VonAdrian Kühnelschließen
Spanien sorgt gegen Frankreich über weite Strecken für eine Gala und zeigt, worauf Julian Nagelsmann mit seinem DFB-Team neidisch sein sollte.
Stuttgart – Knapp ein Jahr ist es inzwischen her, da schied die deutsche Nationalmannschaft im Stadion von Stuttgart auf unglückliche Art und Weise gegen den späteren Europameister Spanien aus.
Es gibt nicht wenige Beobachter, die sagen: Wäre das Handspiel von Marc Cucurella in der Nachspielzeit des Viertelfinales von Schiedsrichter Anthony Taylor geahndet worden, wäre das DFB-Team um Bundestrainer Julian Nagelsmann im Anschluss Europameister geworden.
So aber jubelten die Spanier und krönten sich zur besten Nationalmannschaft Europas. Ein Jahr später gibt es kaum einen Zweifel daran, dass die Truppe von Nationaltrainer Luis de la Fuente diesen Status immer noch innehat.
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Deutschland enttäuscht, Spanien begeistert
Während die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch in München eine ernüchternde Leistung bot und den Traum vom Nations-League-Titel gegen Portugal mit einem 1:2 begraben musste, setzten sich die Spanier am Donnerstag in einem beeindruckenden Spiel mit 5:4 gegen Frankreich durch und spielen am Sonntag (21 Uhr, alle TV-Infos) in der Münchner Arena gegen Portugal um den Pokal.
Bei Spanien begeisterte vor allem einer: Der 17-jährige Lamine Yamal, der schon jetzt als heißer Anwärter auf den Ballon d‘Or gilt. Der Jungstar des FC Barcelona erzielte gegen die Franzosen zwei Tore und überragte auch sonst mit einigen famosen Offensivaktionen.
Yamal scheint Wirtz und Musiala voraus zu sein
Yamal ist das Prunkstück in Spaniens Offensive, ein Spieler der absoluten Extraklasse. Im deutschen Team fallen am ehesten Jamal Musiala und Florian Wirtz in diese Kategorie. Wobei Yamal wohl noch eine Ebene über dem DFB-Duo schwebt.
Während Musiala und Wirtz in 40 beziehungsweise 30 Länderspielen acht- respektive siebenmal traf, steht Yamal nach erst 20 Länderspielen schon bei sechs Treffern. In puncto Assists hat Yamal (neun) bereits die Nase vor Musiala (acht) und Wirtz (sieben). Es sei dabei aber erwähnt, dass Musiala und Wirtz zwischen Zentrum und Flügel rotieren, während Yamal auf dem Flügel gesetzt ist.
Yamal ist mit nur 17 Jahren ein Kandidat, um bereits in diesem Jahr bei der Weltfußballer-Wahl ein ernstes Wort mitzureden. Musiala und Wirtz zählen mit ihren 22 Jahren unterdessen nur zum erweiterten Kandidatenkreis.
Gegen Portugal musste Deutschland ohne Musiala auskommen, zuvor war es Wirtz gegen Italien, der gefehlt hatte. Im Hinspiel in Mailand hatte sich das DFB-Team noch knapp mit 2:1 durchgesetzt, im Rückspiel in Dortmund hatte es ein 3:3 gegeben.
Spanien kann Ausfälle besser kompensieren
Nagelsmann musste gegen Portugal nicht nur Musiala ersetzen, mit Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Nico Schlotterbeck standen weitere Leistungsträger nicht zur Verfügung, die Verletztenliste war (zu) lang. Nagelsmann hatte gegen Portugal zu improvisieren, doch das hatte auch de la Fuente gegen Frankreich.
Aufseiten der Spanier waren nämlich die beiden an einem Kreuzbandriss laborierenden Rechtsverteidiger Daniel Carvajal und Weltfußballer Rodri außen vor. Und trotzdem lieferte der Europameister circa 70 Minuten eine Gala ab.
Dean Huijsen absolvierte dabei in der Innenverteidigung erst sein drittes Länderspiel, trat allerdings mit einer Souveränität auf, als stünde hinter der Anzahl seiner Länderspiele noch eine Null. De la Fuente konnte obendrein von der Ersatzbank mit Champions-League-Sieger Fabián Ruiz von Paris Saint-Germain und Barça-Star Dani Olmo weitere Qualität nachlegen.
Nagelsmann sorgt für umstrittene Wechsel
Nagelsmanns Wechsel trugen hingegen keine Früchte – im Gegenteil. DAZN-Experte Michael Ballack zog ein vernichtendes Urteil: „Er hat keine Qualität und keine Dynamik gebracht. Ein Gosens oder Füllkrug – das ist keine europäische Top-Klasse. Natürlich wechselst du durch, das hat unserem Spiel nicht gutgetan. Es ist mit jeder Minute schlechter geworden.“ Lothar Matthäus schrieb derweil in seiner Sky-Kolumne: „Der Bundestrainer hat mit seinen Wechseln die Mannschaft verunsichert.“
Während bei Spanien auch der zweite Anzug sitzt, kann bei Deutschland nach der Niederlage gegen Portugal keine Rede davon sein. Für Ballack wirkte der Auftritt gegen die Portugiesen zudem „bisschen schleppend, bisschen fahrig“. Man habe „die Kontrolle nicht gehabt“, so der frühere DFB-Kapitän. „Die nötige Fitness war nicht da – auch die Qualität. Das muss man ganz klar ansprechen.“ Nagelsmann gestand: „Dann kann dich auch jede Drittliga-Mannschaft auseinander spielen.“
DFB-Team sehnt sich nach Kombinationsfluss und Spielfreude
Spanien wirkte dafür gegen Frankreich „wie ein Symphonieorchester“, lobte die Zeitung Sport. Die in Madrid ansässige Marca schrieb von einem „Spektakel einer neuen Zeit“. Die Spanier vereinten mal wieder Kombinationsfluss und Spielfreude – Elemente, die der DFB-Elf gegen Portugal abgingen, die sie aber schnellstmöglich zurückerlangen sollte, wenn sie den WM-Titel 2026 in Angriff nehmen möchte.
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