kombinationsfluss und Spielfreude – Elemente, die der DFB-Elf gegen Portugal abgingen, die sie aber schnellstmöglich zurückerlangen sollte, wenn sie den WM-Titel 2026 in Angriff nehmen möchte.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

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